Al­t­an­schlie­ßer-Kla­gen ge­hen zu­rück

Al­t­an­schlie­ßer Ge­rich­te leh­nen Scha­dens­er­satz aus Staats­haf­tung ab, be­rich­tet der Vor­ste­her des Was­ser­ver­ban­des Straus­berg–Erk­ner. Von Jens Sell

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Vorderseit­e -

Straus­berg. Wie der Straus­ber­ger Was­ser­ver­band mit­teilt, nimmt die Zahl an Kla­gen von Al­t­an­schlie­ßern ab. Nach ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs aus dem ver­gan­ge­nen Jahr zu­guns­ten der Ver­bän­den und des Lan­des leh­nen Ge­rich­te Scha­dens­er­satz ab.

Die Zahl der Kla­ge­ver­fah­ren von Al­t­an­schlie­ßern auf Scha­dens­er­satz nach dem Staats­haf­tungs­ge­setz beim Land- und Ober­lan­des­ge­richt nimmt ab. Das be­rich­te­te der Vor­ste­her des Was­ser­ver­ban­des Straus­berg–Erk­ner (WSE), An­dré Bäh­ler, in der jüngs­ten Ver­bands­ver­samm­lung. Die Klä­ger be­zie­hen sich auf ein Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts von En­de 2015, das die rück­wir­ken­de Er­he­bung von An­schlie­ßer­bei­trä­gen für Ab­was­ser­an­schlüs­se für ver­fas­sungs­wid­rig er­klärt.

Ge­rich­te ver­mei­den Pro­zes­se

Da 2019 je­doch der Bun­des­ge­richts­hof zu­guns­ten der Ver­bän­de und des Lan­des ent­schied, er­tei­len Land- und Ober­lan­des­ge­richt in­zwi­schen den Klä­gern le­dig­lich um­fang­rei­che Hin­wei­se zur Rechts­la­ge und er­fra­gen das Ein­ver­ständ­nis zum Über­gang ins schrift­li­che Ver­fah­ren, be­rich­te­te Bäh­ler. Ru­hend ge­stell­te Ver­fah­ren wür­den in­zwi­schen wie­der auf­ge­ru­fen. Seit­dem ge­be es 58 Rück­nah­men von Kla­gen und 87 Ent­schei­dun­gen zu­guns­ten des Was­ser­ver­ban­des Straus­berg– Erk­ner. Im Ju­ni sei­en noch 78 Ver­fah­ren an­hän­gig. 30 an­hän­gi­ge Ver­fah­ren be­tref­fen Kla­gen ge­gen nicht be­stands­kräf­ti­ge Bei­trags­be­schei­de, um die­se an­zu­fech­ten. Die sind zum Teil seit 2011 und 2013 im Gan­ge. Dort ent­schei­den die Ge­rich­te in vie­len Fäl­len im Sin­ne der Al­t­an­schlie­ßer und der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts von 2015. Der WSE hat bis­lang 875 000 Eu­ro dar­auf­hin zu­rück­er­stat­tet. We­gen mit­un­ter un­ge­klär­ter Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se oder Über­las­tung der Ge­rich­te sei­en im­mer noch die­se Ver­fah­ren an­hän­gig. Wie lan­ge das dau­ern wer­de, kön­ne er nicht sa­gen.

Zu den auf Rück­nah­me be­stands­kräf­ti­ger Bei­trags­be­schei­de ge­rich­te­ten Kla­gen konn­te Ver­bands­vor­ste­her Bäh­ler dar­auf ver­wei­sen, dass die Zahl die­ser Kla­ge­ver­fah­ren wei­ter ab­neh­me. Seit April 2018 ent­schei­de das Ver­wal­tungs­ge­richt und seit No­vem­ber 2019 das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg zum Pa­ra­gra­fen 130 der Ab­ga­be­ord­nung in der Re­gel so, dass es kei­nen An­spruch auf Rück­nah­me der Be­schei­de ge­be. Meist wirk­ten die Ge­rich­te bei den Klä­gern auf ei­ne Ent­schei­dung oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung hin. Bäh­ler be­rich­te­te von 106 Kla­ge­ab­wei­sun­gen und 37 Kla­ge­rück­nah­men seit den ge­nann­ten Zeit­punk­ten. Im Ju­ni wa­ren noch 19 Ver­fah­ren an­hän­gig.

Der Was­ser­ver­band selbst hat­te im De­zem­ber 2016 ver­sucht, über den Weg der Staats­haf­tung Scha­dens­er­satz beim Land ein­zu­kla­gen und hat sich spä­ter ei­nem

Leit­ver­fah­ren ei­nes an­de­ren Ver­ban­des un­ter­wor­fen, be­rich­te­te der Vor­ste­her. Am 1. April sei das Ver­fah­ren be­en­det wor­den: „Die Ver­bän­de ha­ben ver­lo­ren, die Kla­gen wur­den ab­ge­wie­sen.“Die Bei­trags­be­schei­de sei­en rechts­kräf­tig, da­mit lie­ge kein Scha­den bei den Auf­ga­ben­trä­gern vor. Sei­nem Vor­schlag, es da­bei man­gels Er­folgs­aus­sich­ten zu be­las­sen, schloss sich die Ver­bands­ver­samm­lung ein­stim­mig an.

Klä­ger blei­ben hart­nä­ckig

Der Initia­tor des Straus­ber­ger Ak­ti­ons­bünd­nis­ses Al­t­an­schlie­ßer ma­chen mo­bil, Horst Wegner, ist ei­ner je­ner Klä­ger, die vor dem Ober­lan­des­ge­richt un­ter­la­gen. Ei­ne Re­vi­si­on des Ur­teils wur­de aus­ge­schlos­sen: „Wir ge­ben trotz­dem nicht auf und ha­ben Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­reicht“, sag­te er auf Nach­fra­ge die­ser Zei­tung. Ihm sei­en drei Al­t­an­schlie­ßer aus dem Straus­ber­ger Bünd­nis be­kannt, die dies ge­tan hät­ten. „Die Bun­des­ver­fas­sungs­rich­ter ha­ben schon ein­mal fest­ge­stellt, dass die rück­wir­ken­de Bei­trags­be­schei­dung ge­gen das Grund­ge­setz ver­stößt. Wir kämp­fen das durch“, sag­te Wegner.

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