Gu­te Leis­tun­gen trotz Co­ro­na

Abitur Am Ober­stu­fen­zen­trum in Straus­berg ha­ben 78 jun­ge Leu­te die Prü­fun­gen er­folg­reich be­stan­den. Bei ih­rem Nach­fol­ge­jahr­gang will das Schul­team nach den Fe­ri­en ent­stan­de­ne De­fi­zi­te ab­bau­en. Von Tho­mas Ber­ger

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Vorderseit­e -

Straus­berg. Am Ober­stu­fen­zen­trum ha­ben trotz der Co­ro­na-Un­bil­len in die­sem Jahr 78 jun­ge Leu­te die Prü­fun­gen be­stan­den. Beim Nach­fol­ge­jahr­gang will das Schul­team ent­stan­de­ne De­fi­zi­te ab­bau­en.

Das Ab­schied­neh­men in die­ser Form ist auch für Gu­drun Thies­sen­hu­sen ein Er­eig­nis, das all­jähr­lich um die­se Zeit an­steht, wenn die Schul­lei­te­rin des Ober­stu­fen­zen­trums Mär­kisch-Oder­land in Straus­berg den Abitu­ri­en­tin­nen und Abitu­ri­en­ten fei­er­lich ih­re Rei­fe­zeug­nis­se über­reicht. Den­noch war auch am OSZ in die­sem Jahr ei­ni­ges an­ders als sonst. Statt ei­nes Abi­balls für al­le gab es vier Mi­ni-Fei­ern nach den Tu­to­ri­en­kur­sen ge­trennt. Nach­ein­an­der, im Wech­sel von an­dert­halb St­un­den. Da­zu mit Ab­stand, in der Schul­turn­hal­le, die trotz der lie­be­vol­len Blu­men­de­ko eben ein von der At­mo­sphä­re we­ni­ger ge­eig­ne­ter Ort für ei­nen der fei­er­lichs­ten Mo­men­te im Le­ben jun­ger Men­schen bleibt. Nicht we­ni­ger herz­li­che und tief­sin­ni­ge Wor­te als sonst, aber kein lan­ger Hän­de­druck, viel­leicht gar ei­ne Umar­mung hier und da. Son­dern Lob, Er­mun­te­rung und pas­sen­de Rat­schlä­ge für den wei­te­ren Le­bens­weg mit der ge­bo­te­nen Dis­tanz – al­les in­fol­ge Co­ro­na.

Jahr­gangs­bes­te mit 1,4

Mit 126 Schü­lern ist die­ser Abi-Jahr­gang, der un­frei­wil­lig zum Co­ro­na-Jahr­gang wur­de, vor drei Jah­ren in der 11. Klas­se ge­star­tet. 81 da­von ha­ben sich im Mai den Ab­schluss­prü­fun­gen ge­stellt, mit 78 fast al­le sie auch er­folg­reich ge­meis­tert. Die ge­wis­se Ab­schmel­zung in der Stär­ke der Tu­to­ri­en über die­sen Zei­t­raum ist nicht un­ge­wöhn­lich. Zu­dem liegt der No­ten­durch­schnitt 2020 mit 2,5 im lang­jäh­ri­gen Mit­tel mit ge­rin­ger Schwan­kungs­brei­te. Jahr­gangs­bes­te war Ca­ro­lin Rei­bold mit ei­nem Schnitt von 1,4.

Ge­wis­ser­ma­ßen mit ei­nem blau­en Au­ge sind die Abitu­ri­en­ten durch die Wid­rig­kei­ten der Co­ro­na-Wo­chen ge­kom­men, be­stä­tigt auch die Schul­lei­te­rin des

OSZ. Die Un­ter­richts­zeit war für sie na­he­zu vor­bei, als der Lock­down be­gann, die Prü­fungs­vor­be­rei­tung nimmt je­der dann oh­ne­hin weit­ge­hend ei­gen­stän­dig zu Hau­se vor. „In­so­fern ha­ben die Ein­schrän­kun­gen die Ab­sol­ven­ten im Kern we­ni­ger stark ge­trof­fen als die Jün­ge­ren“, for­mu­liert es Gu­drun Thies­sen­hu­sen. Und auch ge­ne­rell ha­be das OSZ, das erst ab Klas­sen­stu­fe 11 be­ginnt, viel­leicht et­was we­ni­ger gra­vie­ren­de Pro­ble­me als an­de­re Schu­len. Sich Lern­in­hal­te ei­gen­stän­dig zu er­ar­bei­ten, ha­ben die Äl­te­ren schließ­lich schon et­was bes­ser ge­übt.

Die­se Fest­stel­lung soll den Um­stand, dass es den­noch al­ler­lei Aus­fäl­le und De­fi­zi­te gab, nicht klein re­den. „Es bleibt ge­ra­de auch für das neue Schul­jahr die Her­aus­for­de­rung, dass wir als Schu­le Schü­ler wie Leh­rer mit noch mehr Me­di­en­kom­pe­tenz aus­stat­ten“, ha­be sich als Auf­ga­be für die Mo­na­te nach den nun lau­fen­den Fe­ri­en her­aus­kris­tal­li­siert. Das OSZ müs­se da nicht beim Null­punkt be­gin­nen, ei­ne so­li­de Ba­sis, die be­reits vor­han­den war, ha­be sich in der Kri­se be­währt, so die Zwi­schen­bi­lanz. Gleich­wohl sei die nur drei­tä­gi­ge Vor­be­rei­tung auf die Not­maß­nah­men nicht aus­rei­chend ge­we­sen, ge­be es ei­ne Viel­zahl ech­ter Pro­ble­me und sei das Ho­me­schoo­ling ge­ne­rell äu­ßerst un­ter­schied­lich ge­lau­fen.

Ein gro­ßes Lob äu­ßert Gu­drun Thies­sen­hu­sen an den Groß­teil des Kol­le­gi­ums. „Vie­le ha­ben in die­ser Zeit weit mehr ge­ar­bei­tet als bei nor­ma­lem Un­ter­richt, wa­ren ex­trem flei­ßig und ha­ben zum Teil ex­tra Vi­de­os ge­dreht. Vor de­nen zie­he ich wirk­lich den Hut.“Al­len 25 Schü­lern ei­nes Kur­ses we­nigs­tens ein­mal wö­chent­lich ei­ne in­di­vi­du­el­le Rück­mel­dung zu­kom­men zu las­sen, das sei ein ho­her Auf­wand, dem sich vie­le vor­bild­lich ge­stellt hät­ten. De­fi­zi­te gibt es den­noch – ei­ne ge­naue

Be­stands­auf­nah­me wird die Aus­wer­tung der an Schü­ler und Leh­rer ver­schick­ten Fra­ge­bö­gen er­ge­ben, de­ren Rück­lauf ge­ra­de er­folgt. Den lan­des­wei­ten Vor­ga­ben des Mi­nis­te­ri­ums ge­mäß soll da­mit für die schul­in­ter­nen Pla­nun­gen des neu­en Schul­jah­res er­grün­det wer­den, wel­che jetzt nicht mehr ge­schaff­ten In­hal­te 2020/21 er­gän­zend nach­ge­holt wer­den kön­nen. Und in der Sum­me für die Po­li­tik in Pots­dam als et­wai­ge Bot­schaft, ob das Abitur nächs­tes Jahr mit Mi­ni­mie­rung von The­men­fel­dern oder ei­ner Ver­grö­ße­rung der Zahl von Wahl­pflicht­auf­ga­ben an­ge­passt wer­den müss­te.

Die Schwie­rig­kei­ten, er­klärt Gu­drun Thies­sen­hu­sen, fin­gen schon im tech­ni­schen Be­reich an. Bes­tes Bei­spiel ei­ne über­schau­ba­re Vi­deo­kon­fe­renz vor ei­ni­gen Ta­gen: Die Ein­wahl von Straus­berg oder Neu­en­ha­gen war pro­blem­los. In See­low, wo sie sich an dem Tag ge­ra­de auf­hielt, „muss­te ich be­reits mit mei­nem Ta­blet auf die Stra­ße ge­hen“. Und ei­ne Kol­le­gin, die in ei­nem Oder­bruch­dorf kurz vor Frank­furt wohnt, konn­te man­gels aus­rei­chend star­ker Ver­bin­dung erst gar nicht teil­neh­men. Ähn­lich sieht es bei den Schü­lern aus, die im Fall des OSZ na­he­zu über die ge­sam­te Flä­che des Land­krei­ses ver­streut woh­nen. Sie wis­se kon­kret von ei­nem Mäd­chen in ei­nem der Loo­se-Dör­fer bei See­low, das dort gar kei­nen Emp­fang ha­be, höchs­tens zu ei­ner Freun­din fah­ren kön­ne, um ins In­ter­net zu kom­men: „Die­se Schü­ler sind dann wirk­lich be­nach­tei­ligt.“

Me­di­en­kom­pe­tenz im Fo­kus

Zu­dem ist das OSZ als größte Bil­dungs­ein­rich­tung im Kreis be­kann­ter­ma­ßen ge­mein­sa­mes Dach für meh­re­re Schul­for­men, von de­nen das Be­ruf­li­che Gym­na­si­um nur ei­ne ist. Die an­ge­hen­den Abitu­ri­en­ten hät­ten da im Ver­gleich im­mer noch die höchs­te Me­di­en­kom­pe­tenz vor­zu­wei­sen, reich­lich Nach­hol­be­darf ge­be es ge­ra­de bei et­li­chen Be­rufs­schü­lern. Bei den jun­gen Flücht­lin­gen ge­sel­le sich noch das Sprach­pro­blem da­zu. Und die per­sön­li­che tech­ni­sche Aus­stat­tung ist nicht nur bei ih­nen, son­dern auch ei­ni­gen Ju­gend­li­chen aus we­ni­ger be­tuch­ten Fa­mi­li­en man­gel­haft. Zwei Schü­ler, die sich of­fen mit ei­nem sol­chen Be­darf mel­de­ten, ha­be man in Ab­spra­che mit dem Kreis mit­tels Leih­ge­rä­ten hel­fen kön­nen.

Lo­ben­de Wor­te fin­det Gu­drun Thies­sen­hu­sen dar­über hin­aus für je­ne Aus­bil­dungs­be­trie­be ih­rer Be­rufs­schü­ler, die den jun­gen Leu­ten Tech­nik und ex­tra Zeit zur Ver­fü­gung stell­ten. Sie weiß aber eben­so von Ne­ga­tiv­bei­spie­len, wo die Azu­bis, die ja nicht in Kurz­ar­beit ge­schickt wer­den konn­ten, fast die Ein­zi­gen im Be­trieb wa­ren, die noch ar­bei­te­ten – und durch die Mehr­be­las­tung kaum Zeit für die Be­rufs­schu­le hat­ten.

Er­folg­reich fer­tig wur­den auch 53 jun­ge Er­zie­her und 49 in der Be­rufs­fach­schu­le So­zi­al­we­sen.

Lehr­kräf­te hat­ten in der Zeit des Ho­me­schoo­ling sehr viel mehr zu ar­bei­ten als nor­ma­ler­wei­se.

Fo­tos (2): Max Sae­ling/Lou­is Loth

Be­son­der­hei­ten des Co­ro­na-Abis: Statt der üb­li­chen gro­ßen Fest­ver­an­stal­tung für al­le gab es nur Mi­ni-Fei­ern der vier Kur­se in der Turn­hal­le.

Dank an die Leh­rer: Da­riyan Ho­hen­see, im Hin­ter­grund Le­on Fried­rich und Vi­vi­an Ber­lin, wür­dig­te die Be­treu­ung in den drei Jah­ren.

Fo­to: Tho­mas Ber­ger

Schul­lei­te­rin: Gu­drun Thies­sen­hu­sen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.