Ge­spal­te­nes Ver­hält­nis

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Themen Des Tages/politik - Ste­fan Ke­gel

An­ge­sichts des neu­en Si­cher­heits­ge­set­zes muss auch Deutsch­land sich mög­li­cher­wei­se dar­auf ein­rich­ten, dass künf­tig mehr Be­woh­ner Hong­kongs hier­zu­lan­de Asyl be­an­tra­gen. Bis­lang gal­ten sol­che An­trä­ge an­ge­sichts der dor­ti­gen De­mo­kra­tie-La­ge als eher exo­tisch – nach An­ga­ben des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums gab es im ver­gan­ge­nen und im lau­fen­den Jahr je­weils ei­nen Asyl­an­trag von Hong­kon­gern. Ob sich die­se Zahl auf­grund der ver­än­der­ten La­ge er­hö­hen wird, dar­über will die Bun­des­re­gie­rung nicht spe­ku­lie­ren. Im Be­zug auf Asy­l­ent­schei­dun­gen ge­be je­den­falls „kei­ne un­mit­tel­ba­re Not­wen­dig­keit, des­we­gen die Ent­schei­dungs­grund­sät­ze an­zu­pas­sen“, er­klär­te der Spre­cher am Frei­tag.

Im Um­gang mit Chi­na steht Deutsch­land zwi­schen wirt­schaft­li­cher Ab­hän­gig­keit und den Prin­zi­pi­en der Men­schen­rech­te. „Die Be­zie­hun­gen zu Chi­na sind wich­tig. Sie sind von stra­te­gi­scher Be­deu­tung“, sag­te Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) am Don­ners­tag­abend, als sie über die Zie­le der deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft sprach. Mit die­sem Ge­dan­ken zielt sie auf ei­ne Welt, in der sich bis­he­ri­ge Al­li­an­zen auf­lö­sen und Deutsch­land mit Eu­ro­pa an­ge­sichts zu­neh­men­der Kon­flik­te mit dem Part­ner USA sei­ne Rol­le fin­den muss. In Re­gie­rungs­krei­sen wird zur Vor­sicht ge­mahnt, dass man sich im Groß­kon­flikt zwi­schen den USA und Chi­na nicht auf ei­ne Sei­te schla­gen dür­fe.

Deutsch­land bleibt im Dia­log

Um­so wich­ti­ger ist der Kanz­le­rin der Dia­log mit Pe­king, auch über Hong­kong. „Da ist die Fra­ge, ob der Grund­satz ,Ein Land, zwei Sys­te­me’ mit die­sem Si­cher­heits­ge­setz leb­bar ist. Wir wer­den dar­über mit Chi­na auch wei­ter den Dia­log und das Ge­spräch su­chen“, er­klär­te sie. Der we­gen Co­ro­na ab­ge­sag­te EU-Chi­na-Gip­fel soll nun im Herbst statt­fin­den. Bei ihm geht auch dar­um, ein In­ves­ti­ti­ons­ab­kom­men un­ter Dach und Fach zu brin­gen.

Für Mer­kel war der Um­gang mit Chi­na ei­ner Lern­kur­ve un­ter­wor­fen. Heu­te wür­de sie den Da­lai La­ma wohl nicht mehr wie 2007 im Kanz­ler­amt emp­fan­gen. Kri­tik muss­te auch Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) ein­ste­cken, als er sich im Sep­tem­ber 2019 mit dem Hong­kon­ger Bür­ger­recht­ler Jos­hua Wong traf. Die­ser rief am Frei­tag da­zu auf: „Wir brau­chen die Un­ter­stüt­zung Eu­ro­pas ge­ra­de jetzt, es darf kei­ne Aus­re­den mehr ge­ben.“

Fo­to: dpa

Men­schen­rechts­ak­ti­vist Jos­hua Wong

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