Taz-Bei­trag ist zu­tiefst ver­un­glimp­fend und be­lei­di­gend

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Leserbrief­e -

Zu See­ho­fers an­ge­droh­ter An­zei­ge

Durch See­ho­fer steht die Pres­se­frei­heit un­ter Druck und zwar un­ter dem Druck des deut­sche Pres­se­rats. Der ist of­fen­bar so et­was wie der Zen­sor und der Sa­ti­ri­ker zu­gleich, er be­stimmt de­mo­kra­tisch, was ge­druckt wer­den darf und was po­li­tisch kor­rekt, ver­tret­bar oder ge­wünscht ist. Pres­se­frei­heit in Deutsch­land eben. Nur wer kri­ti­siert jetzt die Re­dak­tio­nen, die ei­ne so „miss­lun­ge­ne Sa­ti­re“von ei­ner mit man­geln­dem Sach­ver­stand aus­ge­stat­te­ten „Jour­na­lis­tin“durch­ge­hen las­sen?

Die­se pri­mi­ti­ve Ve­rächt­lich­ma­chung der Po­li­zei führt nicht et­wa in der taz-Re­dak­ti­on oder bei der SPD zu Kri­tik. Im Ge­gen­teil. Das passt, fin­de ich, gut ins Zeit­ge­sche­hen, in dem Bill Ga­tes als Ur­he­ber des Co­ro­na­vi­rus hin­ge­stellt wird, Denk­mä­ler ge­stürzt wer­den und über Ras­sis­mus in Deutsch­lands Po­li­zei ge­re­det wird. Da trös­tet es nur we­nig, wenn der in der Zei­tung in­ter­view­te Herr Über­all vom Jour­na­lis­ten­ver­band am Schluss sagt: Es wer­den bei De­mons­tra­tio­nen nicht nur Po­li­zis­ten an­ge­grif­fen, son­dern auch Jour­na­lis­ten. Mi­cha­el Dittrich, Tre­plin

Von al­len Sei­ten ru­fen Jour­na­lis­ten „Hil­fe, die Pres­se­frei­heit ist in Ge­fahr“. War­um? Herr See­ho­fer hat­te über­legt, ob er ei­ne Straf­an­zei­ge ge­gen ei­ne Jour­na­lis­tin stellt, die in un­ver­schäm­ter Wei­se ei­ne gan­ze Be­rufs­grup­pe be­lei­digt hat. Wenn man das dann fei­ge als „Sa­ti­re“be­zeich­net, bleibt der Tat­be­stand der Be­lei­di­gung den­noch be­ste­hen. Die Po­li­zei­be­am­ten müs­sen sich je­den Tag im­mer wie­der mit Fehl­ver­hal­ten je­der Art, Straf- und Ord­nungs­wid­rig­kei­ten, be­rech­tig­ten und un­be­rech­tig­ten Wün­schen der Bür­ger aus­ein­an­der­set­zen.

Na­tür­lich ist die Po­li­zei, wie Be­rufs­stän­de auch, in ih­rer Zu­sam­men­set­zung ein Spie­gel­bild der Ge­sell­schaft, will sa­gen, es gibt auch bei der Po­li­zei „schwar­ze

Scha­fe“. Aber Kri­tik mit „dras­ti­schen Wor­ten“, wie der Kom­men­ta­tor schreibt, ist et­was an­de­res, als ei­ne gan­ze Be­rufs­grup­pe auf die Müll­de­po­nie, sprich in den Ab­fall, zu wün­schen.

Wil­fried Holl, Stol­zen­ha­gen

Wer Horst See­ho­fer kennt, weiß, dass er nach be­deut­sa­men An­kün­di­gun­gen den ei­nen oder an­de­ren Rück­zie­her macht. Bun­des­an­kün­di­gungs­mi­nis­ter spot­tet man schon in­tern. Die­ses Mal hat ihn wohl die Kanz­le­rin zu­rück­ge­pfif­fen. Bei Böh­mer­manns Schmäh­ge­dicht sprach An­ge­la Mer­kel öf­fent­lich noch von „be­wusst ver­let­zend“. Bei dem ehr­ab­schnei­den­den taz-Ar­ti­kel kommt da nichts. Man soll­te den­ken, dass die So­li­da­ri­tät mit der ei­ge­nen Po­li­zei, die täg­lich ih­ren Kopf für uns hin­hält, wich­ti­ger sein soll­te als die be­lei­dig­te Eh­re ei­nes tür­ki­schen Prä­si­den­ten.

Scha­de nur, dass die­se Art von Volks­ver­het­zung of­fen­bar von der Pres­se­frei­heit ge­deckt wird und schlimm, dass ei­ni­ge Jour­na­lis­ten ge­ra­de so et­was aus­wäh­len, um die­ses, ihr Grund­recht an­zu­mah­nen. Rü­di­ger Lütt­ge, Giels­dorf

„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“Das scheint die De­vi­se all der Par­tei­po­li­ti­ker zu sein, die sich ei­ner­seits em­pört über die Ent­glei­sung ei­ner Jour­na­lis­tin in ei­ner „taz“-Ko­lum­ne über die Ar­beit der Po­li­zei zei­gen, die aus mei­ner Sicht nicht nur „po­li­zei­kri­tisch“, son­dern zu­tiefst ver­un­glimp­fend und be­lei­di­gend ist. Rück­grat zei­gen und Kl­ar­text re­den, scheint heut­zu­ta­ge für vie­le Ver­tre­ter/-in­nen un­se­rer Par­tei­en nicht mehr en vo­gue zu sein! In der Tat ist die „Pres­se­frei­heit ein sehr ho­hes Gut“. Aber ist es Auf­ga­be von Jour­na­lis­ten, ei­nen Be­rufs­stand, der noch da­zu den Schutz al­ler Bür­ger ga­ran­tie­ren muss, als Müll und „Ab­fall“zu be­zeich­nen? Doch wohl nicht!

Max-Ge­org Frhr. von Korff,

Neu­en­tem­pel

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