Ein Ein­bruch oh­ne je­den Ver­gleich

Die Bran­che rech­net für 2020 mit ei­nem Rück­gang der Neu­zu­las­sun­gen um 23 Pro­zent.

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Wirtschaft Regional -

Ber­lin. Vor ei­nem hal­ben Jahr warn­te die Prä­si­den­tin des Ver­bands der Au­to­mo­bil­in­dus­trie (VDA), Hil­de­gard Mül­ler, noch vor Pa­nik­ma­che we­gen Co­ro­na. Knap­pe sechs Mo­na­te spä­ter ist klar: Die Au­to­bran­che be­fin­det sich in der schlimms­ten Kri­se, die es je­mals gab. Bei der halb­jähr­li­chen Pres­se­kon­fe­renz des VDA am Frei­tag in Ber­lin zeig­ten die Zah­len, wie schlimm es um die wich­tigs­te In­dus­trie­bran­che des Lan­des steht: „Die in­ter­na­tio­na­len Märk­te sind in ei­nem Aus­maß ein­ge­bro­chen, für das wir kei­ne Ver­glei­che ha­ben“, sag­te Mül­ler.

Im Co­ro­na-Halb­jahr 2020 gin­gen in Deutsch­land die Neu­zu­las­sun­gen um knapp 35 Pro­zent auf 1,21 Mil­lio­nen Pkw zu­rück. Das war der nied­rigs­te Wert für ein ers­tes Halb­jahr seit 30 Jah­ren. Der eu­ro­päi­sche Markt schrumpf­te um 43 Pro­zent, der US-Markt um 23 und der chi­ne­si­sche um 27 Pro­zent. Im ge­sam­ten Jahr rech­net die Bran­che für Deutsch­land mit 2,8 Mil­lio­nen Pkw-Neu­zu­las­sun­gen – 23 Pro­zent we­ni­ger als im Ver­gleich zum Vor­jahr.

Auf die Be­schäf­ti­gung in der Bran­che hat sich der Rück­gang noch nicht so stark aus­ge­wirkt. En­de April lag die Zahl mit 814 000 Mit­ar­bei­tern nur drei Pro­zent nied­ri­ger als ein Jahr zu­vor. Al­ler­dings ist je­der Zwei­te in Kurz­ar­beit. „Die mas­siv ge­rin­ge­re Pro­duk­ti­on hat auch be­son­ders für vie­le mit­tel­stän­di­sche Zu­lie­fe­rer schwer­wie­gen­de Kon­se­quen­zen“, sag­te die VDA-Che­fin.

Steu­er­sen­kung als Kauf­an­reiz

Doch es gibt auch Hoff­nung. „Die Mi­nus­ra­ten wer­den lang­sam wie­der klei­ner“, sag­te sie. Im Ju­ni stieg der Auf­trags­ein­gang bei den deut­schen Her­stel­lern im Ver­gleich zum Vor­mo­nat um elf Pro­zent. Den leicht po­si­ti­ven Trend be­stä­tigt ei­ne Kon­junk­tur­um­fra­ge des Münch­ner Ifo-In­sti­tuts. Die Ge­schäfts­er­war­tun­gen de Bran­che sei­en „erst­mals nach sie­ben Mo­na­ten deut­lich ins Po­si­ti­ve ge­dreht“, teil­te das In­sti­tut mit. Der Er­war­tungs­in­di­ka­tor stieg im Ju­ni auf plus 27,7 Punk­te, nach­dem er im Mai bei mi­nus 11,9 Punk­ten lag. Der po­si­ti­ve Trend könn­te sich ver­stär­ken, weil die Her­stel­ler die Re­du­zie­rung der Mehr­wert­steu­er an die Käu­fer wei­ter­ge­ben. Mül­ler: „Wir hof­fen, dass das Kon­junk­tur­pa­ket wirkt.“

Kli­ma­schutz­wer­te ein Pro­blem

Doch die Bran­che be­fin­det sich auch in ei­nem rie­si­gen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess, den die EU po­li­tisch vor­an­treibt. Die VDA-Prä­si­den­tin warn­te da­vor, dass wei­te­re Ver­schär­fun­gen der CO2G­renz­wer­te der Bran­che mas­siv scha­den könn­ten. Zwar ste­he der VDA hin­ter den Kli­ma­schutz­zie­len, doch doch es ge­he um Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu Chi­na und den USA. „Öko­lo­gie geht nicht oh­ne Öko­no­mie“, be­ton­te sie. Do­ro­thee To­reb­ko

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