Raz­zia ge­gen Rechts­ex­tre­me

Bun­des­wehr Be­hör­den be­stä­ti­gen Durch­su­chun­gen in Nie­der­sach­sen, Nord­rhein-West­fa­len und Meck­len­burg. Ein­satz hängt mit rechts­ex­tre­mis­ti­schen Re­ser­vis­ten zu­sam­men.

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Blick In Die Welt -

Im Fall des rechts­ex­tre­men Bun­des­wehr­re­ser­vis­ten mit ei­ner Po­li­ti­ker- und Pro­mi­nen­ten­lis­te sind Er­mitt­ler am Frei­tag bei ei­ner Raz­zia auf Waf­fen ge­sto­ßen. Wie das nie­der­säch­si­schen Lan­des­kri­mi­nal­amt (LKA) in Han­no­ver mit­teil­te, durch­such­ten sie neun Ob­jek­te in Nie­der­sach­sen, Nord­rhein-West­fa­len und Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Bei der Ak­ti­on ge­gen fünf Be­schul­dig­te sei­en „di­ver­se Waf­fen und Waf­fen­tei­le“be­schlag­nahmt wor­den.

Echt­heit und straf­recht­li­che Re­le­vanz der Fun­de lie­ßen sich erst nach wei­te­ren kri­mi­nal­tech­ni­schen Un­ter­su­chun­gen be­wer­ten, teil­te das LKA wei­ter mit. Es han­del­te nach ei­ge­nen An­ga­ben im Auf­trag der Staats­an­walt­schaft im nie­der­säch­si­schen Lü­ne­burg. Bei den Raz­zi­en ka­men auch Spe­zi­al­kräf­te zum Ein­satz. Der „Spie­gel“hat­te am Frei­tag zu­erst über die Durch­su­chun­gen in dem Fall be­rich­tet.

Ei­ne Spre­che­rin des LKA be­stä­tig­te auf Nach­fra­ge, dass die Raz­zia mit den Er­mitt­lun­gen ge­gen den rechts­ex­tre­mis­ti­schen Re­ser­vis­ten und meh­re­re wei­te­re Ver­däch­ti­ge zu­sam­men­hängt. Hin­ter­grund sind dem­nach mut­maß­li­che Ver­stö­ße ge­gen Waf­fen­ge­set­ze.

Wei­te­re De­tails nann­ten die Be­am­ten un­ter Ver­weis auf lau­fen­de Er­mitt­lun­gen nicht.

Der 50-jäh­ri­ge Re­ser­ve-Un­ter­of­fi­zier aus Nie­der­sach­sen war ei­nem frü­he­ren „Spie­gel“-Be­richt zu­fol­ge dem Bun­des­wehr­ge­heim­dienst MAD durch Ak­ti­vi­tä­ten in rechts­ex­tre­men Chat­grup­pen auf­ge­fal­len. Bei ihm fand sich dem­nach auch ei­ne Lis­te von füh­ren­den Po­li­ti­kern der SPD, der Grü­nen, der Lin­ken und der FDP. Die­se ent­hielt teils Adres­sen und Han­dy­num­mern. Die Lis­te kur­sier­te dem­nach in den Chats.

Laut „Spie­gel“sol­len ne­ben Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas und sei­nem Vor­gän­ger Sig­mar Ga­b­ri­el aus der SPD auch Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey, Meck­len­burg-Vor­pom­merns Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­nue­la Schwe­sig, die rhein­land-pfäl­zi­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er, Vi­ze­kanz­ler Olaf Scholz und Ex-Par­tei­chef Mar­tin Schulz auf­ge­führt sein. Von den Grü­nen fin­den sich dem­nach die Par­tei­chefs An­na­le­na Ba­er­bock und Ro­bert Ha­beck auf der Lis­te so­wie Ex-Par­tei­chef Cem Öz­de­mir. Auch die Lin­ken-Po­li­ti­ker

Kat­ja Kip­ping, Gregor Gy­si und Diet­mar Bartsch so­wie FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner sei­en ver­zeich­net, zu­dem der Schau­spie­ler Til Schwei­ger. Laut „Spie­gel“zir­ku­liert die Lis­te be­reits seit län­ge­rer Zeit in rechts­ex­tre­men Krei­sen und wird dort im­mer wie­der ge­teilt. Bun­des­in­nen­mis­ter Horst See­ho­fer (CSU) hat­te sich nach dem Fund der Lis­te er­schüt­tert ge­zeigt. Der Fall be­stä­ti­ge, dass die größte Be­dro­hung in der Bun­des­re­pu­blik der Rechts­ex­tre­mis­mus sei. „Die Lis­te ist nicht Teil die­ses Ver­fah­rens“, sag­te da­zu die Spre­che­rin der Staats­an­walt­schaft Lü­ne­burg. „Un­ser Fo­kus liegt zu­nächst auf den mög­li­chen Ver­stö­ßen ge­gen das Waf­fen- und das Kriegs­waf­fen­kon­troll­ge­setz.“Auch nach Mu­ni­ti­on wür­de ge­sucht.

Nach An­ga­ben des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes er­folg­ten die Durch­su­chun­gen am Frei­tag in Muns­ter, Rin­teln, Wrie­del und Bü­cke­burg in Nie­der­sach­sen so­wie in der nord­rhein-west­fä­li­schen Stadt Min­den und in Wa­ren (Mü­ritz) in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Ne­ben Waf­fen und Waf­fen­tei­len hät­ten die Be­am­ten da­bei auch „wei­te­re Ge­gen­stän­de“si­cher­ge­stellt, hieß es aus Po­li­zei­krei­sen. afd/dpa

Fo­to: Flo­ri­an Ga­ert­ner/im­a­go images

Er­neu­ter Zu­griff: Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer spricht von ei­ner gro­ßen Be­dro­hung.

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