„Trau­ri­ges“Geis­ter­fi­na­le

DFB-Po­kal Der FC Bay­ern Mün­chen plant im Fi­na­le den zwei­ten Schritt zum Triple. Le­ver­ku­sen hofft auf den ers­ten Ti­tel seit 27 Jah­ren. Von Tho­mas Ni­k­laus und Da­vid Ry­borz

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Sport - Red

Han­si Flick und Pe­ter Bosz war­fen ei­nen ers­ten Blick auf das Ob­jekt der Be­gier­de. Der gol­de­ne Po­kal stand beim ob­li­ga­to­ri­schen Me­dien­ter­min in Ber­lin zwi­schen den bei­den Trai­nern in Griff­wei­te, wie in all den Jah­ren zu­vor. Und doch ist vor dem 77. DFB-Po­kal­fi­na­le zwi­schen dem „hei­ßen“Triple-Jä­ger Bay­ern Mün­chen und dem „gie­ri­gen“Her­aus­for­de­rer Bay­er Le­ver­ku­sen im Olym­pia­sta­di­on vie­les an­ders.

„Es ist ei­ne un­ge­wöhn­li­che Si­tua­ti­on. Die­se spe­zi­el­le At­mo­sphä­re fällt dies­mal aus. Es wird merk­wür­dig wer­den“, sagt Bay­er-Ka­pi­tän Lars Ben­der. Das, er­gänzt sein Bay­ern-Kol­le­ge Ma­nu­el Neu­er, „ha­ben wir uns al­le ganz an­ders vor­ge­stellt“. Für Bay­er-Trai­ner Bosz ist es schlicht „sehr trau­rig“.

An den Am­bi­tio­nen der Fi­na­lis­ten än­dern die un­ge­wöhn­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen nichts. Die klar fa­vo­ri­sier­ten Münch­ner Re­kord­sie­ger pla­nen nach der 30. Meis­ter­schaft mit dem 20. Po­kal-Tri­umph den nächs­ten Triple-Schritt. „Es ist ein Hö­he­punkt der Sai­son. Wir sind ganz heiß zu ge­win­nen“, be­tont Neu­er. Dass die Bay­ern ih­re na­tio­na­le Do­mi­nanz mit dem 13. Dou­ble der Ver­eins­ge­schich­te wei­ter un­ter­mau­ern, will Le­ver­ku­sen da­ge­gen mit al­ler Macht ver­hin­dern. Zu­mal der letz­te Ti­tel 27 Jah­re zu­rück­liegt. „Man lechzt nach ei­nem Ti­tel, man be­kommt nicht je­des Jahr die Chan­ce, ent­spre­chend gie­rig ge­hen wir da ran“, gibt sich Ben­der kämp­fe­risch.

Bes­te Mann­schaft Eu­ro­pas

Auch Sport-Ge­schäfts­füh­rer Ru­di Völ­ler un­ter­streicht die Be­deu­tung des mög­li­chen zwei­ten Po­kal­siegs nach 1993. „Et­was in der Hand zu hal­ten, wür­de uns sehr gut tun. Wir lei­den noch un­ter der Ver­gan­gen­heit“, sagt er mit Blick auf ei­ni­ge ver­lo­re­ne End­spie­le und den zwei­fel­haf­ten Ruf als „Vi­ze­ku­sen“. Der Re­spekt vor den Bay­ern ist je­doch rie­sig. „Wir spie­len ge­gen die ak­tu­ell bes­te Mann­schaft in Eu­ro­pa“, sag­te er, Über den Münch­ner Neu­zu­gang woll­te Bay­ern-Trai­ner Han­si Flick nicht spre­chen. „Das ist nicht der Zeit­punkt, um dar­über zu spre­chen. Wir ha­ben ein wich­ti­ges Spiel vor uns.“ um aber tap­fer an­zu­fü­gen: „In ei­nem Po­kal­fi­na­le ist im­mer was mög­lich.“Man wer­de „figh­ten, kämp­fen, ren­nen – und wenn es geht, na­tür­lich auch ge­win­nen“. Na­tür­lich wer­de es „nicht ein­fach“,

Der 24-Jäh­ri­ge un­ter­strich in ei­nem Vi­deo des Ver­eins sei­ne Zie­le. „Die Cham­pi­ons Le­ague ist ganz oben da­bei“, sag­te Sa­né. Dort wird er mit der Rü­cken­num­mer 10 auf­lau­fen.

Ab Mon­tag wird er sich in Mün­chen auf die Sai­son vor­be­rei­ten. Bei der Fort­set­zung der Cham­pi­ons Le­ague darf er so­mit nicht mehr für Man­ches­ter Ci­ty auf­lau­fen. sagt auch Bosz, „aber al­les ist mach­bar.“

Bei Bay­ern steht Thia­go nach ei­ner Leis­ten-OP wie­der zur Ver­fü­gung. Zu­dem könn­te Na­tio­nal­spie­ler Ni­k­las Sü­le nach sei­nem Kreuz­band­riss in den Ka­der zu­rück­keh­ren. Wohl sehr zur Freu­de von Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw, der erst­mals wie­der im Sta­di­on sitzt. Er ist ei­ner der we­ni­gen Eh­ren­gäs­te im üb­li­cher­wei­se mit 75 000 Zu­schau­ern aus­ver­kauf­ten Olym­pia­sta­di­on. Dies­mal sind in und ums Sta­di­on nur 700 Per­so­nen zu­ge­las­sen. Die Club-De­le­ga­tio­nen um­fas­sen 125 Leu­te, 50 Ver­tre­ter vom DFB, da­zu 200 Me­dien­schaf­fen­de. sid

Bay­ern ge­gen Bay­er – viel pri­ckeln­der könn­te das Po­kal­fi­na­le am Sonn­abend kaum sein. Die Münch­ner und Le­ver­ku­se­ner stel­len wohl die spiel­stärks­ten Mann­schaf­ten hier­zu­lan­de. Auf der ei­nen Sei­te der un­er­sätt­li­che Tor­jä­ger Ro­bert Le­wan­dow­ski, auf der an­de­ren Kai Ha­vertz, das wohl größte Ta­lent des deut­schen Fuß­balls, dem al­le We­ge of­fen­ste­hen zu ei­ner Welt­kar­rie­re. Hier die Gran­den Karl­Heinz Rum­me­nig­ge und – eh­ren­amt­lich – Uli Ho­en­eß, dort Ru­di Völ­ler, ei­ner der mar­kan­tes­ten Ge­sich­ter der ver­gan­ge­nen 30 Jah­re.

Und doch wird es un­wirk­lich sein im Ber­li­ner Olym­pia­sta­di­on. Dort, wo Jahr für Jahr ein gro­ßes Fuß­ball­fest statt­fand, das A-, B- und C-Pro­mi­nen­te und na­tür­lich die Fans in rau­en Men­gen an­zog, herrscht dies­mal we­gen Co­ro­na gäh­nen­de Lee­re, die die­ses Sport­fest nicht ver­dient hat. Ob­wohl der Platz rie­sig ist, gibt es kei­ner­lei Aus­nah­men – das ver­ste­he wer will an­ge­sichts der Bil­der, die wir von Nord- und Ost­see­strän­den vol­ler Men­schen – es sei ih­nen ver­gönnt – ge­se­hen ha­ben.

Die ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben al­ler­dings ge­zeigt, dass Fuß­ball auch oh­ne Zu­schau­er funk­tio­niert – mehr al­ler­dings auch nicht. Es fehlt das Pri­ckeln­de, der Über­schwang, viel­leicht auch das Ent­set­zen von den Tri­bü­nen. Bay­er und Bay­ern kön­nen da­für sor­gen, dass wir Fuß­ball­fans trotz­dem gut un­ter­hal­ten wer­den.

Fo­to: Mat­thi­as Hangst/dpa

Wer ist schnel­ler am Ball?: Bay­erns Jos­hua Kim­mich (l.) und Le­ver­ku­sens Flo­ri­an Wirtz tra­fen be­reits vor ei­nem Mo­nat in der Bun­des­li­ga auf­ein­an­der. Die Münch­ner ge­wann mit 4:2.

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