Mit Wut auf Ab­schieds­tour

For­mel 1 Nach dem öf­fent­li­chen Bruch mit Fer­ra­ri fährt Se­bas­ti­an Vet­tel in der Not­sai­son um sei­ne sport­li­che Zu­kunft und star­tet Flirt­ver­su­che mit Mer­ce­des. Ra­pha­el Holl­mann

Märkische Oderzeitung Strausberg - - Sport - Dpa

Im­mer­hin ein paar un­be­hol­fe­ne Glückwünsc­he zum 33. Ge­burts­tag be­kam Se­bas­ti­an Vet­tel von Fer­ra­ri. „Schnel­ler als alt wer­den kannst du nur Renn­fah­ren“, spra­chen Mit­ar­bei­ter und Fans des For­mel1-Teams in wack­li­gem Deutsch in die Ka­me­ra für das am Frei­tag beim Sai­son­auf­takt in Ös­ter­reich er­schie­ne­ne Vi­deo. Doch spä­tes­tens seit Vet­tels öf­fent­li­chem Bruch mit der Scu­de­ria ist die Be­zie­hung zwi­schen dem vier­ma­li­gen Welt­meis­ter und dem Renn­stall wohl nicht mehr zu kit­ten. Dem Hes­sen droht ei­ne un­be­que­me Ab­schieds­tour bei Fer­ra­ri, sei­ne letz­te Kar­rie­re-Hoff­nung heißt Mer­ce­des.

„Das wä­re ei­ne Op­ti­on, aber ich weiß nicht, was die Plä­ne sei­tens Mer­ce­des sind“, sag­te Vet­tel. Mit Wut im Bauch hat­te er zu­vor von sei­ner un­ter­kühl­ten Aus­mus­te­rung bei Fer­ra­ri schon Wo­chen vor Sai­son­start be­rich­tet. Da­bei ha­be ihm der Renn­stall im Früh­jahr noch kla­re Si­gna­le ge­sen­det, mit ihm über den Ver­trags­ab­lauf am Jah­res­en­de hin­aus wei­ter­ma­chen zu wol­len. Der An­ruf von Te­am­chef Mat­tia Bi­not­to „war in ers­ter Li­nie ein Schock und kam über­ra­schend“, sag­te Vet­tel.

Dass er nach fünf Jah­ren nicht ein­mal ein An­ge­bot er­hielt, fuchst den Hep­pen­hei­mer ge­wal­tig. „Die Pan­de­mie hat die gan­ze Welt ver­än­dert, nicht nur die For­mel 1“, er­klär­te Te­am­chef Bi­not­to. Zwar sei Vet­tel noch im Win­ter „die ers­te Wahl“für Fer­ra­ri ge­we­sen, doch durch die Ein­schnit­te ha­be sich „die ge­sam­te Si­tua­ti­on ver­än­dert“.

Kei­ne ein­ver­nehm­li­che Tren­nung

Die teils kläg­lich ver­pass­ten Ti­tel­chan­cen seit sei­nem Wech­sel 2015 ha­ben Nar­ben auf bei­den Sei­ten hin­ter­las­sen. Dass Vet­tel nun die frü­he­re Darstel­lung ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Tren­nung zer­trüm­mer­te, lie­fert mäch­tig Zünd­stoff für die letz­ten ge­mein­sa­men Mo­na­te. Da­bei ver­si­cher­te Vet­tel: „Nach­tre­ten ist nicht mei­ne Art und auch nicht mein Ziel.“

Kampf­los will er die For­mel-1-Büh­ne nicht ver­las­sen. „Ich bin im­mer noch mo­ti­viert und be­reit, mehr zu er­rei­chen.“Die

Ti­tel­ver­tei­di­ger Le­wis Ha­mil­ton hat im Trai­ning beim For­mel-1-Neu­start in Ös­ter­reich sei­ne Fa­vo­ri­ten­rol­le be­kräf­tigt. Der Mer­ce­des-Fah­rer war am Frei­tag auch in der zwei­ten Übungs­ein­heit Schnells­ter und ver­wies sei­nen fin­ni­schen Team­kol­le­gen Valt­te­ri Bot­tas auf den zwei­ten Rang. Klar ver­bes­sert im Ver­gleich zum Vor­mit­tag zeig­te sich Se­bas­ti­an Vet­tel, der mit al­ler­dings deut­li­chem Rück­stand Vier­ter wur­de.

Trümp­fe im Po­ker um sein Wunsch-Cock­pit bei Mer­ce­des hat er oh­ne­hin nicht in der Hand. Zwar lau­fen die Ver­trä­ge von Su­per­star Le­wis Ha­mil­ton und Team­kol­le­ge Valt­te­ri Bot­tas am Jah­res­en­de eben­falls aus, doch Te­am­chef To­to Wolff macht Vet­tel we­nig Hoff­nung. „Er ist ein tol­ler Jun­ge und wir dür­fen ihn nicht aus­schlie­ßen. Aber Le­wis und Valt­te­ri sind un­se­re Prio­ri­tät und wir hof­fen sehr, ih­re Ver­trä­ge zu ver­län­gern.“Ein Sab­bat­jahr scheint Vet­tel für 2021 nicht in Er­wä­gung zu zie­hen. Ent­we­der an der Spit­ze wei­ter­fah­ren oder ganz auf­hö­ren, ist wohl sei­ne De­vi­se. „Ich bin der Über­zeu­gung, dass du die Tür schlie­ßen musst, wenn du da­zu be­reit bist, und nicht er­war­ten soll­test, dass sich die Tür dann wie­der öff­net“, sag­te er. In der Not­sai­son der For­mel 1 fährt Vet­tel nun vor al­lem auf ei­ge­ne Rech­nung, um sei­nen Ruf und um sei­ne Kar­rie­re. dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.