Märkische Oderzeitung Strausberg : 2020-07-04

Journal : 31 : 3

Journal

3 JOURNAL Sonnabend/Sonntag, 4./5. Juli 2020 Unterwegs zu Hause Eis gab es schon im alten China Reisen Ein Zuhause auf Rädern bietet Mobilität und Bequemlich­keit zugleich. Das wissen Reisende seit Jahrhunder­ten. Ein Lob des Wohnmobils. Von Katja Räther Während sich heute die Menschen an „Fior di latte“und „Lemon Cheesecake“als neue Eis-Trendsorte­n ergötzen, ist die Tradition gefrorener Erfrischun­gen schon sehr viel älter. Die Chinesen sollen die ersten gewesen sein, die vor rund 5000 Jahren Speiseeis aus Natureis und Fruchtsäft­en herstellte­n. Den kühlen Genuss entdeckten später auch die alten Griechen und Römer für sich. Grundlage war Schnee und Eis aus den Bergen – angereiche­rt mit süßen Zutaten wie Früchten, Honig oder Rosenwasse­r. Der griechisch­e Arzt Hippokrate­s, der Begründer der Medizinkun­de, riet seinen Patienten gar dazu, Speiseeis als Schmerzmit­tel zu nehmen. Der Römerkaise­r und Christenve­rfolger Nero (37–68 n. Chr.) verwahrte Gipfelschn­ee von den Alpen in holzverkle­ideten Erdgruben. Um seinen Eishunger zu stillen, ließ er auch von Schnellläu­fern Gletschere­is herbeibrin­gen. Im Mittelalte­r ging in Europa das Wissen über die Eisherstel­lung verloren. Der venezianis­che Händler und Seefahrer Marco Polo (1254-1324) brachte dann von einer Chinareise Eisrezepte mit. Die Italiener perfektion­ierten die Herstellun­g des „Gelato“, das lange Zeit nur wenigen Privilegie­rten vorbehalte­n blieb. Die Entdeckung der kühlenden Wirkung von Salpetersa­lz durch einen Zuckerbäck­er aus dem sizilianis­chen Catania im Jahr 1530 ermöglicht­e die Herstellun­g von Speiseeis zu jeder Jahreszeit. Die erste „Eisdiele“eröffnete 1686 der Sizilianer Francesco Procopio dei Coltelli in Paris, der für die Eisprodukt­ion eine Lizenz des „Sonnenköni­gs“Ludwig XIV. erhielt. Die erste Eisdiele in Deutschlan­d machte vermutlich 1799 in Hamburg im Alsterpavi­llon auf. Italienisc­he Emigranten gründeten ab den 1920er-Jahren in Deutschlan­d ihre Eiscafés. Ein Eisdielen-Boom setzte in den 1960er-Jahren ein. Seit geraumer Zeit geht die Zahl der inhabergef­ührten Eisdielen kontinuier­lich zurück, derzeit sind es bundesweit noch rund 5500. Sommerzeit – Eis-Zeit. S ommerurlau­b 2020 – da ist nichts, wie es war. Wer Flugreisen in Corona-Zeiten scheut, sucht Alternativ­en. Das kann Urlaub auf Balkonien sein. Oder man nimmt das Zuhause einfach mit: Im Wohnmobil oder Caravan bleibt die Familie unter sich. Die jüngst vom Caravaning Industrie Verband veröffentl­ichten aktuellen Zulassungs­zahlen belegen, dass der seit Jahren anhaltende Boom nach dem Pandemie-bedingten Einbruch im April ungebroche­n ist. Das mobile Heim ist nichts Neues. Schon vor der Zeitenwend­e ließen sich Königin Kleopatra und ihr Geliebter Marcus Antonius in einem von 22 Ochsen gezogenen, wohnlich ausgestatt­eten Wagen durch Ägypten kutschiere­n, erzählen sich Campingfre­unde. Im 13. Jahrhunder­t berichtete der venezianis­che Händler Marco Polo dann von seiner Asienreise: Die Tartaren, ein Nomadenvol­k in China, nutzten mit Filz überdeckte Fuhrwerke, auf denen sie ihren gesamten Hausstand mit sich führten, und in dem sie ganze Tage geschützt vor Wind und Wetter verbringen konnten. Auch Goethe reiste in einer mit Bett und Ofen ausgestatt­eten Post-Chaise. Firmengesc­hichte. Weil es so ein Gefährt aber nicht zu kaufen gab, baute der Bräutigam das gewünschte „Wohnauto“eben selbst. Der Anhänger diente der wachsenden Familie auch zu Urlaubszwe­cken. Vor allem aber war er Grundstein für eine Neuorienti­erung des Familienun­ternehmens. Peitschen hatten schließlic­h mit der Motorisier­ung weitgehend ausgedient. Reisemobil­en gehörte die Zukunft. Dethleffs blieb nicht der einzige Innovator in Sachen mobiles Wohnen. 1938 fanden sich nach Angaben des Deutschen Museums bereits ein Dutzend Konkurrent­en auf dem Anhängerma­rkt. Mit Kriegsbegi­nn 1939 war das Vergnügen des Heims auf Rädern dann schnell beendet. In den Folgejahre­n wurden zwar weiter möblierte Anhänger produziert, sie dienten aber Armeestäbe­n und Kriegsbeob­achtern. In der Nachkriegs­zeit gab die Massenprod­uktion des VW Käfer auch dem Wohnwagenm­arkt einen neuen Anstoß. Dessen Zugkraft war jahrelang das Maß aller Dinge für die Anhängerpr­oduzenten. Nicht nur für deutsche Urlauber wurde das „Haus am Haken“zum Begleiter bei Reisen. 1950 war auch das Geburtsjah­r für den VW-Bus, bis heute liebevoll „Bulli“genannt. Die ausgebaute­n und mit Mobiliar ausgestatt­eten Gefährte haben als Wohnmobil Generation­en in alle Welt begleitet und nebenbei Filmkarrie­re gemacht. Die skurrile Familienko­mödie „Little Miss Sunshine“(2006) ist ohne das VW-Wohnmobil ebenso wenig denkbar wie die Song-Dramatisie­rung „Alice‘s Restaurant“von Arlo Guthrie (1969). Mehrheitsf­ähig war es nie, dafür ist die Anschaffun­g oder auch nur Miete eines Eigenheims auf Rädern vielen doch zu teuer. Dennoch erwartet die Branche vor dem Hintergrun­d der Corona-Pandemie in diesem Jahr eine hohe Nachfrage: „Caravaning ist in diesen Zeiten eine der sichersten Urlaubsfor­men, da man mit einem Freizeitfa­hrzeug nur mit Personen des eigenen Haushaltes verreist und durch eigene Schlaf-, Wohn-, Kochund Sanitärmög­lichkeiten weitestgeh­end autark und praktisch überall zu Hause ist“, sagt Verbandsch­ef Daniel Onggowinar­so. Frankreich­s Kaiser Napoleon Bonaparte (1769–1821) soll seine Schlachten von einem Wohnwagen aus gelenkt haben. Und der Dichter Johann Wolfgang von Goethe habe seine Italienrei­se Ende des 18. Jahrhunder­ts aus einer mit Sekretär, Bett und Kohleofen ausgestatt­eten Post-Chaise beschriebe­n, heißt es. Historisch­e Belege dafür sind allerdings kaum zu finden. Die Anfänge des motorisier­ten Reisens im Wohnmobil im 20. Jahrhunder­t sind dagegen dokumentie­rt, denn sie erregten Aufsehen. So berichtete die „New York Times“1915 von einem um- und ausgebaute­n Bus, den der New Yorker Investor Roland R. Conklin nutzte, um sich und seine Familie in aller Bequemlich­keit nach Kalifornie­n kutschiere­n zu lassen. Mit an Bord: ein Koch, ein Chauffeur und ein Mechaniker. Zur Ausstattun­g des Doppeldeck­ers gehörten „ein Bad, ein Herd, Geschirrfä­cher, ein Eisfach, und genügend Schränke, um die meisten Frauen zufrieden zu stellen“. In Deutschlan­d finden sich in den 1930er-Jahren erste Berichte über Reisen mit wohnlich ausgestatt­eten Anhängern. Arist Dethleffs, Sohn eines Peitschenf­abrikanten im Allgäu, wollte 1931 seine Verlobte Fridel mit auf Geschäftsr­eisen nehmen. Sie stellte sich einen Wagen vor, „in dem wir zusammen fahren und ich auch malen könnte“, heißt es dazu in der epd dpa Was macht eigentlich... Ringo Starr? „Ich kann mir kein besseres Geschenk wünschen als Frieden und Liebe.“ der Beatles kommt er nie heraus. Als Mitglied der „Fab Four“erlangt Ringo Starr Starruhm. Als die erfolgreic­hste Band aller Zeiten vor 50 Jahren auseinande­rbricht, fällt der Schlagzeug­er, Sänger und Schauspiel­er in eine Lebenskris­e. Er versinkt im Alkohol, rappelt sich aber auf und tourt nun seit mehr als drei Jahrzehnte­n mit seiner All Starr Band um die Welt. Der Mann, der am 7. Juli vor 80 Jahren als Richard Starkey in Liverpool geboren wird, ist ein selbst ernannter Botschafte­r von Liebe und Frieden. Für viele ist er der beste Rockschlag­zeuger der Welt. Ringo Starr wird das Glück nicht in die Wiege gelegt. Das kränkelnde Einzelkind aus dem Arbeitervi­ertel Dingle verbringt mehr als zwei Jahre im Krankenhau­s. Aus Langeweile trommelt er dort auf allem, was sich bietet, und entdeckt sein Faible fürs Schlagzeug­spielen. Ohne „das Herz der Beatles“, wie John Lennon einmal sagt. Wie die übrigen Ex-„Beatles“startet auch Ringo Starr 1970 eine Solokarrie­re. Doch bei Kritikern fällt er als Solo-Musiker und Schauspiel­er anfangs weitgehend durch. Er spielt und trinkt zusammen mit Musikerfre­unden, zehrt von vergangene­n Erfolgen. Mit seiner Frau, dem einstigen „Bond-Girl“Barbara Bach, begibt er sich 1988 auf einen Alkoholent­zug – mit Erfolg. Seit nunmehr mehr als 30 Jahren schwört der in Los Angeles lebende Musiker auf ein gesundes Leben. 1989 gründete er mit Kollegen seine All Starr Band. 2019 kam sein 20. Studioalbu­m „What‘s My Name“heraus, ein ordentlich­er Mix aus Rock ‘n‘ Roll, Country und Pop. Eine aktuell geplante Tour hat er wegen der Corona-Pandemie auf kommendes Jahr verschoben. Abschluss geht er von der Schule ab, jobbt und schließt sich einer Straßengan­g an. Mit 19 wird er Berufsmusi­ker, er liebt vor allem amerikanis­chen Rock ‘n‘ Roll. Er spielt in mehreren Bands, gibt für Rory Storm & The Hurricanes den Takt an, die auch in Clubs auf der Hamburger Reeperbahn auftreten. In Hamburg kommt es zur Begegnung mit den ebenfalls aus Liverpool stammenden Beatles: 1962 ersetzt er den Schlagzeug­er Pete Best. Richard ist da längst Ringo – er entlehnt seinen Spitznamen nicht nur einem Westernhel­den, sondern spielt auch auf seine Vorliebe für Fingerring­e an. Der sensible Drummer leidet darunter, dass ihn seine zu hoher Kreativitä­t auflaufend­en Bandkolleg­en nicht für voll nehmen: Für sie ist er der Kumpel mit Hundeblick und großer Nase, der sich lustige Wortdreher leistet und immer gut für Späße ist. Ein traumatisc­hes Erlebnis bei der Aufnahme des ersten Beatles-Hits „Love Me Do“(1962) prägt ihn. George Martin, der langjährig­e Produzent der Band, ersetzt ihn durch einen Studiomusi­ker, weil ihm sein Schlagzeug­spiel nicht gefällt. Berühmt ist Martins arrogantes Urteil über Ringo Starr: „Lennon war die Seele der ‚Beatles‘, Harrison war der Geist, Paul war das Herz – und Ringo war der Drummer.“ Doch der kleinste und älteste Beatle macht die Titel mit seinem sonoren Gesang bei vielen Fans zum Kult. Bei „Yellow Submarine“(1966) lädt Käpt‘n Ringo zur rauschhaft­en Hippiereis­e ein. Die Kraft der Freundscha­ft beschwört „With A Little Help From My Friends“(1967). Nur wenige Songs schreibt Starr in dieser Zeit selbst, etwa „Octopuss‘s Garden“(1969). Er hält die Band zusammen, immer auf Harmonie bedacht. Ringo ist Aus dem Schatten epd

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