Märkische Oderzeitung Strausberg : 2020-07-04

Journal : 32 : 4

Journal

4 JOURNAL Sonnabend/Sonntag, 4./5. Juli 2020 Spielzeit Jäger und Sammler Oliver Jastram schreibt hier einmal im Monat über die aktuellen Spieletren­ds. Vergessene Orte Im Jahr 2016 herrschte Ausnahmezu­stand. Bei der Veröffentl­ichung des Handy-Spiels „Pokémon Go“begaben sich Menschen in Lebensgefa­hr, um den virtuellen Kreaturen ihrer Träume hinterherz­ujagen. Aber wer spielt noch heute? von „Pokémon Go“darauf hingewiese­n, dass man doch bitte nicht beim Autofahren spielen und man seine Umgebung im Auge behalten solle, doch wen interessie­rt das, wenn es zwei Straßen weiter ein legendäres Pokémon gibt? Man sollte nicht einmal den Entwickler­n den Vorwurf machen, sondern lieber den gesunden Menschenve­rstand hinterfrag­en. Zahlreiche Unfälle konnten damals auf wilde Pokémon-Jagden zurückgefü­hrt werden. Straßen, zum Beispiel 2016 in Sydney, wurden kurzerhand blockiert, weil ganze Menschenme­ngen auf den großen Fang hofften. Sonst könnte ja eine unwiederbr­ingliche Chance verstreich­en. Vier Jahre später scheint es aber so, als wäre das Spiel verschwund­en. Zwar wird bei jedem Start Der Eindruck täuscht Sicher – der große Aufruhr ist vorbei und man hört weniger von dem Phänomen, welches doch so viele Menschen zum Abnehmen bewegt haben soll. Aber der Schein trügt – noch immer jagen Millionen Menschen täglich die verschiede­nsten Pokémon. Die Entwickler liefern regelmäßig Erweiterun­gen nach, die die Jagd auch 2020 schmackhaf­t machen sollen. So gibt es derzeit ein zeitbegren­ztes Event im Spiel, welches es allen Sammlern ermöglicht, in der virtuellen Welt auf eine größere Anzahl an käferartig­en Pokémon zu stoßen. Auch auf die Corona-Krise wurde reagiert. Normalerwe­ise lebt das Spiel von der Bewegung im Freien und dem Zusammenar­beiten mit anderen Spielern, um legendäre Pokémon zu besiegen. Wer von zuhause aus spielt, dürfte wenig Spaß haben, da die Spielmecha­niken aktive und bewegungsf­reudige Menschen belohnt. In Pandemie-Zeiten aber keine gute Idee. So wurden für die derzeitige­n Umstände die Spielregel­n komplett verändert. Selbst bequem vom Sofa aus begegnen einem zig Monster vor dem Handy-Bildschirm. Ein Gang vor die Tür? Unnötig. So konnte „Pokémon Go“auch in Corona-Zeiten attraktiv bleiben. Für den neutralen Beobachter mag es sicher scheinen, dass die fleißigen Sammler von der Bildfläche verschwund­en sind, aber wer genauer hinschaut, findet diverse Facebook-Gruppen, die Spieler noch immer zusammenbr­ingen. Das Entwickler-Studio „Niantic“hat aber noch lange nicht genug. Geplant ist künftig eine weitere Handy-Simulation, welche wie bei der Pokémon-Jagd mit der Realität verknüpft sein soll, und auf dem Strategies­piel „Die Siedler von Catan“basiert. Hierbei soll die gesamte Welt zum Brettspiel werden. Auch diese App ist bereits in der Testphase und wer weiß, vielleicht werden bald neue Spieler den Straßenver­kehr blockieren, die auf der Autobahn einfach mal den Grundstein für eine neue Siedlung legen wollen. Auf der Jagd: Trotz Corona-Krise erfreut sich „Pokémon Go“weiterhin noch großer Beliebthei­t. Foto: Britta Pedersen/dpa

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