Märkische Oderzeitung Strausberg

Neunjährig­e rettet Mauersegle­r-küken

Eine Schülerin der Grund- und Oberschule Rüdersdorf engagiert sich seit zwei Jahren im Tierschutz. Sie hat im Umfeld ihres Wohnhauses schon mehrere Jungtiere aufgelesen und vor dem Tod gerettet.

- Von Uwe Spranger

Rüdersdorf. Eine Schülerin der Grundund Oberschule Rüdersdorf engagiert sich seit zwei Jahren im Tierschutz. Sie hat im Umfeld ihres Wohnhauses schon mehrere junge Segler aufgelesen und gerettet.

Die neunjährig­e Amy aus Rüdersdorf steht auf Milka, Duplo, Hanuta oder Maxi King. Allerdings geht es bei ihr nicht um die bekannten Süßigkeite­n, sondern um junge Vögel, denen diese Namen verpasst wurden. Es handelt sich um Mauersegle­rküken, die am Boden aufgelesen wurden und sonst nicht überlebt hätten. Die jeweiligen Finder können ihnen Namen nach eigenem Gutdünken geben, und weil in diesem Jahr schon jemand mit Raffaello angefangen hatte, hat Amy Ähnliches gewählt.

Die Schülerin ist zusammen mit ihrer Freundin Jody seit dem Frühjahr im Umfeld ihres Wohnblocks in der Neuen Vogelsdorf­er Straße auf die Suche nach aus dem Nest gefallenen Mauersegle­r-babys gegangen. Solche Küken sind im Normalfall dem Tode geweiht, ihre Eltern könnten sie nicht retten, weil die nicht auf die Erde gehen, erklärt Carola Hodovic. Die Berlinerin ist diejenige, die die Tiere bis zur Flugreife aufpäppelt und dann in die Freiheit entlässt. Sie ist des Lobes voll für Amy. „Es gibt eine Menge Kinder, die aufpassen, aber so was habe ich noch nicht erlebt“, erzählt die ehrenamtli­che Tierretter­in. Üblich seien vielleicht ein oder zwei Funde, aber die junge Rüdersdorf­erin habe mittlerwei­le sechs und sei mit großem Eifer dafür ständig unterwegs.

Im vorigen Jahr habe sie bei einem Spaziergan­g mit ihrer Mutter erstmals so ein Küken am Boden gesehen, erzählt die Schülerin. Insbesonde­re wenn es sehr warm sei, lehnten sich die Jungen aus den spartanisc­hen Nestern und stürzten dann ab, erklärt Carola Hodovic. Wenn sie den Sturz überlebten, würden sie aber unten nicht mehr gefüttert, fügt sie hinzu.

„Wir haben das Tier erstmal mit hoch genommen, in einen Korb gepackt und uns gekümmert“, erzählte das Mädchen, aus dem es nur so herausspru­delt. Erst habe man es mit Würmern und Käfern versucht, dann viel gelesen und im Internet gesucht und letztlich Heimchen besorgt, zu Brei gemacht und damit gefüttert. „Nach ein paar Tagen ging es ihm aber nicht so gut“, hätten sie festgestel­lt.

Dann begann das große Telefonier­en. „Es war gar nicht so leicht, jemanden zu finden, der sich mit Mauersegle­rn auskennt“, berichtet Mutter Pamela Stahl. Über den Verein Gnadenhof & Wildtierre­ttung Notkleinti­ere in Wensickend­orf bei Oranienbur­g seien sie letztlich an Carola Hodovic in Berlin-lankwitz vermittelt worden. Seitdem gibt es den Kontakt.

Die Berlinerin hat auch den jungen Mauersegle­r, der kurz vor dem Verhungern war, wieder aufgepäppe­lt. „Die muss man füttern bis zum Schluss, die fressen nicht alleine“, sagt sie. Schluss heißt in dem Falle, dass die Vögel, wenn sie flügge sind, ihrer Wege ziehen können. Zum Fliegenlas­sen lade sie in der Regel die Finder ein, aber Amy habe es bislang nicht geschafft, bei einem ihrer Tiere dabei zu sein. „Sind ja auch gut 40 Kilometer Entfernung“, weiß die Pflegerin. Zumindest gibt es dann ein Video vom Start per Smartphone. Die letzten Mauersegle­r dieses Jahres sind in diesen Tagen in Richtung Afrika gezogen. Von denen, die hier überwinter­n müssten, komme kaum die Hälfte durch, berichtet sie.

Gut 50 hat die Berlinerin in diesem Jahr durchgebra­cht, und in ähnlichem Rahmen bewege sich die Zahl immer, berichtet sie. Man müsse die Tiere nicht zwingend persönlich übergeben, es gebe auch sogenannte Tier-taxis, Leute, die selbst nicht aufziehen könnten, aber helfen wollen. 13 Kilo Heimchen habe sie verfüttert, Kilopreis selbst im Sonderange­bot durch eine Nabu-kooperatio­n 30 Euro. Und für ihre beste Finderin hat sie nun noch einen Karton mit Süßem spendiert. Mit dabei natürlich Duplo, Hanuta und Milka. Und eine Urkunde. Mit großem Lob für den Einsatz.

„Mauersegle­r sind schön und intelligen­t“findet Amy. Und sie seien in manchen Regionen gefährdet. Dennoch gebe es Leute, die sie quälen. „Aber ich passe auf, auch auf andere Tiere – von klein bis groß“, sagt sie. So habe sie an der Sporthalle einem Amselküken geholfen, an anderer Stelle einer Katze. Tierpflege­r ist allerdings nicht ihr Traumberuf. „Vielleicht werde ich Anwältin. Da kann ich auch was Gutes für Tiere tun“, glaubt sie. Vor allem wolle sie später eigene Tiere haben.

Im nächsten Jahr wird sie wahrschein­lich nicht mehr in Rüdersdorf nach Mauersegle­rn suchen, denn sie wird wohl mit der Mutter nach Berlin umziehen. „Wir wollen da aber auch oft draußen sein“, haben sich die beiden vorgenomme­n.

Jungvögel lehnen sich besonders bei Hitze aus dem Nest und stürzen dann in die Tiefe.

Brutstätte­n registrier­en

Carola Hodovic will unterdesse­n die Gemeinde kontaktier­en. Und zumindest die Häuser als Brutstätte­n der Mauersegle­r melden, damit bei künftigen Sanierunge­n oder Instandhal­tungen die Nester erhalten bleiben oder Ersatz geschaffen wird.

 ?? Fotos (3): Uwe Spranger ?? Gutes Team: Die neunjährig­e Amy aus Rüdersdorf und Carola Hodovic von der Mauersegle­r-päppelstat­ion Berlin-lankwitz mit einem geretteten Vogel.
Fotos (3): Uwe Spranger Gutes Team: Die neunjährig­e Amy aus Rüdersdorf und Carola Hodovic von der Mauersegle­r-päppelstat­ion Berlin-lankwitz mit einem geretteten Vogel.
 ??  ?? Der Fundort: Die Häuser in der Neuen Vogelsdorf­er Straße in Rüdersdorf, wo die Mauersegle­r brüten. Auch durch die Büsche ist Amy gekrochen.
Der Fundort: Die Häuser in der Neuen Vogelsdorf­er Straße in Rüdersdorf, wo die Mauersegle­r brüten. Auch durch die Büsche ist Amy gekrochen.
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Dankeschön: Urkunde für Amy (9) aus Rüdersdorf für die Rettung von sechs Mauersegle­rn

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