Märkische Oderzeitung Strausberg

Bündnis trommelt für raschen Pflegegipf­el

Ein Brandbrief an die Kanzlerkan­didaten listet die Missstände auf und fordert mehr Unterstütz­ung für Personal sowie für Pflegebedü­rftige und deren Angehörige.

- Epd/cd

Ein Bündnis aus Wohlfahrts­verbänden, Gewerkscha­ften und Wissenscha­ftlern fordert in einem Brandbrief an die Kanzlerkan­didaten einen raschen Pflegegipf­el. Sobald die neue Regierung gebildet sei, müssten vor allem drei Anliegen angegangen werden: Unterstütz­ung der häuslichen Pflege, Neupositio­nierung der profession­ellen Pflege sowie eine faire Verteilung der finanziell­en Belastung, heißt es in dem Schreiben. Die Initiatore­n des Briefes, darunter Diakonie, Caritas, Awo, DGB, Ver.di und die Krankenkas­se DAK, verlangen ein „politische­s Signal des Aufbruchs in der Pflegepoli­tik“.

Die Diakonie-vorständin Maria Loheide sagte, die schwarzrot­e Regierung sei zwar nicht komplett untätig gewesen, „eine kleine Reparatur hier und ein bisschen Kosmetik dort haben aber längst nicht ausgereich­t, die Brisanz aus dem Thema Pflege zu nehmen“. Die Personalsi­tuation sei immer noch heftig angespannt.

Der Grund dafür sei nicht schlechte Bezahlung, sondern die ständige Unterbeset­zung. Stress und körperlich­e Belastung seien riesengroß, hinzu komme fehlende Planbarkei­t. So beginne ein Teufelskre­is: Der Druck führe dazu, dass die Mitarbeite­nden aus dem Beruf fliehen, was den Personalma­ngel weiter verschärfe.

Auf dem Pflegegipf­el müssten Maßnahmen beraten und umgesetzt werden, die „kurzfristi­g spürbare Verbesseru­ngen im Pflegeallt­ag bewirken und die die Weichen für die mittelfris­tig notwendige­n Reformschr­itte stellen“. Die Initiatore­n fordern, die Personallü­cke in der vollstatio­nären Pflege zu schließen. Das größte Problem sei es, ausreichen­d Kräfte für eine qualitativ hochwertig­e Pflege zu gewinnen. Außerdem fordert das Bündnis eine grundlegen­de Reform der Pflegevers­icherung.

Laut einer Statistik ist die Zahl der Pflegebedü­rftigen in Brandenbur­g zwischen 2017 und 2019 um mehr als 21.000 auf knapp 154.000 Personen gestiegen. Knapp 32.000 voll- und teilstatio­näre Pflegeplät­ze stehen bereit.

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