Märkische Oderzeitung Strausberg

Einen Versuch wert

- Dorothee Torebko zum Vorschlag eines Freedom Day

Die Pandemie hat das Land in Ungeimpfte und Geimpfte gespalten. Bei Eltern, Lehrern, Pflegenden ist die Geduld zu Ende, die Kraft erschöpft. Da wirkt der Vorschlag des Chefs der Kassenärzt­lichen Bundesvere­inigung, Andreas Gassen, einen Tag der Freiheit zu bestimmen, verführeri­sch. Am vorletzten Oktobertag sollten alle Corona-beschränku­ngen aufgehoben werden, fordert er. Die Ungeimpfte­n würden dann ihrem Schicksal überlassen. Ein riskantes Manöver. Doch den Versuch ist es wert.

Grundrecht­seinschrän­kungen sind nur dann zu rechtferti­gen, wenn eine kritische Infektions­lage herrscht und eine Überlastun­g des Gesundheit­ssystems droht. Das ist derzeit nicht der Fall. Sicherlich besteht die Gefahr, dass sich mit einer Öffnung auch wieder mehr infizieren. Die Angst vor sich füllenden Krankenhäu­sern und fehlenden Beatmungsg­eräten ist groß. Gassen kalkuliert jedoch, dass das Risiko geringer sein wird als angenommen. Er spekuliert darauf, dass ein Freiheitst­ag Millionen Menschen zum Impfen bringt und die Impfquote von 63 auf 70 Prozent steigen lässt. Damit wären mehr Menschen geschützt.

Man muss nicht ganz so weit gehen wie Gassen, sondern könnte eine Bedingung stellen. Wenn bis Ende Oktober 70 Prozent geimpft sind, gibt es einen Freiheitst­ag. Zusätzlich müsste die 2G-regel verstärkt in Clubs, Restaurant­s und Theatern zum Einsatz kommen. Statt einer Impfwoche sollte es einen Impfmonat geben. Auch eine Corona-prämie müsste noch einmal diskutiert werden. Die wäre sicherlich günstiger als ein Lockdown. Der Freiheitst­ag wird kein Allheilmit­tel sein. Doch es ist an der Zeit, alles auszureize­n, was möglich ist – auch diese Option.

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