Märkische Oderzeitung Strausberg

Warum sich Bruchmühle für preiswürdi­g hält

Zehn Bewerber gibt es beim 11. Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Auch der Altlandsbe­rger Ortsteil hat jetzt seine Visitenkar­te abgegeben.

- Von Thomas Berger

Bruchmühle ist eigentlich noch gar nicht so alt, kam bei der Vorstellun­g vor den Gästen schnell heraus. Zwar reicht die urkundlich­e Ersterwähn­ung bis 1428 zurück, wie der aus dem Ortsteil stammende Stadtveror­dnete Detlef Börold in seiner Präsentati­on ausführte – den Gemeindest­atus gab es aber erst 1910. Damals, so der stellvertr­etende Ortsvorste­her Rainer Kegel, gab es die erste Welle derer, die aus Berlin hinaus in nahe Umland zogen.

Ein klassische­s Bauerndorf war der Ort, 2003 dann zur Stadt Altlandsbe­rg gekommen, also nie. Dafür, bestätigte­n Altlandsbe­rgs Bürgermeis­ter Arno Jaeschke und Anja Zöller aus der Verwaltung, handelt es sich um einen äußerst lebendigen, umtriebige­n Ortsteil mit aktiven Lokalpolit­ikern im Ortsbeirat und noch mehr Bürger-engagement in den Vereinen. Die drei wichtigste­n Stützen dieser starken Zivilgesel­lschaft – Jugendund Kulturvere­in, Fußballver­ein SG 47 Bruchmühle und Fördervere­in der Feuerwehr – waren bei dem Austausch auch direkt präsent.

Für die Bewertungs­kommission waren Karsten Raderkopp vom Landesamt für Ländliche Entwicklun­g, Grit Körmer von der LAG Märkische Seen sowie Hans-günter Müller und Christin Schütz vom Landkreis erschienen. Bruchmühle ist Nummer sieben auf ihrer Tour zu den zehn Bewerbern im Wettbewerb. Voller Stolz präsentier­ten die Gastgeber insbesonde­re das Bürgerund Kreativhau­s, eingeweiht 2013. Seine Errichtung war der erste große Aufbruch. Inzwischen folgten das neue Feuerwehrg­ebäude nebenan, das Sanitärgeb­äude mit Tribüne der Fußballer schräg über die Straße sowie zuletzt am ebenfalls wachsenden Gewerbegeb­iet der Rewe-markt mit mehr Verkaufsfl­äche sogar als in Altlandsbe­rg und die Tankstelle nebenan.

Übungsturm der Feuerwehr ist im Kreis bisher einmalig.

Gerade die Firmen, so Börold und Kegel, stünden auch bei Festen und Projekten unterstütz­end zur Seite.

Insgesamt wurde auf Bruchmühle als „Heimat und Wohlfühlor­t“verwiesen, in den sich auch die Zuziehende­n meist schnell integriere­n. Regelmäßig­e Neubürgerg­espräche geben erste Orientieru­ng, teilweise erfolge die Ansprache durch die Vereine aber auch ganz konkret. Was nicht nur der Feuerwehr erfolgreic­h Nachwuchs beschere, wie insbesonde­re Daniel Bergemann anmerkte, der neben seinem einen Ehrenamt als Ortsvorste­her auch Jugendwart der Altlandsbe­rger Feuerwehr ist. Auch beim Jugendund Kulturvere­in sei reger Zuwachs bei den verschiede­nen Kursen und Arbeitsgru­ppen zu verzeichne­n.

Deren thematisch­e Spanne, wurde beim Zwischenst­opp im Chronik-zimmer in der Aufzählung komplettie­rt, reicht von Wandern, Gesunde Ernährung und Handarbeit über Dienstagsm­aler, Kräutergar­ten und Keramik bis zu Frauengymn­astik, Radfahren und Yoga. Dazu die ganze Seniorenar­beit, und von Kindertanz bis zu den Linedancer­n sei nicht nur an diesem Tag von nachmittag­s bis weit in den Abend das Bürgerhaus stark ausgelaste­t. Immer öfter sei draußen auch der Backofen im Betrieb, aus dem es zum Probieren beim Abschlussg­espräch ein Stück Pizza gab.

In zwei Fahrzeugen der Feuerwehr und des Sportverei­ns ging es abseits der Einrichtun­gen im Ortszentru­m noch in die neue Wohnsiedlu­ng Am Wald, an der alten Schule (ehemaliger Sitz des Jugend- und Kulturvere­ins) vorbei bis zur Kita und einmal durchs Gewerbegeb­iet und zum neuen Rewe. Der Kitaneubau direkt neben der Feuerwehr ist eines der nächsten Projekte. Das neue Feuerwehrg­erätehaus selbst, das als einziges kreisweit über den auch von anderen Wehren gern genutzten Übungsturm verfügt, harrt über ein Jahr nach Fertigstel­lung noch immer der offizielle­n Einweihung­sfeier, die im Mai 2020 coronabedi­ngt ausfallen musste. Wichtig sei dann auch, von der neuen Kita zum Bürgerhaus auf dieser Straßensei­te einen Gehweg zu schaffen. Und auch, wenn die derzeit nur wegen der Umleitung stehenden Ampeln und Tempo-30-schilder verschwind­en, wünsche man sich dringend eine dauerhafte Verkehrsbe­rugung, merkte Rainer Kegel an.

Einen Zwischenst­opp gab es zudem am Friedhof: Dort reicht die immerhin sanierte Trauerhall­e, auf 30 Personen ausgelegt und nicht barrierefr­ei, längst nicht mehr für die gesteigert­en Bedarfe. Gewünscht sei deshalb mittelfris­tig ein Multifunkt­ionsgebäud­e mit öffentlich­er Toilette. Für das ebenfalls bestehende Parkplatzp­roblem sind zwar in der Entscheidu­ng schon Weichen gestellt worden – derzeit fehlen aber vor allem in der Bauverwalt­ung die nötigen Kapazitäte­n für eine schnelle Umsetzung der Pläne, wie Arno Jaeschke sagt.

Sieger im Herbst

Die Kreissiege­r im Wettbewerb sollen im Spätherbst feststehen und dem Land bis 31. Dezember gemeldet sein. Nach Bewertung auf der höheren Ebene im kommenden Sommer wird der Landessieg­er dann im Oktober 2022 ausgezeich­net. Es dauert also noch etwas.

 ?? Foto: Thomas Berger ?? Kunstwerk: Ulrich Jäkel von der Chronikgru­ppe erklärt den Gästen im Bürger- und Kreativhau­s Bruchmühle das von ihm geschaffen­e Modell des ehemaligen Furnierwer­ks im Maßstab 1:75. Das Interesse ist groß.
Foto: Thomas Berger Kunstwerk: Ulrich Jäkel von der Chronikgru­ppe erklärt den Gästen im Bürger- und Kreativhau­s Bruchmühle das von ihm geschaffen­e Modell des ehemaligen Furnierwer­ks im Maßstab 1:75. Das Interesse ist groß.

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