Märkische Oderzeitung Strausberg

Unterschlu­pf für Igel, Echsen und Insekten

Im Lehrgarten der Nabu-gruppe aus Petershage­n-eggersdorf ist eine Mauer gewachsen. Dazu haben sich die Naturschüt­zer Unterstütz­ung geholt.

- Von Uwe Spranger

Das ist hier ein bisschen wie Tetris, nur schwerer“, beschreibt Anja Augsten, Vizechefin der Petershage­n-eggersdorf­er Nabu-gruppe, das, was gerade auf dem Gelände des Vereins an der Petershage­ner Friedhofst­raße passiert. Der Bereich zwischen Lehrgarten und Streuobstw­iese mutet ein bisschen an wie ein Baustoffla­ger – mit Pflanzring­en, Betonstein­pflaster, Palisaden, Granit, Kalkstein, Schiefer, Feldsteine­n ...

Trockenmau­er wird gesetzt

Immer wieder mal nehmen sich Julia Kuhlenschm­idt und ihre beiden Kollegen von der Firma Gartengöst­a aus Berlin einzelne Stücke davon und passen sie in eine Lücke ein oder machen sie passend. Die drei setzen gerade die Trockenmau­er, die die Begrenzung zwischen beiden Teilen des Areals sein wird. Weil die so stabil sein soll, dass auch Kinder darauf klettern oder Senioren sich bei Veranstalt­ungen hinsetzen können, haben sich die Naturschüt­zer die Unterstütz­ung der Experten geholt.

„Wir haben extra Unternehme­n gesucht, die unser Konzept der Wiederverw­ertung von altem Material verwirklic­hen“, erklärt Anja Augsten. Es sei derzeit ohnehin schwer, Galabauer mit freien Kapazitäte­n zu finden, solche besonderen in der näheren Umgebung noch schwierige­r. Sie habe deshalb im „Großraum Berlin“drei Firmen angeschrie­ben, die Mitglied im Verband Naturgarte­n sind, „und diese ist es dann geworden“. Zwei Tage waren zunächst für das etwa 6,5 Meter lange, 1,20 breite und 70 Zentimeter hohe Bauwerk veranschla­gt. „Aber das wird nicht reichen“, glaubt sie nach dem ersten Tag.

Finanziert wird das Projekt hauptsächl­ich über Spenden, Sammlungen und Einnahmen von Aktionen wie der Online-pflanzenbö­rse im Frühjahr. Manches Material, das zumeist über ein Kleinanzei­genportal im Internet entdeckt wurde, haben Vorbesitze­r kostenlos überlassen, als sie hörten, dass es für den Nabu sei. Ein Paar aus der Nähe hatte sogar noch den Transport übernommen. Aber anderes musste bezahlt und geholt werden und die Firma arbeitet auch nicht für Nullouvert.

Deshalb freuten sich die Naturschüt­zer, dass sie nun von der Neuenhagen­er Firma 1% Immobilien einen Scheck über 500 Euro bekamen. Die Firma gibt nach ihren Geschäften jeweils einen Anteil für gute Zwecke weiter, und Käufer/verkäufer dürften mitbestimm­en wofür, erklärt Geschäftsf­ührerin Anja Abderrahma­ne. In diesem Fall sei der Hinweis

Für ein gewünschte­s Öko-örtchen fehlen noch einige tausend Euro.

von der Verkäuferi­n aus Petershage­n gekommen. Man habe aber auch schon das Bienenhote­l vom Nabu Neuenhagen und Pflanzunge­n vom Nabu Fredersdor­f unterstütz­t. „Umwelt ist eine wichtige Sache und wir haben den örtlichen Bezug“, hebt sie hervor.

Sie will nun klären, ob sie den Petershage­nern auch bei der noch fehlenden barrierefr­eien Ökotoilett­e unter die Arme greifen kann, die für das Grüne Klassenzim­mer auf dem Gelände benötigt wird. Materialve­rteuerung gerade bei Holz hatte das eigentlich ausfinanzi­erte Teil vorerst unerschwin­glich gemacht, weil nun 4000 Euro mehr veranschla­gt werden. Es habe zwar schon eine große Privatspen­de gegeben, aber es bleibe immer noch eine Differenz von rund 3000 Euro, sagt Anja Augsten. Und erst mit der Toilette könne das Klassenzim­mer offiziell in Betrieb gehen. Man könnte zwar auch für Veranstalt­ungen etwas mieten, aber das sei nicht im Sinne der Gruppe.

Interesse an dem rustikalen Unterstand, der vom Bruchmühle­r Forstbetri­eb Böhmer mit Robinenstä­mmen aus dem Wald am Stienitzse­e und Nadelholz aus dem Gamengrund gezimmert wurde, ist jedenfalls da. Der Hort der Katholisch­en Grundschul­e war schon zu einer ersten Stippvisit­e da und würde gerne wiederkomm­en und eine Nutzung solle auch Schulen außerhalb der Gemeindegr­enzen frei stehen, bescheinig­en die Hausherren.

Bis zum Wochenende sollte jedenfalls die Überdachun­g und die Mauer fertig sein, die unter anderem Heimstatt für Insekten und Reptilien wie Eidechsen sein soll. Aus einem Pflanzring wurde ein Igelhaus gefertigt. Die Mauer wird zudem bepflanzt, in Zwischenrä­umen zum Beispiel mit Grasnelke, Hauswurz oder Steinbrech, oben mit Pflanzen, die Polster bilden und herunterra­nken können, wie Fette Henne oder Tripmadam. „Auf die Sonnenseit­e kommt natürlich was anderes als in den Schatten“, ergänzt Nabu-ortschef Andreas Hinz. Schließlic­h will der Verein Besuchern Beispiele liefern, wie es im Garten ohne Schotter oder Rollrasen geht. „Und mit Brennnesse­ln, Nachtkerze oder Beifuß kann man halt keinen Gartenfreu­nd überzeugen, auch wenn sie ökologisch wichtig sind“, ist Anja Augsten bewusst.

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Fotos (2): Uwe Spranger Handarbeit: Julia Kuhlenschm­idt von Gartengöst­a Berlin baut an der Trockenmau­er und Anja Abderrahma­ne von 1% Immobilien Neuenhagen übergibt Andreas Hinz einen Scheck.
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Bauwerk: Das gesamte Areal nimmt langsam Formen an. Doch es dauert noch eine gewisse Zeit.

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