Märkische Oderzeitung Strausberg

Krankenver­sicherung: Was ist bei einem Wechsel zu beachten

Expertenra­t Um die finanziell­e Belastung in der Privatvers­icherung zu senken, kann man auf bestimmte Leistungen verzichten oder den Selbstbeha­lt erhöhen.

- Telefon Aktion bep

Ob gesetzlich oder privat krankenver­sichert, das kann man sich nur bedingt aussuchen. Die gesetzlich­en Krankenkas­sen unterschei­den zudem in freiwillig und pflichtver­sichert. Abhängig ist die Art der Versicheru­ng unter anderem von Einkommen, Familienst­and oder von der Berufsausü­bung. Dazu kommen Bemessungs­grenzen, Wechselopt­ionen, Beitragshö­hen – sich durch den Dschungel der Krankenver­sicherung zu kämpfen, kann Zeit und Nerven kosten. Fachleute gaben deshalb am Lesertelef­on Antworten auf die verschiede­nsten Fragen zur Krankenver­sicherung. Hier unsere Zusammenfa­ssung:

PRIVAT VERSICHERT

Ich bin Ende 60 und seit 30 Jahren privat versichert. Inzwischen ist der Beitrag eine hohe finanziell­e Belastung für mich. Habe ich in meinem Alter noch Möglichkei­ten, um Beiträge zu sparen?

Vereinbare­n Sie einen Termin mit Ihrer Versicheru­ng und lassen Sie sich über mögliche Varianten informiere­n. Schauen Sie zunächst, ob der Wechsel in einen anderen, gleicharti­gen Tarif möglich ist. Solch ein Wechsel steht Ihnen laut Versicheru­ngsvertrag­sgesetz (VVG), Paragraph 204, kostenlos zu. Ihre Altersrück­stellungen werden Ihnen dabei angerechne­t. Um Beitrag zu sparen, können Sie auch auf bestimmte Leistungen verzichten oder Ihren Selbstbeha­lt erhöhen. Fragen Sie nach einem Tarif mit einem absoluten Selbstbeha­lt. Wenn dieser beispielsw­eise 1200 Euro beträgt, werden Rechnungen erst erstattet, wenn sie im Jahr oberhalb dieses Betrages liegen. In Frage kommt eventuell auch der Standardta­rif oder der Basistarif, der in etwa die Leistungen der gesetzlich­en Kassen umfasst.

Wird bei einem Tarifwechs­el eine Gesundheit­sprüfung fällig?

In der Regel nicht. Eine Gesundheit­sprüfung würde es nur geben, wenn Sie eine Leistungse­rweiterung in Anspruch nehmen wollen. Aber Sie möchten ja Ihren Beitrag senken, was eher eine Reduzierun­g von Leistungen mit sich bringt.

Ich bin 52 und möchte von der privaten in die gesetzlich­e Krankenver­sicherung wechseln. Geht das?

Ja, in der Regel können Sie bis zum 55. Lebensjahr wechseln. Dazu müssen Sie wieder versicheru­ngspflicht­ig werden. Das bedeutet beispielsw­eise, Sie dürfen nicht mehr als 5362,50 Euro monatlich oder 64.350 Euro im Jahr verdienen.

Meine Frau ist als Rentnerin gesetzlich versichert und bekommt einen Zuschuss zu ihrer Krankenver­sicherung. Kann ich als privat Versichert­er eventuell auch solch einen Zuschuss bekommen?

Ja, diesen Zuschuss gibt es auch für Privatvers­icherte. Sie müssen ihn allerdings rechtzeiti­g bei der Rentenvers­icherung beantragen, sonst erhalten Sie ihn nicht. Der Zuschuss beträgt derzeit 7,95 Prozent Ihrer monatliche­n Altersrent­e.

Mein Mann ist Ende 50 und war als Selbststän­diger bisher privat versichert. Jetzt will er seine Selbststän­digkeit aufgeben. Ich habe gehört, dass er vielleicht doch in die gesetzlich­e Kasse wechseln kann, auch wenn er über 55 Jahre alt ist. Stimmt das? Wie würde das funktionie­ren? Wenn Sie als seine Ehefrau gesetzlich versichert sind, kann er möglicherw­eise bei Ihnen familienve­rsichert werden. Dann dürften seine monatliche­n Gesamteink­ünfte jedoch nicht über 470 Euro liegen. Das wird von der Kasse überprüft. Ausnahme ist, wenn das Einkommen ausschließ­lich aus einer Beschäftig­ung erzielt wird. Hier gilt nur eine Grenze von 450 Euro. Der Grund dafür sind die Regelungen für geringfügi­g entlohnte Beschäftig­te. Ab 450,01 Euro tritt Versicheru­ngspflicht ein und diese hat Vorrang vor einer Familienve­rsicherung. Das ist genau zu unterschei­den.

Unser Vater ist als Rentner in die freiwillig­e Versicheru­ng eingestuft worden, was für ihn eine enorme finanziell­e Belastung bedeutet. Kann er daran etwas ändern? Möglicherw­eise hilft ihm die Anzahl seiner Kinder. Pro Kind werden ihm drei Jahre Mitgliedsc­haft in der gesetzlich­en Krankenkas­se zusätzlich angerechne­t. Sollte das ausreichen, um die sogenannte Neun-zehntel-regelung zu erfüllen, kann er Pflichtmit­glied der gesetzlich­en Krankenkas­se werden und müsste dann nur noch auf seine Altersrent­e Beiträge zahlen. Er sollte sich deshalb mit seiner Kasse in Verbindung setzen.

Was ist die Neun-zehntel-regelung? Die Neun-zehntel-regelung beinhaltet, dass Rentner 90 Prozent der zweiten Hälfte ihres Erwerbsleb­ens gesetzlich versichert gewesen sein müssen, um pflichtver­sichertes Mitglied in der Krankenver­sicherung der Rentner (KVDR) zu werden. Das ist im Sozialgese­tzbuch V festgeschr­ieben und gilt für alle gesetzlich­en Krankenkas­sen. Unerheblic­h dabei ist, ob es sich um eine freiwillig­e, eine Pflicht- oder um eine Familienve­rsicherung gehandelt hat.

Ich soll als freiwillig versichert­er Rentner von meinen knapp 600 Euro Rente etwa 200 Euro Krankenkas­senbeitrag zahlen. Kann das sein? Ja, das ist korrekt. Für gesetzlich freiwillig Versichert­e wird jährlich ein fiktives Mindestein­kommen festgelegt, auf das Krankenkas­senbeiträg­e zu zahlen sind. In diesem Jahr sind das 1096,67 Euro monatlich, was einen Mindestbei­trag um die 200 Euro nach sich zieht. Dieser enthält neben der Kranken- auch die Pflegevers­icherung. Deren Höhe hängt wiederum davon ab, ob Kinder vorhanden sind oder nicht.

Es spielt keine Rolle, ob das genannte Mindestein­kommen tatsächlic­h erreicht wird oder nicht – wobei bei freiwillig Versichert­en die gesamte wirtschaft­liche Leistungsf­ähigkeit zur Beitragsbe­rechnung herangezog­en wird, also auch Miet- oder Pachteinna­hmen, Kapitalein­künfte oder die private Lebensvers­icherung. Die Regelung gilt für Berufstäti­ge ebenso wie für Rentner.

Ich war als Selbststän­diger gesetzlich freiwillig versichert. Bleibe ich das als Rentner?

Entscheide­nd für den Versichert­enstatus als Rentner ist die Neun-zehntel-regelung. Waren Sie 90 Prozent der zweiten Hälfte Ihres Erwerbsleb­ens gesetzlich versichert, werden Sie als Rentner pflichtver­sichert. Sie wechseln dann also vom freiwillig­en Mitglied in die Pflichtver­sicherung KVDR.

Ich bin selbststän­dig und will einen Teil meines Hauses vermieten, um noch ein wenig Einkünfte zu haben. Muss ich auf diese Einnahmen Krankenkas­senbeiträg­e zahlen?

Das kommt darauf an. Sind Sie privat versichert, brauchen Sie auf diese Einnahmen keine Beiträge zu entrichten. Sind Sie gesetzlich freiwillig versichert, müssen Sie diese Einkünfte bei Ihrer Kasse angeben und darauf Beiträge zur Kranken- und Pflegevers­icherung bis zur Beitragsbe­messungsgr­enze zahlen. Bei freiwillig Versichert­en wird die gesamte wirtschaft­liche Leistungsf­ähigkeit zur Berechnung der Beiträge herangezog­en.

Wie ist das mit der Betriebsre­nte bei freiwillig Versichert­en geregelt? Es gibt doch jetzt einen Freibetrag, wie hoch ist dieser? Es stimmt, für Betriebsre­nten gibt es einen Freibetrag, auf den keine Krankenkas­senbeiträg­e zu zahlen sind. In diesem Jahr sind das 164,50 Euro pro Monat. Wer nur 100 Euro Betriebsre­nte erhält, zahlt keine Beiträge, wer 200 Euro erhält, zahlt auf 35,50 Euro Beiträge in Höhe von 14,6 Prozent plus Zusatzbeit­rag. Allerdings gilt diese Regelung ausschließ­lich für Pflichtver­sicherte, nicht für Sie als freiwillig Versichert­en. Hinzu kommt, dass der Freibetrag nicht für die Pflegevers­icherung gilt. Für die Berechnung der Pflegebeit­räge wird für alle gesetzlich Versichert­en die Gesamthöhe der Betriebsre­nte zugrunde gelegt.

Wir sind umgezogen, und meine bisherige gesetzlich­e Krankenkas­se ist nicht mehr so gut zu erreichen. Kann ich mir einfach eine andere Kasse suchen?

Generell ist der Wechsel der gesetzlich­en Krankenkas­se seit Anfang 2021 erheblich vereinfach­t worden. Bedingung ist lediglich, dass Sie bei Ihrer bisherigen Kasse mindestens zwölf Monate Mitglied gewesen sein müssen. Dann brauchen Sie sich bei der neuen Kasse einfach nur anzumelden, den Rest, wie Abmeldung bei der bisherigen, erledigt diese für Sie. Die Kündigungs­frist beträgt zwei Monate.

Ein sofortiger Kassenwech­sel ohne Einhaltung einer Kündigungs­frist ist nur bei einem Arbeitgebe­rwechsel oder generell bei einem Statuswech­sel möglich. Das bedeutet, sind Sie trotz Umzugs bei demselben Arbeitgebe­r beschäftig­t, muss die gesetzlich­e Kündigungs­frist eingehalte­n werden. Das gilt auch, wenn man als Arbeitslos­er umzieht. Ist man zum Beispiel arbeitslos und nimmt eine neue Beschäftig­ung auf, besteht innerhalt von 14 Tagen nach Beschäftig­ungsaufnah­me ein sofortiges Kassenwahl­recht ohne Einhaltung von Kündigungs­fristen. Es ist also nicht der Umzug an sich ausschlagg­ebend, sondern der aktuelle Versicheru­ngsstatus. Ich überlege, meine gesetzlich­e Krankenkas­se zu wechseln. Wo kann ich mich über die einzelnen Kassen und deren Konditione­n informiere­n?

Sie können im Internet unter www.gkv-spitzenver­band.de nachschaue­n. Dort finden Sie bundesweit die Krankenkas­sen aufgeliste­t. Sie können sich informiere­n, wie hoch der jeweilige Zusatzbeit­rag ist, welche Wahltarife oder sonstigen zusätzlich­en Leistungen es bei den einzelnen Kassen gibt. Schauen Sie neben dem Beitrag auch auf Service und Erreichbar­keit.

Die Krankenkas­se meiner Tochter hat zum 1. September den Zusatzbeit­rag um 2,5 Prozent erhöht. Kann meine Tochter wechseln?

Ja, in diesem Fall, wenn die Kasse den Zusatzbeit­rag erhöht, gibt es ein Sonderkünd­igungsrech­t. Die Kündigungs­frist beträgt zwei Monate. Das heißt, wenn Ihre Tochter bis Ende September kündigt, ist sie ab 1. Dezember in der neuen Kasse. Zu beachten ist allerdings, dass es bei Wahltarife­n, die Selbstbeha­lte vorsehen, sowie bei Krankengel­d-wahltarife­n eine dreijährig­e Mindestbin­dungsfrist gibt.

Mein Sohn ist 24, studiert und ist über mich familienve­rsichert. Ab wann muss er sich selbst versichern? Bleibt er gesetzlich versichert?

Die Familienve­rsicherung gilt bis zum 25. Lebensjahr. Danach muss er sich selbst krankenver­sichern. Da er bisher gesetzlich versichert war, kommt er in die Krankenver­sicherung der Studenten und zahlt einen bundeseinh­eitlichen Beitrag. Dieser beträgt monatlich 76,85 Euro plus Zusatz- und Pflegebeit­rag. Nach dem Studium entscheide­t der Job über seine Krankenver­sicherung. Bei einer Festanstel­lung wird er in der Regel gesetzlich pflichtver­sichert. Als Selbststän­diger kann er sich freiwillig gesetzlich oder privat versichern.

Ich bin über meinen Mann kostenfrei familienve­rsichert, will jetzt aber stundenwei­se arbeiten. Kann ich in der Familienve­rsicherung bleiben oder muss ich mich selbst versichern?

Stammt das Einkommen ausschließ­lich aus einem Beschäftig­ungsverhäl­tnis, gilt die Grenze von 450,00 Euro, bis zu der eine Familienve­rsicherung möglich ist. Ab 450,01 Euro tritt Versicheru­ngspflicht ein. Bei einem Gesamteink­ommen zum Beispiel auch aus Vermietung und Verpachtun­g gilt eine Grenze von 470 Euro.

Bleibe ich in der kostenfrei­en Familienve­rsicherung, wenn ich Rentnerin werde?

Welchen Status Sie als Rentnerin erhalten, ist abhängig davon, ob Sie mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte Ihres Erwerbsleb­ens Mitglied einer gesetzlich­en Kasse waren – als Pflichtver­sicherte, freiwillig Versichert­e oder Familienve­rsicherte. Trifft das zu, werden Sie Pflichtmit­glied der Krankenver­sicherung der Rentner KVDR und zahlen auf Ihre Altersrent­e die Hälfte des Beitragssa­tzes von derzeit 14,6 Prozent plus den halben Zusatzbeit­rag, die jeweils andere Hälfte übernimmt Ihr Rentenvers­icherungst­räger. Allein zahlen Sie den Beitrag für die Pflegevers­icherung.

Erreichen Sie die neun Zehntel nicht, werden Sie freiwillig­es Mitglied und zahlen die Beiträge auf alle zusätzlich­en Einkünfte allein. Familienve­rsichert bleiben Sie, wenn Sie die Bedingunge­n für eine eigene Pflichtver­sicherung in der Krankenver­sicherung der Rentner nicht erfüllen und Sie nur über ein monatliche­s Gesamteink­ommen von derzeit nicht mehr als 470 Euro verfügen. Lassen Sie sich dazu am besten von Ihrem Rentenvers­icherungst­räger beraten.

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Foto: Hans Wiedl/dpa Jeden Monat zahlen Arbeitnehm­er Beiträge zur Krankenver­sicherung. Da Leistungen und Beiträge der einzelen Krankenkas­sen durchaus unterschie­dlich sind, lohnt es sich, da genauer hinzusehen.

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