Kräf­tig auf­ge­peppt

1. FC Uni­on Ber­lin Der 56. Neu­ling der Fuß­ball-Bun­des­li­ga hat per­so­nell für das Erst­li­ga­Aben­teu­er den Ka­der auf­ge­plus­tert und fühlt sich ge­rüs­tet. Von Uwe Wutt­ke

Märkischer Zeitungsverlag Oranienburger Generalanzeiger - - SPORT -

Jah­re­lang hat die Ver­eins­füh­rung des 1. FC Uni­on Ber­lin in vie­len klei­nen Schrit­ten an dem gro­ßen Ziel ge­ar­bei­tet. Ent­spre­chend groß ist die Auf­stiegs­eu­pho­rie mit der der 56. Neu­ling in die 57. Sai­son der Fuß­ball-Bun­des­li­ga geht.

Per­so­nal: Es gibt viel Neu­es. Elf Zu­gän­ge hat Ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Ruh­nert ge­holt, ei­ne kom­plet­te Mann­schaft für 5,4 Mil­lio­nen Eu­ro. Kei­ne schlech­te Leis­tung. Ak­teu­re wie Christian Gent­ner (VfB Stuttgart) und Ant­ho­ny Ujah (Mainz 05) so­wie Ne­ven Su­bo­tic, der mit Dort­mund Cham­pi­ons Le­ague spiel­te, sol­len die feh­len­de Er­fah­rung in der deut­schen Bel­eta­ge kom­pen­sie­ren. Der Dä­ne Mar­cus Ing­vert­sen und der Nie­der­län­der She­ral­do Be­cker fal­len eben­so un­ter die Ru­brik Stamm­platz­kan­di­dat wie Ke­ven Schlot­ter­beck aus Frei­burg und als Über­ra­schung der Vor­be­rei­tung Ma­ri­us Bül­ter vom 1. FC Mag­de­burg. Es gibt Kon­kur­renz für die Auf­stiegs­hel­den.

Stör­fak­to­ren: Die Fans des 1. FC Uni­on pla­nen ei­nen von Ver­eins­boss Dirk Zing­ler un­ter­stütz­ten Stim­mungs­boy­kott ge­gen den Geg­ner am Sonn­tag im ers­ten Bun­des­li­ga­spiel der Ver­eins­ge­schich­te. Das Ver­eins­kon­strukt von RB Leip­zig, das ei­nem schnö­den Wirt­schafts­un­ter­neh­men gleicht, ist po­si­tiv aus­ge­drückt frag­wür­dig. Gleich­wohl ist die Form des Pro­tes­tes – 15-mi­nü­ti­ges Schwei­gen – kon­tra­pro­duk­tiv. Uni­ons Stär­ke er­wächst aus der bra­chia­len An­feue­rung der Fans. Die wird ge­gen ei­nen der stärks­ten Geg­ner der Li­ga zu­nächst feh­len. Zu­dem ist der Ka­der trotz ei­nes Last-Mi­nu­te-Ab­gangs von Lars Dietz zu Vik­to­ria Köln im­mer noch zu groß. Es wird zahl­rei­che un­zu­frie­de­ne Spie­ler ge­ben, der in­ne­re Frie­den wird auf die Pro­be ge­stellt.

Was ist gut: Der gro­ße Ka­der. Er bie­tet Trai­ner Urs Fi­scher in der In­nen­ver­tei­di­gung mit sechs Be­wer­bern für zwei Plät­ze gro­ße Pla­nungs­si­cher­heit bei Aus­fäl­len jeg­li­cher Art. Sel­bi­ges gilt auch im zen­tra­len Mit­tel­feld, auf den of­fen­si­ven Au­ßen­bah­nen und im Sturm­zen­trum. Die Laut­stär­ke der Fans und die dar­aus re­sul­tie­ren­de Heim­stär­ke soll Uni­on zum Klas­sen­er­halt tra­gen. Könn­te klap­pen, es geht ja nicht je­des Spiel ge­gen RB Leip­zig.

Was we­ni­ger: Es gibt trotz des gro

ßen Ka­ders ei­ni­ge Bau­stel­len im Team. Im de­fen­si­ven Mit­tel­feld hat das Duo Gent­ner/Gri­scha Prö­mel nicht wirk­lich über­zeugt, weil der Neu­zu­gang des VfB Tem­po­de­fi­zi­te of­fen­bar­te. Wäh­rend es auf die­ser Po­si­ti­on mit Fe­lix Kroos und Ma­nu­el Schmie­de­bach per­so­nel­le Al­ter­na­ti­ven gibt, die Trai­ner Fi­scher in der Vor­be­rei­tung in­des we­nig be­ach­te­te, ist die La­ge bei den Au­ßen­ver­tei­di­gern dif­fi­zi­ler. Rechts ist Ka­pi­tän Chris­to­pher Trimmel ge­setzt, Kon­kur­rent Ju­li­an Ry­er­son sucht nach ei­ner Ver­let­zung noch den An­schluss. Und links müs­sen sich so­wohl der er­fah­re­ne Ken Reichel wie auch Chris­to­pher Lenz stei­gern, um als bun­des­li­ga­taug­lich durch­zu­ge­hen.

Fa­zit: „Dem Mor­gen­grau­en ent­ge­gen, ziehn wir ge­gen den Wind. Wir wer­den al­les zer­le­gen, bis wir Deut­scher Meis­ter sind.“Das sin­gen die Fans bei je­dem Spiel. Rea­lis­ti­scher be­trach­tet, wird sich die Mann­schaft mit fünf, sechs Teams im Ab­stiegs­kampf be­wäh­ren müs­sen, ist da aber nicht chan­cen­los. Wich­ti­ger als der Meis­ter­ti­tel und Trost­pflas­ter, falls der Klas­sen­er­halt miss­lingt, sind zwei Der­by­sie­ge ge­gen die Blau-Wei­ßen von Her­tha BSC.

Gro­ßer Ka­der ist Stär­ke und Störfaktor zugleich.

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