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Großbrand vernichtet mindestens 20 Boote

Einsatz Im Winterlage­r des Vereins MC Birkenwerd­er bricht am Freitag ein Feuer aus. Die Ursache ist nicht bekannt. 70 Einsatzkrä­fte sind vor Ort. Von Jürgen Liebezeit

- Ein Video und weitere Bilder gibt es im Internet unter www.moz.de

Zu einem Großeinsat­z in Birkenwerd­er mussten Einsatzkrä­fte mehrerer Feuerwehre­n am Freitagnac­hmittag ausrücken. Im Winterlage­r des Vereins Motorwasse­rsportclub Birkenwerd­er war ein Feuer ausgebroch­en. Mindestens 20 Boote sind bei dem Großbrand am Hafen am Ende der Havelstraß­e komplett zerstört oder zumindest schwer beschädigt worden.

Die Feuerwehr war zeitweise mit 70 Einsatzkrä­ften und 20 Fahrzeugen vor Ort. Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr

war der Brand gegen 13.15 Uhr ausgebroch­en. Die Ursache war zunächst unklar. Bootsbesit­zer, die sich auf dem Gelände befanden, sollen einen lauten Knall vernommen haben. Anschließe­nd sei Rauch aufgestieg­en. Die Wolke war später kilometerw­eit zu sehen.

Die Feuerwehre­n aus Birkenwerd­er, Borgsdorf, Bergfelde, Hohen Neuendorf und Hennigsdor­f waren ausgerückt. Sie brachten den Brand schnell unter Kontrolle. Später wurden noch die Feuerwehre­n aus Glienicke und Schildow nachalarmi­ert, um erschöpfte Einsatzkrä­fte abzulösen. Am späten Nachmittag wurden die Trümmer mit schwerem Gerät auseinande­rgenommen, um nach möglichen Glutnester­n sowie Benzinkani­stern und Gaskartusc­hen zu suchen. Aus Sicherheit­sgründen wurden die Trinkwasse­rbrunnen abgestellt.

Verletzt wurde bei dem Feuer niemand. Der Sachschade­n ist aber enorm. Einige der Boote hatten einen Wert von mehreren 10 000 Euro. Der Liebhaberw­ert ist dabei noch gar nicht eingerechn­et. Mehrere Bootsbesit­zer

vor Ort waren den Tränen nah.

Probleme hatten die Einsatzkrä­fte aus Hohen Neuendorf und Hennigsdor­f bei der Anfahrt, nachdem sich auf der B 96 in Höhe des Netto-Marktes kurz vor dem Ausbruch des Feuers ein schwerer Unfall ereignet hatte. Dort waren zwei Autos frontal zusammenge­stoßen. Zwei Menschen wurden dort verletzt. Die Unfallstel­le musste zunächst beräumt werden, damit die Feuerwehre­n passieren konnten.

Friedrich Bernebee-Sey, den alle nur „Fritze“rufen, steht mit traurigen Gesicht auf der Brücke, die im Hafen des MC Bikenwerde­r einen kleinen Kanal überspannt. Er mag sich gar nicht umdrehen. Denn hinter ihm geht sein Lebenstrau­m in Flammen auf. Ihm gehört eins der Boote, die am Freitagnac­hmittag durch ein verheerend­es Feuer zerstört wurden. Seit 39 Jahren ist er im Verein. Etwa genauso alt ist sein hölzernes Kajütboot „Atlanta“, das er selber gebaut hat.

„Ich war gerade in der Werkstatt, als ich einen Knall gehört habe“, berichtet er, während gut 20 Meter hinter ihm ein Teil der überdachte­n Lagerhalle einstürzt. „Zuerst habe ich gedacht, dass etwas umgefallen ist. Doch dann habe ich den Qualm gesehen“, erinnert er sich. „Zum Glück ist mir nichts passiert. Kurz vorher war ich noch auf meinem Boot“, sagt er. Ähnlich erging es auch Erwin Moyé, der im Vorstand für die Werterhalt­ung auf dem Vereinsgel­ände zuständig ist. Er verliert sein „Nordlicht“. Das Segelboot, das er vor 30 Jahren in Betrieb genommen hat, hat er in den 80-Jahren selber aufgebaut. Auch das Segelboot seines Enkels ist ein Opfer der Flammen geworden. Moyé ist schon 40 Jahren Mitglied in dem Verein.

Gustav Rüle hat dagegen mehr Glück. Sein Boot konnte gerettet werden. Es stand zufällig an einem Ort, den die Flammen noch nicht erreicht hatten, bevor die Feuerwehr vor Ort war. Erst Anfang November hatten die Freizeit-Kapitäne ihre Boote an Land geholt.

Die Höhe des Sachschade­ns steht noch nicht fest. Er dürfte sich auf mehrere 100 000 Euro belaufen. Doch den ideellen Wert, den die liebevoll restaurier­ten Boote haben, kann keine Versicheru­ng ersetzen.

Zwei Stunden nach der Erstmeldun­g stehen Anwohner des Hafens neben zahlreiche­n weiteren Bootsbesit­zern am Zaun vor dem Vereinsgel­ände und sehen zu, wie die Feuerwehr versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Der Einsatz wurde erst am Abend beendet.

 ?? Foto: Jürgen Liebezeit ?? Totalschad­en an Land: Mindestens 20 Boote, die teilweise in liebevolle­r Arbeit restaurier­t wurden, sind von den Flammen vernichtet worden. Einige der Besitzer, die zum Hafen kamen, waren den Tränen nah.
Foto: Jürgen Liebezeit Totalschad­en an Land: Mindestens 20 Boote, die teilweise in liebevolle­r Arbeit restaurier­t wurden, sind von den Flammen vernichtet worden. Einige der Besitzer, die zum Hafen kamen, waren den Tränen nah.
 ?? Foto (2): Jürgen Liebezeit ?? Einsatzber­atung vor Bootsruine­n: Verantwort­liche der verschiede­nen Feuerwehre­n koordinier­en immer wieder den Großeinsat­z in Birkenwerd­er.
Foto (2): Jürgen Liebezeit Einsatzber­atung vor Bootsruine­n: Verantwort­liche der verschiede­nen Feuerwehre­n koordinier­en immer wieder den Großeinsat­z in Birkenwerd­er.
 ??  ?? Verdiente Pause: Einsatzkrä­fte konnten zeitweise nur mit Atemschutz an die Boote ran.
Verdiente Pause: Einsatzkrä­fte konnten zeitweise nur mit Atemschutz an die Boote ran.
 ??  ?? Hatte alles im Griff: Marcel Manzke
Einsatzlei­ter
Hatte alles im Griff: Marcel Manzke Einsatzlei­ter
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Foto: Julian Die Rauchsäule war von Weitem zu sehen. Stähle
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Gespenstig­e Kulisse: Die zum Teil sehr großen Boote waren nicht in Nebel eingehüllt. Es war Wasserdamp­f, der aufstieg.

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