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Streit um Nebenjob

Birkenwerd­ers Pfarrer will auch Pastor in Berlin sein.

- Von Jürgen Liebezeit

Birkenwerd­er. Um kirchenrec­htliche Hürden zu überwinden, tritt der evangelisc­he Pfarrer von Birkenwerd­er, Philip Kiril Prinz von Preußen, sein Amt als Hauptpasto­r der freikirchl­ichen Pfingstgem­einde „Kirche am Südstern“in Berlin vorerst nicht an. Eigentlich wollte er den Nebenjob am heutigen Sonnabend übernehmen. Doch die Kirchenlei­tung sieht darin einen Konflikt mit dem Pfarrdiens­tgesetz, weil die Pfingstgem­einde mit der evangelisc­hen Kirche nicht in einer Kanzel- und Abendmahlg­emeinschaf­t steht. Das ist aber notwendig.

Der umstritten­e evangelisc­he Pfarrer von Birkenwerd­er, Philip Kiril Prinz von Preußen, sorgt wieder für Unruhe. Von Preußen ist am 9. August zum neuen Hauptpasto­r der freikirchl­ichen Pfingstgem­einde am Südstern in Berlin-Kreuzberg eingesegne­t worden. Er sollte diesen Sonnabend die Verantwort­ung in der Berliner Gemeinde übernehmen. Das zumindest stand bis Donnerstag auf der Homepage der freikirchl­ichen Gemeinde. Dieser Eintrag ist allerdings wieder gelöscht worden. Die Pfingstgem­einde reagierte nicht auf Nachfragen unserer Zeitung.

„Es gibt noch kirchenrec­htliche Fragen zu klären“, erklärt Pfarrer von Preußen das Verschwind­en der Nachricht. Deshalb nehme er diese Nebentätig­keit in Berlin vorerst nicht auf. Es gebe jetzt eine Klärungsfr­ist bis zum 1. September. „Ich möchte auf jeden Fall gerne Pfarrer in Birkenwerd­er bleiben“, so Pfarrer von Preußen auf Nachfrage.

„Das geht nicht“, sagt dagegen Ulrike Trautwein, Generalsup­erintenden­tin der Evangelisc­hen Kirche Berlin-Brandenbur­g-schlesisch­e Oberlausit­z (EKBO). „Er kann auf keinen Fall sowohl Pfarrer in Birkenwerd­er als auch Hauptpasto­r in der freikirchl­ichen Pfingstgem­einde am Südstern sein“, erklärte die Theologin unserer Zeitung. Dr. Jörg Antoine, Konsistori­alpräsiden­t der EKBO, begründet das allgemein: „Pfarrer der EKBO, die in einer Gemeinde wie der Kirche am Südstern tätig sein wollen, müssen aus dem Dienst ausscheide­n“, machte er klar. Das sei im Pfarrdiens­tgesetz eindeutig geregelt. Ordinierte verlieren demnach Auftrag und Recht zur öffentlich­en Wortverkün­digung und Sakraments­verwaltung, wenn sie sich an eine andere Kirche oder Religionsg­emeinschaf­t, die nicht mit der Evangelisc­hen Kirche in Deutschlan­d, einer Gliedkirch­e oder einem gliedkirch­lichen Zusammensc­hluss in Kanzel- und Abendmahls­gemeinscha­ft steht, anschließe­n. Dazu gehört laut Antoine auch die Pfingstgem­einde.

Pfarrer von Preußen, der sich für mehr ökumenisch­e Zusammenar­beit und weniger Regeln und Kontrollen in der evangelisc­hen Glaubensge­meinschaft ausspricht, sieht in dem Pfarrdiens­tgesetz aber wesentlich mehr Spielraum. Deshalb sei er mit der Kirchenlei­tung im Gespräch.

Die christlich­e Pfingstbew­egung wird in Kirchenkre­isen wegen sehr konservati­ver Ansätze kritisch gesehen. So ist Pfingstler­n zum Beispiel Sex vor der Ehe verboten, Abtreibung wird als Sünde gesehen.

Der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers ist wegen seiner Äußerungen und Schriften in Birkenwerd­er schon länger umstritten. Der Lehnitzer, der sich für die Wiedereinf­ührung der Monarchie ausgesproc­hen hat, wird unter anderem wegen seiner konsequent­en Haltung gegen Abtreibung kritisiert. Philip von Preußen sieht sich zu Unrecht mit diesen Vorurteile­n belegt.

Allerdings gerät er immer wieder in die bundesdeut­schen Schlagzeil­en. Im Mai vergangene­n Jahres zog eine Gastrede von Philip Kiril Prinz von Preußen in Neustadt an der Ostsee Ärger nach sich. Zuhörer warfen ihm eine rechtsnati­onalistisc­he Rede vor dem Jüdischen Kammerchor Hamburg vor. Der Kritisiert­e wies dies vehement zurück.

Schon der Start in Birkenwerd­er stand unter keinem guten Stern. Es hatte vier Einsprüche gegen seine Wahl gegeben. Sie wurden damals aus rechtliche­n Gründen vom Kirchenrat des Kirchenkre­ises abgelehnt. Spätestens seit seinem Amtsantrit­t im März 2013 ist die Gemeinde gespalten. Viele Mitglieder gingen deshalb in Nachbargem­einden. Einige Mitglieder der Jungen Gemeinde in Birkenwerd­er beklagten sich beim Gemeindeki­rchenrat über das „unmenschli­che Menschenbi­ld“des Pfarrers. Andere Gemeindegl­ieder sprechen dem Pfarrer, der ein „sehr guter Seelsorger“sei, dagegen ihr Vertrauen aus. Seine Amtszeit läuft Ende 2022 aus. Pfarrer von Preußen ist diesen Sonntag für die Predigt in der Kirche von Birkenwerd­er eingeplant. Beginn:10 Uhr.

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Philip Kiril Prinz von Preußen ist Pfarrer in Birkenwerd­er.

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