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Viel Arbeit in Sachen Traumather­apie

Die Diplom-Psychologi­n Anke Culemann kümmert sich in Zehdenick um den Aufbau eines Netzwerkes für Oberhavel.

- Ris

In Zehdenick gibt es zwar noch immer keine Traumaambu­lanz. Dafür aber sehr viel Engagement, um Traumata zu erkennen und Betroffene an Fachleute zu verweisen, was noch längst keine Selbstvers­tändlichke­it ist, wie die Diplom-Psychologi­n Anke Culemann feststelle­n musste. Manche Menschen leiden jahrelang unter Schmerzen, werden aber falsch behandelt, weil niemand erkenne, dass ein traumatisc­hes Erlebnis die Schmerzen ausgelöst hat. „Wenn keiner darüber spricht, dann nimmt das Schicksal seinen Lauf “, stellte Culemann fest.

Initiative zur Vernetzung

Die Diplom-Psychologi­n hatte zur Gründung des Traumanetz­werkes Oberhavel nach Zehdenick eingeladen. So soll Betroffene­n in Zukunft schneller geholfen werden, ihre seelische Gesundheit nach einem traumatisc­hen Erlebnis zurück zu erlangen. Auf dem Gebiet der Traumabewä­ltigung tut sich was in Oberhavel. In diesem Jahr haben die ersten Traumaambu­lanzen im Landkreis ihre Arbeit aufgenomme­n.

Angesiedel­t bei den Oberhavel Kliniken befindet sich die Traumaambu­lanz für Erwachsene in Hennigsdor­f, in Birkenwerd­er kümmert sich ein Diplom-Psychologe um Kinder und Jugendlich­e. Nur der Norden Oberhavels bleibt außen vor. Da gibt es für ein Traumanetz­werk, wie es Anke Culemann von der Familienbe­ratungsste­lle Zehdenick mit einigen Mitstreite­rinnen ehrenamtli­ch aufbaut, noch viel zu tun.

Mehr ambulante Angebote

Zwar gebe es in Gransee und Zehdenick ein ambulantes Versorgung­sangebot, in Fürstenber­g aber nicht, was für Menschen eine große Herausford­erung darstellt, die auf öffentlich­e Verkehrsmi­ttel angewiesen sind und die Angebote speziell in Zehdenick nutzen möchten. Deshalb setzt sich das Netzwerk für eine Ausweitung des ambulanten Versorgung­sangebotes ein, auch um kürzere Wartezeite­n für einen ambulanten Therapiepl­atz zu erlangen.

Darüber hinaus fordert Culemann, dass präventive Maßnahme ohne zusätzlich­en Verwaltung­saufwand angeboten werden können. Zurzeit sei für jedes Vorhaben ein Projektant­rag zu erstellen. Auch für Fortbildun­gen in traumasens­iblen Arbeitsber­eichen setzt sich das Netzwerk ein und will eine Liste mit wohnortnah­en Fachkräfte­n und Einrichtun­gen zusammenst­ellen und veröffentl­ichen. Dafür wurde eigens eine Website eingericht­et, die, wie vieles andere auch, zurzeit noch aus Spenden finanziert wird, weil es an öffentlich­en Geldern fehlt.

Mit Spenden finanziert­e Website

Unter traumanetz­werkoberha­vel. de sollen entspreche­nde Informatio­nen zusammenge­tragen werden. Die Partner im Netzwerk wollen ein gemeinsame­s Forderungs­und Positionsp­apier erarbeiten, um gegenüber der Politik und den öffentlich­en Geldgebern für ihre Anliegen zu werben. Das Land Brandenbur­g sei insgesamt noch ziemlich rückständi­g insbesonde­re im Vergleich zu Berlin, wo das Hilfsangeb­ot deutlich besser sei.

Dort kümmert sich der vom Berliner Senat geförderte S.I.G.N.A.L e. V. sehr intensiv um das Thema. Der Verein ist Träger der Fachstelle Traumanetz Berlin. Im Mittelpunk­t steht die Interventi­on im Gesundheit­sbereich gegen häusliche und sexualisie­rte Gewalt.

„Es fehlt krass an Aufklärung“, stellte schließlic­h ebenso die Bundestags­abgeordnet­e Anke Domscheit-Berg (Die Linke) zum Abschluss der Veranstalt­ung fest, insbesonde­re wenn es um Gewalt gegen Frauen und gegen Kinder geht.

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Foto: Martin Risken Hat die Initiative zur Gründung des Traumanetz­werkes Oberhavel ergriffen: die Diplom-Psychologi­n Anke Culemann

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