Nor­den, Nord­os­ten

Kä­se, Ver­mouth und vie­le Ge­dan­ken

Mallorca geht aus! - - Inhalt -

Ob sie drau­ßen sit­zen könn­ten, fra­gen die neu an­kom­men­den Gäs­te. Sie sind ge­die­gen ge­klei­det, das Wet­ter ist mild, der nächs­te Re­gen weit ent­fernt. Und doch müs­sen sich die Neu­an­kömm­lin­ge fü­gen. Man ha­be drin­nen für sie ge­deckt, er­klärt ein Kell­ner. Es ist kei­ne bö­se Ab­sicht, es ist wohl den Platz­ver­hält­nis­sen ge­schul­det, dem Kon­zept, das ja auch ein Zweit­re­stau­rant be­inhal­tet. Und den­noch: Nicht je­der wird glück­lich sein, wenn er bei strah­len­dem Wet­ter eben nicht im Frei­en ge­nies­sen darf. Wo doch die Idyl­le in die­sem ru­hig ge­le­ge­nen Land­ho­tel na­mens Pre­di Son Jau­mell bei­na­he voll­kom­men ist! Doch glück­lich wird man schnell (wie­der), wenn das Team um den ju­gend­lich wir­ken­den Kü­chen­chef And­reu Ge­ne­s­tra erst mal das Pro­gramm star­tet. Ein biss­chen Show ge­hört da­zu, wenn der Maît­re den Ape­ri­tif­wa­gen her­an­rollt, wenn spä­ter Kom­po­nen­ten am Tisch zu­be­rei­tet wer­den. Doch die Ef­fek­te stö­ren nicht, und so vie­le tol­le Ver­mou­t­hSpe­zia­li­tä­ten und an­de­re Apé­ros, wie ganz am An­fang ge­zeigt wer­den, fin­det man in kei­nem an­de­ren Re­stau­rant auf der In­sel. Wir wünsch­ten uns schon jetzt und dann noch mehr­fach an die­sem Abend, dass wir kei­ne Rück­fahrt mehr vor uns hät­ten, be­stel­len erst mal ei­nen al­ko­hol­frei­en Cock­tail und dann das acht­gän­gi­ge Me­nü. Das be­deu­tet im Fal­le des ta­len­tier­ten And­reu Ge­ne­s­tra, der sich auch mit dem Pal­ma-Re­stau­rant Aro­ma­ta zu ei­nem der be­kann­tes­ten Kö­che der In­sel em­por­ge­ar­bei­tet hat, dass es zwar vie­le, aber nicht all­zu vie­le Gän­ge gibt. Al­les folgt ei­ner aus­ge­feil­ten Dra­ma­tur­gie, steht un­ter dem Ober­be­griff Cui­na de la Ter­ra. Al­lein schon das dunk­le Brot, das am Tisch ge­bro­chen wird, setzt Maß­stä­be. Auch die ers­ten Hap­pen sind gut, vor al­lem ein Zwei­er­lei von der En­sai­ma­da, ein­mal mit Span­fer­kel ge­füllt, ein­mal mit To­ma­ten ver­fei­nert. Die Tra­di­tio­nen der In­sel spie­len für den Chef­koch ei­ne wich­ti­ge Rol­le, aber er spielt gern mit Aro­men, er­mög­licht neue Blick­win­kel. Schwert­mu­schel­ta­tar mit wür­zi­ger, kaum sü­ßer Ba­na­nen­sau­ce ist so ein Bei­spiel, Fei­gen mit Lan­gus­ti­nos und Jus von der Kak­tus­fei­ge sind ein an­de­res. Der im Wein­blatt ge­gar­te See­teu­fel mit ei­ner Pas­te aus schwar­zen Oli­ven recht­fer­tigt den Stern lo­cker, die Wach­tel mit ge­bra­te­nen Ja­la­pe­ños, Reis und Zimt wird zu ei­nem sehr kom­ple­xen Zwi­schen­gang. Lamm wird spä­ter auf zwei Ar­ten ser­viert: erst ge­pi­ckelt, dann als Tri­lo­gie von Ta­tar, kon­fier­tem Ko­te­lett und in­ten­si­ver Ter­ri­ne mit Pe­ter­si­lie und Knob­lauch. Da­zu kann man In­sel­rot­wein oder rest­spa­ni­sche Kost­bar­kei­ten be­stel­len. An aus­ge­zeich­ne­ten Wei­nen man­gelt es hier nicht, die Kal­ku­la­ti­on ist sym­pa­thisch. Ein Sher­ry wie der Man­za­nil­la en ra­ma von Bar­ba­dil­lo kann Vor­spei­sen und Fisch­ge­rich­te be­glei­ten, der

2009er De­men­cia ist ein höchst­fi­nes­sen­rei­cher Ro­ter. Apro­pos Fi­nes­se. Die hat bei And­reu Ge­ne­s­tra auch die Kä­se­aus­wahl. Afue­ga’l Pi­tu aus As­tu­ri­en und zwölf Mo­na­te ge­reif­ter Mahón aus Früh­som­mer­milch be­wei­sen, dass die spa­ni­sche Kä­se­welt ers­tens groß und zwei­tens noch weit­ge­hend un­ent­deckt ist; vor­ge­legt wird na­tür­lich stil­echt vom Wa­gen. Das mit Som­mer­trüf­feln und Man­deln kom­po­nier­te Des­sert schließt ein Es­sen ab, das zu den ori­gi­nells­ten und durch­dach­tes­ten zählt, die man auf Mallor­ca be­stel­len kann. Und zu den preis­güns­tigs­ten, denn für al­le Spei­sen zu­sam­men zah­len wir gera­de mal 74 Eu­ro. Da­für sit­zen wir not­falls auch im Kel­ler! wf

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