Cuit

Über den Dä­chern von Pal­ma

Mallorca geht aus! - - Palma -

Fast wä­ren wir im Tross der Pas­san­ten vor­bei­ge­lau­fen. Der Ein­gang des Ho­tel Na­kar liegt näm­lich recht un­schein­bar in ei­ner lan­gen Rei­he von Schau­fens­tern an der Jau­me III. Die viel­be­fah­re­ne Ave­n­i­da mit den be­mer­kens­wert brei­ten Trot­toirs ist ei­ne der be­leb­tes­ten Shop­ping­mei­len der Me­tro­po­le und ent­spre­chend hek­tisch. Schön, dem Tru­bel ent­flie­hen zu kön­nen. Ein freund­li­cher Herr am Emp­fang des neu­en, sehr zen­tral ge­le­ge­nen De­si­gn­ho­tels weist uns den Weg zum Fahr­stuhl. Und hin­auf geht es in die ach­te Eta­ge. Im Re­stau­rant Cuit macht dann erst ein­mal der sen­sa­tio­nel­le Aus­blick über die Dä­cher der Stadt Ein­druck. Die im­po­san­te Ka­the­dra­le scheint zum Grei­fen nah, und hin­ter dem Häu­ser­meer sieht man das wei­te Blau der Bucht von Pal­ma. Wow, das nen­nen wir mal ei­ne ex­po­nier­te La­ge. Die lan­ge Fens­ter­front des Re­stau­rants ist kom­plett auf­ge­scho­ben, und so ge­hen In­te­ri­eur und Ter­ras­se naht­los in­ein­an­der über. Mit sand­far­be­nem St­ein­bo­den, viel Weiß und hel­lem Holz an den Wän­den, be­que­men Scha­len­stüh­len in Bei­ge und Lind­grün und im an­ge­sag­ten 60er-Jah­reLook passt das Am­bi­en­te ins ur­ba- ne Um­feld, spart sich aber all­zu tren­di­ge De­sign-At­ti­tü­den. Viel­mehr fällt auf, dass es hier an ei­nem ganz nor­ma­len Wo­chen­tag mit­tags rap­pel­voll ist. Wir sit­zen zwi­schen Ge­schäfts­leu­ten und ge­pflegt ge­klei­de­ten Städ­te­rin­nen ver­schie­de­nen Al­ters, und das zur Ab­wechs­lung mal wie­der als ein­zi­ge Aus­län­der un­ter den mit me­di­ter­ra­ner Mu­ße lun­chen­den ein­hei­mi­schen Gäs­ten. Ganz ver­wun­dert es al­ler­dings nicht, dass die­ses im Som­mer 2016 er­öff­ne­te Re­stau­rant sicht­lich be­liebt ist. Da­hin­ter steckt schließ­lich kein Un­be­kann­ter: Mi­quel Ca­lent be­treibt ge­mein­sam mit sei­nem Bru­der Jo­an seit vie­len Jah­ren das auch von uns kon­stant emp­foh­le­ne Can Ca­lent in Cam­pos. Zu­dem ken­nen ihn die In­su­la­ner durch sei­ne Auf­trit­te in Koch-Shows re­gio­na­ler Sen­der. Auch in der Haupt­stadt ist sei­ne Küche neu-mal­lor­quin, ar­bei­tet er mit Vor­lie­be mit re­gio­na­len Zu­ta­ten und in­ter­pre­tiert in­sel­ty­pi­sche Ge­rich­te auf zeit­ge­mä­ße Art. Den Klas­si­ker Fri­to mal­lor­quin, der tra­di­tio­nell Lamm- und Schwei­ne-In­ner­ei­nen ent­hält, be­rei­tet man hier mit Rind und Ar­ti­scho­cken nach „jü­di­scher Art“zu, sprich: mit frit­tier­ten Di­stel­f­rüch­ten (elf Eu­ro). Beim Lo­mo con Col wird die Schwein­e­len­de nebst Kohl von ei­nem Schaum aus wei­ßen Boh­nen be­glei­tet (20 Eu­ro). Auch die cha­rak­te­ris­ti­schen Def­tig­kei­ten ha­ben ih­ren Platz auf der Kar­te. Wie Se­ñor Ca­lent die aus­ge­lös­ten Schwei­ne­fü­ße mit Rü­ben, Bo­ti­far­ró und Kas­ta­ni­en prä­sen­tiert, moch­ten wir an ei­nem son­nig war­men Früh­lings­tag je­doch nicht un­be­dingt her­aus­fin­den (20 Eu­ro). Au­ßer­dem ver­blüfft das ei­ne oder an­de­re un­ge­wöhn­li­che Pro­dukt. Mu­rä­ne ist uns je­den­falls noch nicht sehr häu­fig of­fe­riert wor­den. Hier gibt es sie mit cre­mi­gem Reis und So­brasa­da (20 Eu­ro). Und na­tür­lich gib es au­ßer­dem: vier Reis­ge­rich­te, mit Fleisch und Pil­zen, mit Se­pia und Ka­bel­jau, mit Ge­mü­se und nach Oma Ca­l­ents Art (je 15 Eu­ro). Of­fen­kun­dig ein ech­ter Ren­ner des Hau­ses, wie ein Blick auf die Ne­ben­ti­sche be­weist. Scha­de, da hät­ten wir ger­ne ei­nes pro­biert. Wie üb­lich sind die Ar­ro­ces aber erst ab zwei Per­so­nen zu ha­ben und so für Test­zwe­cke we­nig ge­eig­net. Wir sind auf mehr Kost­pro­ben aus. Und da man hier, wie so oft auf der In­sel, al­le Ge­rich­te tei­len darf, lässt sich Küche treff­lich un­ter die Lu­pe neh­men. Wir star­ten vor­züg­lich mit der ma­ri­nier­ten Fo­ie gras mit So­brasa­da (16 Eu­ro). Die Kom­bi­na­ti­on aus fei­ner Gän­sestopf­le­ber und der def­ti­gen mal­lor­qui­ni­schen Pa­pri­ka­wurst – bei­des ist zu ei­ner ein­zi­gen fin­ger­di­cken Tran­che ver­ar­bei­tet – zer­geht un­er­war­tet leicht auf der Zun­ge und har­mo­niert ge­schmack­lich er­staun­lich gut. Mit leuch­tend ro­tem Gra­nat­ap­fel aus­de­ko­riert und von ei­nem fluf­fi­gen Trüf­fel­schaum ge­toppt, ist das Gan­ze auch ein klei­ner Au­gen­schmaus. Als nächs­tes bringt der flot­te und freund­li­che Ser­vice die Pa­ta­tas de po­bre (13 Eu­ro). Wo­bei die Be­zeich­nung Kar­tof­feln „ar­mer Mann“hier ein sat­te Un­ter­trei­bung ist. Über ein statt­li­ches Türm­chen gro­ßer, ap­pe­tit­li­cher, weil kein biss­chen zu fett aus­ge­ba­cke­ner Kar­tof­fel­schei­ben er­gießt sich war­mes, flüs­si­ges Ei­gelb. Drum­her­um sind fei­ne Pilz­wür­fel und hauch­dün­ne Trüf­fel­scheib­chen ge­streut. So­was hät­ten wir gern mal zum Früh­stück! All­mäh­lich wird es eng auf un­se­rem

Tisch. Denn als nächs­tes kommt das Fri­to vom Ok­to­pus mit Ge­mü­se: ei­ne nicht eben klei­ne Por­ti­on aus reich­lich zart ge­schmor­ten Schei­ben der Ten­ta­keln und klein ge­hack­ten Kar­tof­feln, Blu­men­kohl, Möh­ren und Ar­ti­scho­cken. Es ist im Rei­gen un­se­rer Ge­rich­te eher von hand­fes­ter Art, aber schlicht­weg le­cker. Der Qui­bia, fruch­tig und voll­mun­dig, ge­fällt uns bes­tens da­zu (Fla­sche 25 Eu­ro). Auch die Wein­kar­te zeigt na­tür­lich Lo­kal­pa­triotimus und bie­tet ei­ne Viel­zahl von In­sel­trop­fen. Den Haus­wein vom Ca­s­tell de San­tue­ri bei Fe­lan­tix gibt es in der Blan­co- wie Tin­to-Va­ri­an­te schon ab 17 Eu­ro die Fla­sche. Zu­dem sind et­li­che Kult­trop­fen wie der Nou­n­at (25,50 Eu­ro), der Obac (27 Eu­ro) und der 4 Ki­los (54 Eu­ro) zu ha­ben, teils so­gar als hal­be Fla­schen, et­wa der AN2 (20,50 Eu­ro). Und na­tür­lich kann man sich Fest­land­er­zeug­nis­se aus di­ver­sen Re­gio­nen ent­kor­ken las­sen. Un­ser Qui­bia hält auch beim Ta­tar vom Ne­g­ret gut mit (20 Eu­ro). Das fes­te Fleisch des Blau­barschs, der nach Aus­kunft des Ser­vice statt­li­che Grö­ße er­reicht, ist nicht ge­hackt, son­dern ge­wür­felt und er­in­nert im Biss et­was an Thun­fisch. Ge­schmack­lich fällt uns je­doch kein

ver­gleich­ba­res Flos­sen­tier ein. Klei­ne Pil­ze und ei­ne luf­ti­ge Trüf­fel­emul­si­on sor­gen zum weiß­flei­schi­gen Fisch eben­falls für un­ge­wohn­te Gau­men­ein­drü­cke. Scha­de, für ei­ne der eben­falls nicht ganz all­täg­li­chen Des­ser­tK­rea­tio­nen, wie dem Jo­han­nes­brot­ku­chen mit Ka­ra­mellcreme und Ro­te-Be­te-Eis auf wür­zi­gem Grund ist lei­der kein Platz mehr (acht Eu­ro). Next Ti­me. Tol­le Aus­sicht, ei­ne span­nen­de Küche und gu­te Wei­ne – Pal­ma hat ei­ne TopAdres­se mehr. em­kaz­wo

De To­kio a Li­ma

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