The Kit­chen

Auf den Punkt, Mis­ter Fosh!

Mallorca geht aus! - - Palma -

Un­ser Test fand im März 2017 statt, als noch nicht be­kannt war, dass Marc Fosh sich aus dem Kit­chen zu­rück­zieht und es sei­nen nun ehe­ma­li­gen Ge­schäfts­part­nern über­lässt, mit de­nen er auch in den Jah­ren zu­vor schon zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat­te. Man darf da­von aus­ge­hen, dass die Saat, die Fosh hier ge­setzt hat, auch dann auf­geht, wenn er nicht per­sön­lich Hand an­legt. Ein Meis­ter der Di­ver­si­fi­zie­rung ist er, die­ser Marc Fosh, ein ge­nia­ler Auf­spü­rer neu­er Ide­en, Trends und Kon­zep­te. Wie man die Leu­te zu­frie­den­stellt, weiß der Meis­ter der ein­fach-ge­nia­len Mallor­ca-Küche so­wie­so. Und wie sich das Bu­si­ness rech­net, hat er längst auch raus. Wir ha­ben kei­nen Zwei­fel dar­an, dass sich die ehe­ma­li­ge Kon­di­tio­rei in äu­ßerst zen­tra­ler La­ge in ei­ne Gold­gru­be ver­wan­delt hat, seit Fosh sie re­no­vie­ren und zum Zweit­lo­kal aus­bau­en ließ. Schließ­lich kommt hier die Lauf­kund­schaft tau­send­fach am Tag vor­bei, von den ge­zielt an­rei­sen­den Gour­mets gar nicht zu re­den. Sie al­le fin­den ein coo­les, hel­les Am­bi­en­te mit vie­len Fens­tern und ei­ner Barthe­ke vor. Man kann vor­ne und hin­ten sit­zen, an ho­hen und nied­ri­gen Ti­schen, drau­ßen auf der Gas­se auch. Un­kom­pli­ziert, wie es Foshs Spe­zia­li­tät ist, be­treut von ei­nem schnell agie­ren­den Ser­vice. Um si­cher­zu­ge­hen, dass die Sa­che rund läuft, wa­ren wir gleich zwei­mal hier, fan­den un­se­re ers­ten, eher durch­wach­se­nen Ein­drü­cke beim zwei­ten Be­such nicht be­stä­tigt, sa­hen Fort­schrit­te. An­mer­kun­gen und Ein­schrän­kun­gen hat­ten wir beim Wie­der­ho­lungs­test nur in klit­ze­klei­nem Um­fang zu ma­chen. Und Lob müs­sen wir auch ver­tei­len, bei­spiels­wei­se zum The­ma Aus­wahl. Die Kar­te ist viel­fäl­tig, bie­tet Klei­nig­kei­ten und gro­ße Er­leb­nis­se. Man möch­te auf der Stel­le al­les or­dern: per­sisch ge­würz­te Oli­ven vi­el­leicht (drei Eu­ro), den Qui­noa-Sa­lat mit ro­tem Kohl (12,50 Eu­ro), die Mu­scheln mit Chi­li und Zi­tro­nen­gras (13,50 Eu­ro). Da­nach vi­el­leicht Lamm-Ta­ji­ne mit Cous­cous (24,50 Eu­ro) oder ge­grill­ten Ka­bel­jau mit Man­delk­rus­te (26 Eu­ro).

Beim ers­ten Mal wa­ren wir üb­ri­gens da, um ihm Rah­men des Mit­tags­me­nüs Au­ber­gi­nen­ra­gout, See­hecht und Nach­tisch zu es­sen. Ganz be­geis­tert wa­ren wir nicht, denn ob­wohl die Pro­duk­te erst­klas­sig wa­ren, schien es an der Zu­be­rei­tung zu ha­pern: Da war mit et­was zu viel Rou­ti­ne ge­ar­bei­tet wor­den, aber vi­el­leicht wa­ren es auch sim­ple Ab­stim­mungs­schwie­rig­kei­ten, kurz nach der Er­öff­nung. Für den zwei­ten Be­such lie­ßen wir ein paar Mo­na­te ins Land zie­hen und ver­gnüg­ten uns dann mit aus­ge­zeich­ne­tem Brot (es wer­den zwei Schei­ben pro Per­son ab­ge­zählt) und Knob­lauch­creme der sehr gu­ten Art so­wie mit me­di­ter­ra­nen Mez­ze, die Ba­ba Gha­noush, Mu­ham­ma­ra und tür­ki­schem Sa­lat ent­hiel­ten (11,50 Eu­ro). Das kann man, wir sind ehr­lich, nicht bes­ser ma­chen. Der Au­ber­gi­nen-Se­samDip war wun­der­bar auf den Punkt ge­würzt, der Sa­lat mit Gra­nat­ap­fel­ker­nen eben­so frisch wie er­fri­schend, die Wal­nuss-Pa­pri­ka-Pas­te groß­ar­tig aro­ma­tisch. Kom­pli­ment. Auch für die Lin­gui­ne mit Ta­schen- krebs, Ko­ri­an­der und Chi­li­öl (22,50 Eu­ro), die per­fekt ab­ge­schmeckt und kor­rekt ge­gart wa­ren. Le­dig­lich die Men­ge des Krus­ten­tiers ir­ri­tier­te, denn wir fan­den le­dig­lich ein ein­zi­ges Sche­ren­stück und frag­ten uns, ob es die Küche in die­sem Fall nicht et­was über­trie­ben hat­te: Klar soll sich die Sa­che rech­nen, aber doch bit­te für al­le Be­tei­lig­ten. Dem ab­schlie­ßen­den Man­go-Sor­bet (2,90 Eu­ro pro No­cke) hät­ten wir et­was mehr Säu­re ge­gönnt, doch frisch und haus­ge­macht war es oh­ne Zwei­fel. Sor­gen ma­chen wir uns auch nicht um den Wein­ver­kauf: Die hand­li­che Kar­te wirk­te al­len­falls ein biss­chen un­über­sicht­lich, hat aber et­li­che gu­te Fla­schen zu bie­ten; auf der Ta­ges­kar­te gibt man ein paar kon­kre­te Emp­feh­lun­gen. Und auch die schei­nen uns, was die Küche eh ist: ge­nau auf den Punkt.

wf

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