Es Pass­eig

Spit­zen­platz nach Wan­der­jah­ren

Mallorca geht aus! - - Westen -

Der al­te Spruch, ir­gend­wann sei es im­mer das ers­te Mal, ist der­ma­ßen ver­schlis­sen, dass sich da­mit nun gar nichts mehr rei­ßen lässt. Dann aber dies, und so et­was ha­ben selbst ein­ge­fleisch­te Mallor­ca-Fans sel­ten er­lebt:

Über dem Vor­zei­ge­ha­fen von Sól­ler hängt ei­ne di­cke Sup­pe grau­er Re­gen­wol­ken. Das Meer ist grau ein­ge­färbt, duns­tig grau schim­mert die Ha­fen-Sil­hou­et­te vom ge­gen­über­lie­gen­den Ufer her­über, es gießt den gan­zen Tag lang wie aus Ei­mern. Ab und zu las­sen sich ein paar durch­näss­te Wan­de­rer bli­cken, und selbst die al­te Stra­ßen­bahn, in der kein Mensch mit­fährt, er­weckt den Ein­druck, dass sie ihr Pen­sum nur wi­der­wil­lig her­un­ter­rat­tert. Das ist die Stim­mung, in der man sich am liebs­ten für ein paar St­un­den ins Es Pass­eig zu­rück­zie­hen möch­te. Me­lan­cho­li­ker mit Fens­ter­platz mö­gen an ei­nem sol­chen Tag voll auf ih­re Kos­ten kom­men, spä­tes­tens bei der Vor­spei­se wird sich ih­re Lau­ne je­doch deut­lich bes­sern. Auf der Kar­te von Mar­cel Bat­ten­berg ist kein Platz für Durch­schnitt­li­ches. Das geht bei den Vor­spei­sen los: Vom Ne­ben­tisch weht der Duft ei­ner ge­räu­cher­ten Au­ber­gi­ne mit So­brasa­da und Ho­nig (13,90 Eu­ro) her­über, und über dem Car­pac­cio von Gar­ne­len mit ma­ri­nier­ten Zuc­chi­ni-Spa­ghet­ti und ei­ner Oran­gen-Ba­si­li­kum­creme (17,90 Eu­ro) ge­rät je­mand in Ver­zü­ckung. Nä­hern wir uns statt­des­sen dem Ta­tar vom mal­lor­qui­ni­schen Bi­oAn­gus-Rind. Das steht als Vor­spei­se mit 100 Gramm für 15,50 Eu­ro auf der Kar­te, wird aber auch gern als Haupt­spei­se mit 180 Gramm (22,50 Eu­ro) be­stellt. Bat­ten­bergs Frau Yvon­ne be­rei­tet es am Tisch zu, und sie macht es per­fekt: mit Ei, Senf, Gur­ken, Ka­pern, Zwie­beln und An­cho­vis. Da­zu gibt es ei­ne di­cke Schei­be ge­rös­te­tes Fo­cac­ci­aBrot, das mit Oli­ven­öl ge­ba­cken wur­de. Die me­di­ter­ra­ne Fisch­sup­pe „Es Pass­eig“(12,90 Eu­ro) ge­hört seit Jah­ren zu den Klas­si­kern der Bat­ten­berg-Küche. Wer sei­nen Fuß mit nur klei­nem Hun­ger über die gast­freund­li­che Schwel­le setzt, wird mit ihr auch als Haupt­gang glück­lich, zu­mal der Gruß aus der Küche (Erb­spü­ree, Zi­tro­nen­per­len und Rind­fleisch­stück­chen) und das selbst ge­ba­cke­ne, mit Kreuz­küm­mel, Thy­mi­an und Ros­ma­rin ge­würz­te Brot, die himm­li­sche Oli­ven-Ta­pe­nade und die fein ge­sal­ze­ne Zi­tro­nen­but­ter (3,90 Eu­ro) viel mehr als blo­ße Ap­pe­tit­an­re­ger sind. An die­ser Stel­le ein paar Be­mer­kun­gen über die Gast­ge­ber: Mar­cel Bat­ten­berg hat in sei­nen Wan­der­jah­ren un­ter an­de­rem im Bel­le­vue Pa­lace in der Schweiz, in Die­ter Mül­lers Drei-Ster­ne-Re­stau­rant im Schloss­ho­tel Ler­bach und zu­letzt im Cass Pu­ers in Sól­ler ge­kocht. Dort lern­te er Ehe­frau Yvon­ne ken­nen, auch ih­re Sta­tio­nen sind erst­klas­si­ge Adres­sen: in Ba­den-Ba­den Schloss­ho­tel Büh­ler­hö­he, in London The Hem­pel im FÜN­FS­TER­NE-HO­TEL Pref­fe­red, in Ham­burg das Ho­tel Lou­is C. Ja­cob, schließ­lich in Deià auf Mallor­ca das El Oli­vo, Spit­zen­re­stau­rant des be­rühm­ten Ho­tels La Re­si­den­cia. Seit 2005 be­trei­ben die bei­den das Es Pass­eig am schöns­ten Stück der Ha­fen­pro­me­na­de von Sól­ler. Wei­ter mit den Haupt­gän­gen: Das ibe­ri­sche Schwei­ne­fi­let mit Man­delC­runch (23,90 Eu­ro) ent­puppt sich als „Se­cre­to“, ei­nem stark mar­mo­rier­ten Mus­kel, der sich zwi­schen Vor­der­bein und Len­den­speck ver­steckt. Der sich strei­fen­för­mig durch den Cut zie­hen­de Fet­tan­teil prä­des­ti­niert das schö­ne Stück Fleisch für die bei Spit­zen­kö­chen be­lieb­ten Lang­zeit­re­zep­te. Bei Bat­ten­berg gibt es da­zu Zwie­bel­ra­gout und Früh­lings­zwie­bel-Kar­tof­fel­stampf. Ers­te Wahl hät­ten auch das Me­dail­lon vom See­teu­fel auf Cur­ry­lin­sen (24,90 Eu­ro), die ge­bra­te­nen Ja­kobs­mu­scheln mit Pi­ni­en­kern-Zi­tro­nen­but­ter

(23,90 Eu­ro) oder das ge­bra­te­ne ar­gen­ti­ni­sche Rin­der­fi­let mit Rot­wein-Zwie­beln (27,90 Eu­ro) sein kön­nen. Aus dem vier­gän­gi­gen Mit­tags­me­nü (44,90 Eu­ro) war je­doch das Lamm­kar­ree mit Bal­sa­mi­co-Jus, Ri­cot­ta-Po­len­ta und Boh­nen-To­ma­ten-Ra­gout zu ha­ben (24,90 Eu­ro). Mit Yvon­ne Bat­ten­bergs Hil­fe klappt die Su­che nach ei­nem pas­sen­den Trop­fen in der mit gu­ten Mallor­caWei­nen reich­lich be­stück­ten Wein­kar­te. Zur Fisch­sup­pe – wie auch zum Schwein – passt ein wei­ßer El Co­lum­pio aus Pren­sal Blanc-, Sau­vi­gnon Blan­cund Char­don­nay-Trau­ben von der Bo­de­ga Ti­an­na (Glas 5,20 Eu­ro). Das Lamm­kar­ree, au­ßen scharf an­ge­bra­ten und in­nen im Kern schön ro­sa, darf sich über ei­nen kräf­ti­gen Ro­ten, den Son Prim Ca­ber­net Sau­vi­gnon von der Bo­de­ga Jau­me Lla­b­res in In­ca (8,60 Eu­ro), freu­en. Wer so über­zeu­gend kocht, muss Au­ßer­ge­wöhn­li­ches auch in der Ab­tei­lung Des­sert leis­ten. Zum Bei­spiel mit ei­nem Scho­ko­la­den­küch­lein mit f lüs­si­gem

Kern, gar­niert mit ei­nem Kranz von Port­wein­kir­schen und ei­nem hüb­schen Eis­bäll­chen von Va­nil­le-Cas­sis (8,50 Eu­ro). Da­für so­wie für ei­nen Cor­ta­do und ei­nen Oran­gen­li­kör auf Eis ist ge-

ra­de noch Platz. Das Täss­chen Kaf­fee und das Gläs­chen Li­kör wer­den aufs Haus ge­bucht.

„Weil Sie bei die­sem Wet­ter extra aus Pal­ma zu uns ge­kom­men sind“, sagt Yvon­ne Bat­ten­berg. Wie­der­ho­lung nicht aus­ge­schlos­sen, dann aber auch für ei­nen Blick auf die sonst so schön kit­schig im Meer ver­sin­ken­de Son­ne. Und vi­el­leicht auch für ei­nen die­ser le­gen­dä­ren Ta­pas-Me­ter (24,90 Eu­ro für zwei Per­so­nen), von dem die Bat­ten­bergs im ver­gan­ge­nen Jahr so mal eben „fünf Ki­lo­me­ter“(!) ver­kauft ha­ben. ros

El Oli­vo

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