Man­da­la

En­dor­phi­ne im Berg­dorf

Mallorca geht aus! - - Westen -

Wer Ori­ent noch nicht kennt, soll­te ei­nen Aus­flug in das Berg­dörf­chen am Pu­ig d’Alaró un­be­dingt ein­pla­nen. Al­le an­de­ren kom­men so­wie­so im­mer wie­der. Ei­ne Re­gel, die auch für das et­was ver­steckt ge­le­ge­ne Re­stau­rant Man­da­la in dem 30-See­lenOrt gilt. Schon der mit Trep­pen ver­se­he­ne Auf­stieg, der von der Dorf­stra­ße hin­auf über ur­al­te St­ein­gas­sen zum Re­stau­rant führt, ist Berg­dorfro­man­tik pur, tags­über be­glei­tet von fröh­li­chem Spat­z­ent­schil­pen. Durch ei­ne al­te Holz­tür be­tre­ten wir das Lokal, das an­ge­nehm ein­fach und re­du­ziert ein­ge­rich­tet ist. Da der Abend noch zu kühl ist, um auf der klei­nen Ter­ras­se zu ta­feln, neh­men wir an ei­nem der Holz­ti­sche zwi­schen weiß ge­kalk­ten Wän­den Platz. Acht Ti­sche ver­tei­len sich in den zwei Gast­räu­men im Erd­ge­schoss die­ses al­ten mal­lor­qui­ni­schen St­ein­hau­ses, das mit mo­der­nen Leucht­ob­jek­ten und asia­ti­schen Skulp­tu­ren de­ko­riert ist. Letz­te­re stam­men noch von dem Schwei­zer Paar, das sich nach jah­re­lan­gen Welt­rei­sen in Ori­ent nie­der­ließ und das Man­da­la er­öff­ne­te, dort un­ter an­de­rem auch her­vor­ra­gen­de asia­ti­sche Ge­rich­te wie Cur­rys mit gran­dio­sen haus­ge­mach­ten Chut­neys ser­vier­te. Seit dem ver­gan­ge­nen Jahr hat das hüb­sche Re­stau­rant nun ei­nen neu­en Be­trei­ber: Jo­sé Manuel Bell­i­do heißt der neue (Kü­chen-)Chef. Er stammt aus Ma­la­ga, ar­bei­tet aber schon lan­ge auf Mallor­ca, un­ter an­de­rem zu­sam­men mit Marc Fosh. Da war es zu er­war­ten, dass sich an der klas­si­schen Man­da­la-Küche ei­ni­ges än­dern wird. Zur Be­grü­ßung be­kom­men wir ei­ne hei­ße Hüh­ner­sup­pe ge­reicht, die herr­lich kon­zen­triert nach Huhn und fri­schen Kräu­tern schmeckt und uns kräf­tig durch­wärmt. Da­nach er­klärt uns die freund­li­che Ser­vice-Kraft, dass im Man­da­la seit Be­ginn des Jah­res kei­ne à-la- car­te-Ge­rich­te mehr an­ge­bo­ten wer­den, son­dern ein Vier­gan­gMe­nü (40 Eu­ro) mit ei­nem

Fisch- und ei­nem Fleisch­gang. In den Som­mer­mo­na­ten wird es täg­lich zwei ver­schie­de­ne Me­nüs zur Aus­wahl ge­ben. Die heu­ti­ge Spei­sen­fol­ge ver­spricht uns höchs­te ku­li­na­ri­sche Freu­den: Die Vor­spei­se ist ein Ra­gout aus Ar­ti­scho­cken und Erb­sen mit Büf­fel­moz­za­rel­la so­wie An­cho­vis. An­schlie­ßend gibt es Zahn­bras­se mit ka­ra­mel­li­sier­tem Fen­chel an ei­ner Man­da­ri­nen­sau­ce, ge­folgt von ei­ner En­ten­brust mit Rot­kohl­kom­pott und ge­schmor­tem Ap­fel. Den krö­nen­den Ab­schluss bil­det ei­ne hei­ße Scho­ko­la­den­creme mit Nüs­sen. Wir neh­men die klei­ne Wein­kar­te in Au­gen­schein, sie lis­tet Trop­fen aus Mallor­ca und vom spa­ni­schen Fest­land (Fla­sche ab 17,80 Eu­ro). Ein Rot­wein aus dem Bier­zo (Kas­ti­li­en-León) so­wie ein Ver­de­jo aus dem Wein­bau­ge­biet Rue­da wer­den auch glas­wei­se aus­ge­schenkt (je 4,80 Eu­ro), au­ßer­dem ste­hen zwei Bio-Ca­va zur Aus­wahl (Fla­sche ab 22,50 Eu­ro). Wir or­dern glas­wei­se vom Rot­wein und ei­ne Fla­sche Was­ser (2,55 Eu­ro). Kaum sind die Ge­trän­ke ser­viert, kommt ein zwei­ter Gruß aus der Küche auf den Tisch: ei­ne Jo­ghurt­mous­se zum Löf­feln aus der Tas­se so­wie ein mit Hum­mus und Früh­lings­zwie­beln be­leg­ter Cra­cker. Bei­des mun­det köst­lich, der Jo­ghurt über­rascht mit aro­ma­ti­schen Lachs­kü­gel­chen, die beim Drauf­bei­ßen an­ge­nehm zer­plat­zen. Die Vor­spei­se ist ei­ne ge­schmack­li­che Vor­ah­nung auf den Früh­ling: Die Ar­ti­scho­cken­her­zen sind fest und zart, der Büf­fel­moz­za­rel­la wird von ei­ner grü­nen Sau­ce aus Wild­kräu­tern ein­ge­rahmt. Ein Ge­dicht! Auch der Fisch­gang kann über­zeu­gen, die Fen­chel- und Man­da­ri­nen­aro­men schen­ken dem Ge­richt ei­ne fri­sche Früh­lings­no­te. Zum Glück fal­len die Por­tio­nen nicht zu groß aus und wir ma­chen uns mit Ap­pe­tit über die En­ten­brust her. Der Rot­kohl wird – op­tisch ge­lun­gen – zwi­schen zwei Schei­ben Ge­würz­knä­cke­brot ser­viert. Über­haupt ist je­der Tel­ler ein Fo­to Wert, ori­gi­nell prä­sen­tiert auf von Hand la­sier­tem Ge­schirr und Holz­brett­chen. Das Des­sert wird stil­si­cher in ei­ner Ko­kot­te kre­denzt. Wir he­ben den De­ckel – und ein in­ten­si­ver Scho­ko­la­den­ge­ruch er­reicht un­se­re Na­se. Auf ei­nem Bett aus halb­flüs­si­ger war­mer Scho­ko­la­de und klei­nen Brow­nie-Stück­chen liegt ei­ne Ku­gel Ha­sel­nuss­eis, die lang­sam an den Rän­dern schmilzt. Auch wer kein gro­ßer Fan von Sü­ßem ist – die­ser Nach­tisch lässt die En­dor­phi­ne tan­zen. Glück­lich und satt be­stel­len wir zwei klei­ne Schwar­ze und wer­den mit Pe­tits Fours zum Kaf­fee über­rascht – haus­ge­macht, wie man uns ver­si­chert. Wir kön­nen ein­fach nicht wi­der­ste­hen und pro­bie­ren sie der Rei­he nach: das but­t­rig­ge­halt­vol­le Short­bre­ad, die Ko­kos-Me­rin­gue mit ei­ner Ama­re­na-Kir­sche und zum Schluss den Scho­ko­la­dent­rüf­fel. Nach so vie­len sü­ßen Köst­lich­kei­ten brau­chen wir doch noch ei­nen Schnaps für die Ver­dau­ung und be­kom­men zwei Hier­bas ein­ge­schenkt – die ge­hen aufs Haus. PS: Bes­ser, man fährt über Alaró an. Der Weg, der von der an­de­ren Sei­te her durch Bun­yo­la führt, ist zwar wun­der­schön, aber mit vie­len en­gen Kur­ven ver­se­hen und von zahl­rei­chen am­bi­tio­nier­ten Rad­sport­lern stark fre­quen­tiert. juc

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