EIN­FACH SELBST VER­SORGT

Mein Landgarten - - Inhalt -

Den Traum vom nach­hal­ti­gen Bio-Gar­ten setz­ten An­ne­li und Den­nis gut ge­plant in die Tat um.

Hil­fe wür­de bau­en kön­nen und fuhr, auf der Su­che nach Hel­fern, nach Brunswick. Dort traf er auf An­ne­li Sund­qvist, die im Hos­tel ar­bei­te­te. Die Ruck­sack­tou­ris­tin hielt Hos­tels für ei­ne groß­ar­ti­ge Mög­lich­keit für Al­lein­rei­sen­de, neue Leu­te ken­nen­zu­ler­nen. Sie war in Umeå groß ge­wor­den, ei­ner Stadt im Nor­den Schwe­dens, hat­te aber länd­li­che Wur­zeln. Ihr Va­ter wuchs in ei­nem Häu­schen oh­ne Strom auf und ih­re Mut­ter auf ei­nem Bau­ern­hof. Den­nis merk­te schnell, dass An­ne­li ei­ne Ma­che­rin ist. Sie stan­den oft vor Son­nen­auf­gang auf und ar­bei­te­ten – nur sie bei­de. Es ver­band sie die Lie­be, das Land zu pfle­gen und Din­ge zu er­le­di­gen, sie mulch­ten Blau­beer­bee­te und schrei­ner­ten ge­mein­sam. Wie­der zu­rück auf Deer Is­le ar­bei­te­te Den­nis wei­ter und bat An­ne­li schließ­lich, zu kom­men. Als die Schwedin sechs Mo­na­te spä­ter an­kam, war sie al­les an­de­re als be­ein­druckt. Doch das Zwei­ge­spann mach­te sich an die Ar­beit, so wie sie es in Brunswick ge­tan hat­ten. Lang­sam spür­te An­ne­li, dass das Haus ein ech­tes Zu­hau­se wer­den konn­te. Doch noch fehl­te für sie et­was Es­sen­zi­el­les am Haus: Ein Ge­mü­se­gar­ten – ähn­lich wie sie ihn aus Schwe­den kann­te. Wäh­rend sich Den­nis auf die Schrei­ne­rei kon­zen­trier­te, schuf­te­te An­ne­li für ihr Pro­jekt, das sie sich ge­nau aus­ge­malt hat­te. Kei­nen klei­nen, hüb­schen Zier­gar­ten woll­te sie an­le­gen, son­dern ei­nen ech­ten Ge­mü­se­gar­ten, der Den­nis, sie und ih­re Gäs­te zum größ­ten Teil er­näh­ren wür­de. Ein autarkes Le­ben wur­de im­mer wahr­schein­li­cher. Sie ro­de­te das Land, pflanz­te Sa­men, steck­te Zwie­beln und bau­te das Grund­stück lang­sam aus, bis sich der Gar­ten schließ­lich über mehr als 700 Qua­drat­me­ter er­streck­te und ei­ne Fül­le an Pflan­zen her­vor­brach­te: gel­be und ro­te Rü­ben, Kar­tof­feln, Sa­lat, di­ver­se Sor­ten Kohl, Zu­cker­mais, Boh­nen, Knob­lauch, Zwie­beln und noch vie­les mehr. Ei­nen Teil der Er­trä­ge kann das Paar ein­la­gern und so auch im Win­ter da­von zeh­ren – ein Schritt in Rich­tung au­to­no­mer Ver­sor­gung. Ge­nau für die­ses Ziel fan­den sie auch ge­brauch­te So­lar­bat­te­ri­en und schlos­sen Son­nen­kol­lek­to­ren an, die ge­nug Strom er­zeug­ten, um ih­ren Be­darf zu de­cken. Auch der Kom­post­hau­fen, der nicht nur, wie in an­de­ren Haus­hal­ten üb­lich, der Neu­ge­win­nung von frucht­ba­rer Er­de dient, war von Be­ginn an als Ener­gie­lie­fe­rant kon­zi­piert. Die ae­ro­ben Bak­te­ri­en im Kom­post­hau­fen ge­ne­rie­ren Wär­me, die wie­der­um die ge­sam­ten Was­ser­lei­tun­gen des Hos­tels be­hei­zen und, je nach Jah­res­zeit, so­gar bis 65 °C er­rei­chen. Ein rund­um aus­ge­feil­tes Kon­zept der Selbst­ver­sor­gung, das ab Ju­ni 2009 auch die zahl­reich

er­war­te­ten Gäs­te tra­gen soll­te. Den­nis und An­ne­li ga­ben ei­ne Er­öff­nungs­par­ty, oh­ne je­doch ei­ne ein­zi­ge Re­ser­vie­rung ver­bucht zu ha­ben. Kurz vor dem Abend­es­sen klopf­ten zwei Ruck­sack­tou­ris­ten an die neue Ho­s­tel­tür – an­schlie­ßend ver­sam­mel­ten sich al­le am Ess­tisch und ta­ten sich an Pfann­ku­chen mit Schlag­sah­ne und Bio-Erd­bee­ren güt­lich. Seit­dem ha­ben be­reits Rei­sen­de aus al­ler Welt im Deer Is­le Hos­tel von An­ne­li und Den­nis über­nach­tet. Man­che Gäs­te sa­gen, man füh­le sich, als ob man in ei­ne längst ver­gan­ge­ne Zeit zu­rück­reist. „Ich ha­be mich im­mer ge­fragt, ob wir vor­wärts oder rück­wärts rei­sen“, sagt Den­nis nach­denk­lich. „Jetzt spü­re ich, dass wir uns vor­wärts be­we­gen. Denn ich bin auch zu der Schluss­fol­ge­rung ge­langt, dass gu­te Ide­en im­mer zeit­los sind und über­dau­ern.“

EI­GEN­HÄN­DIG bau­te Den­nis das Haus. An­ne­li hin­ge­gen leg­te mit viel En­thu­si­as­mus den gro­ßen Gar­ten an und ro­de­te da­für auch das Land.

VER­BUN­DEN Über die­se Lei­ter er­reicht man ei­nen drit­ten Schlaf­platz, den An­ne­li und Den­nis ger­ne an Rei­sen­de ver­mie­ten.

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