GAR­TEN DER WUN­DER

Kräu­ter­gär­ten sind der Arz­nei­schrank der Na­tur. Doch die­ser hier, im Europakloster Gut Aich, darf sei­nes­glei­chen su­chen.

Mein Landgarten - - Inhalt - Text: Andrea Gerg • Fo­tos: Mar­kus Bass­ler/Ser­vus Ver­lag, A. Gerg

Im Europakloster Gut Aich kennt Pa­ter Pausch die Kräf­te der Kräu­ter und gibt das Wis­sen wei­ter.

Ein we­nig Zeit soll­te man schon mit­brin­gen, wenn man Pa­ter Jo­han­nes Pausch im Klos­ter Gut Aich be­sucht. Nicht et­wa, weil der sym­pa­thi­sche Be­ne­dik­ti­ner­mönch ein Pro­blem mit der Pünkt­lich­keit hät­te, nein! Viel­mehr gleicht ein Gang mit ihm durch den Klos­ter-Kräu­ter­gar­ten ei­ner Un­ter­richts­stun­de in Bo­ta­nik. Von Lan­ge­wei­le ist hier aber kei­ne Spur: Wenn Pa­ter Pausch von hei­mi­schen Pflan­zen und ih­rer Heil­kraft er­zählt, ste­hen Stau­nen und Wun­dern ganz oben auf dem St­un­den­plan. Im Europakloster Gut Aich geht es eben ge­ne­rell eher un­kon­ven­tio­nell zu – das ver­rät schon sein Na­me: Von Be­ne­dik­ti­ner­mön­chen 2004 ge­grün­det, stand Be­ne­dikt von Nur­sia als Schutz­hei­li­ger Eu­ro­pas Pa­te. Ins Zen­trum der Klos­ter­tä­tig­kei­ten rückt da­her, das Zu­sam­men­le­ben der Men­schen in Eu­ro­pa durch leib­li­che und see­li­sche Ge­sund­heit zu för­dern. Ei­nen gro­ßen Bei­trag hier­zu leis­ten die Kräu­ter­gär­ten der Ab­tei – fünf an der Zahl und teil­wei­se auf bis zu 1.400 m See­hö­he. Denn dort oben, so er­klärt Pa­ter Pausch, sei die Ve­ge­ta­ti­on eben ein

we­nig an­ders als im Tal und da­her ide­al für man­che Kräu­ter, die wei­ter un­ten viel­leicht gar nicht ge­dei­hen. „Der Frau­en­man­tel aus dem Gar­ten hier ist auch ge­sund“, ver­si­chert er, „aber Berg­kräu­ter ha­ben al­le In­halts­stof­fe in kon­zen­trier­ter Form.“Im Kräu­ter­gar­ten di­rekt ne­ben dem Klos­ter wächst von Augentrost bis Zinn­kraut al­les, was der Arz­nei­schrank der Na­tur zu bie­ten hat. Und Pa­ter Pausch ent­lockt je­der Pflan­ze ihr Heil­ge­heim­nis. Laut ihm gibt es näm­lich in der Na­tur kei­ne Zu­fäl­le: Je­de Blatt­form, je­de Far­be, al­les was wächst und wie es wächst, ha­be ei­nen Sinn. Alant, so sei­ne Er­klä­rung, wu­che­re des­halb an der Pfor­te des Klos­ter­gar­tens, weil er für ge­wöhn­lich bei Er­käl­tung hilft und man in der kal­ten Jah­res­zeit viel da­von brau­chen wird – ein Hin­weis auf ei­nen stren­gen Win­ter. Auch die Form von Far­nen sei kei­ne blo­ße Lau­ne der Na­tur:

„Wer­de der, der du bist – wer­de Mensch“Hil­de­gard von Bin­gen

Se­hen sie nicht der mensch­li­chen Wir­bel­säu­le ver­blüf­fend ähn­lich? Pa­ter Pausch ist über­zeugt, dass man mit Farn Rücklei­den lin­dern kann. Bei Bor­re­lio­se-Pa­ti­en­ten hin­ge­gen lie­ßen sich mit Ex­trak­ten der Kardenwurzel Be­hand­lungs­er­fol­ge er­zie­len – schließ­lich hat die Kar­den­blü­te mit ih­rem ro­ten Ring Ähn­lich­keit mit ei­nem Ze­cken­biss. Den Wun­dern in die­sem Gar­ten sind kei­ne Gren­zen ge­setzt! Selbst wenn, sind so­gar die für et­was gut: Ei­ne knie­ho­he Buchs­baum­he­cke schir­me Was­ser­adern ab und ha­be dem vor ein paar Jah­ren er­krank­ten Nuss­baum das Le­ben ge­ret­tet, be­zeugt Pa­ter Pausch. Aber Hei­lung funk­tio­nie­re nicht nur durch die Pflan­zen selbst, son­dern auch durch ihr in­ne­res We­sen, das der Bru­der in so­ge­nann­ten Heil­kräu­ter-Man­da­las zum Aus­druck brach­te: Für über 40 Pflan­zen hat er Bil­der ent­wor­fen (s. Kas­ten S. 74). Weil die­se die Ei­gen­schaf­ten der je­wei­li­gen Pflan­ze zum Aus­druck brin­gen, die man in ei­ner be­stimm­ten Le­bens­si­tua­ti­on oder für ei­ne Krank­heit gera­de braucht, kön­nen sie hei­len – ent­we­der durch die Wirk­stof­fe der Pflan­ze selbst (als Tee und Tink­tur) oder in Form ei­nes Amu­letts, das in den Klost­erwerk­stät­ten an­ge­fer­tigt wird. Nicht nur in dem zur Ab­tei ge­hö­ren­den Hil­de­gard­zen­trum, son­dern auch bei Heil­prak­ti­kern, Phy­sio- und Psy­cho­the­ra­peu­ten aus der Um­ge­bung wer­den die Man­da­las zur Be­hand­lung ein­ge­setzt – teils mit gro­ßem Er­folg. Und das ist doch wirk­lich ein klei­nes Wun­der!

Im Uhr­zei­ger­sinn: ZU GAST bei Pa­ter Pausch war Re­dak­teu­rin Andrea Gerg. EI­NE ORD­NUNG ent­steht durch die geo­me­tri­sche Bee­tan­ord­nung. VON A wie Alant bis Z wie Zinn­kraut wächst hier fast al­les. ZIER­PFLAN­ZEN ge­dei­hen ne­ben Nutz­pflan­zen.

HOCH HIN­AUS Der Gar­ten ne­ben dem Klos­ter ist ei­ner von fünf. Die an­de­ren lie­gen teil­wei­se auf 1.400 m Hö­he.

MA­LE­RISCH Das Be­ne­dik­ti­ner­klos­ter Gut Aich liegt un­weit des be­kann­ten Wolf­gang­sees im Salz­bur­ger Land (Ös­ter­reich). PA­TER PAUSCH weiß um die Heil­kräf­te der ver­schie­dens­ten Kräu­ter. Hier sam­melt er gera­de fri­schen Frau­en­man­tel (oben).

UN­TER EI­NEM DACH Das zum Klos­ter ge­hö­ren­de Hil­de­gard­zen­trum ist Ta­gungs­stät­te, Schu­lungs­und The­ra­pie­zen­trum in ei­nem.

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