WILD­BLU­MEN FÜRS IN­SEK­TEN­GLÜCK

Bie­nen, Hum­meln und Schmet­ter­lin­ge ha­ben es nicht leicht: Ra­sen­wüs­ten, Pes­ti­zi­de und In­ten­siv­land­wirt­schaft ge­fähr­den ih­ren Le­bens­raum. Le­sen Sie hier, was sich die Gar­ten-Nütz­lin­ge wün­schen. Als Dank er­hal­ten Sie präch­ti­ge Blu­men.

Mein Landgarten - - Inhalt - Text: Ana­bel Schleu­ning

Wir ver­ra­ten, was die Nütz­lin­ge für ih­ren Le­bens­raum brau­chen. Der Dank sind präch­ti­ge Blu­men.

Hört ihr uns durch die Lüf­te sum­men und flat­tern? Wir su­chen jetzt Schutz, Nah­rung und ei­nen Ort, der zum Ver­wei­len ein­lädt. Auf dem Land hal­ten uns da­von vor al­lem die In­ten­siv­land­wirt­schaft und die ver­wen­de­ten Pes­ti­zi­de ab – un­ser ur­sprüng­li­cher Le­bens­raum wird uns im­mer häu­fi­ger strei­tig ge­macht. Aus der Not her­aus flie­hen wir auf der Su­che nach ei­nem Er­satz­le­bens­raum in Rich­tung Stadt. Doch auch dort er­war­tet uns nicht das er- sehn­te Pa­ra­dies. Ganz im Ge­gen­teil: In den Vo­r­or­ten schlep­pen wir uns ge­schwächt durch Wüs­ten kah­ler Wie­sen – pfle­ge­leicht sol­len sie sein, eu­re Gär­ten, immergrün und da­bei stets an­sehn­lich: Doch die­se mo­no­to­nen Ra­sen­flä­chen und zu­recht ge­schnit­te­nen Sträu­cher bie­ten we­der Schutz noch Nah­rung. So zie­hen wir wei­ter auf die klei­nen grü­nen In­seln der Städ­ter, auf ih­re Ter­ras­sen und Bal­ko­ne. Fin­den wir dort dann end­lich ei­ne far­ben­fro­he Blü­te, so hält die Freu­de oft nur kurz an: Nichts als ma­xi­mal gro­ße

Blü­ten­blät­ter, bei­spiels­wei­se bei Stief­müt­ter­chen, und ver­küm­mer­te Nek­ta­ri­en er­war­ten uns. Vie­le Züch­tun­gen, die der Mensch ent­wi­ckelt hat, ver­fü­gen – im Un­ter­schied zu ih­ren wil­den Ver­wand­ten – aus­schließ­lich über ge­füll­te Blü­ten, die uns den Zu­tritt zum In­ne­ren ver­weh­ren, so die Edel­ro­se. Üb­rig blei­ben am En­de frem­de Exo­ten, die schön aus­se­hen, aber uns doch stets fremd blei­ben wer­den; als hei­mi­sche Nutz­tie­re be­vor­zu­gen wir hei­mi­sche Pflan­zen, da wir uns über ei­ne lan­ge Zeit per­fekt an­ein­an­der an­ge­passt ha­ben. Vom Früh­ling bis zum Herbst war es ein­mal das reins­te Blü­ten­fest. We­ni­ge wis­sen heute noch, wie die Grün­flä­chen als bie­nen- und schmet­ter­lings­freund­li­che Le­bens­räu­me ge­stal­tet sein könn­ten. Hier ei­ne klei­ne fach­män­ni­sche An­lei­tung un­se­rer­seits:

Es braucht Nekt­ar als Nah­rung für uns selbst so­wie Pol­len als ei­weiß­rei­ches Fut­ter für die Brut – Schmet­ter­lings­rau­pen brau­chen Fut­ter­pflan­zen. Üb­ri­gens ist das An­ge­bot von Nekt­ar und Pol­len von Pflan­ze zu Pflan­ze un­ter­schied­lich. Man­che Pflan­zen ver­sor­gen uns mit viel Nekt­ar, aber mit we­nig Pol­len. An­de­re sind wie­der­um ex­zel­len­te Pol­len­lie­fe­ran­ten, spen­den je­doch kaum Nekt­ar. Wich­tig ist grund­sätz­lich ei­nes: die un­ge­füll­te Blü­te. Au­ßer­dem dür­fen die Nek­ta­ri­en nicht zu tief in der Blü­te an­ge­ord­net sein, da sonst nur die In­sek­ten mit ei­nem aus­rei­chend lan­gen Rüs­sel bis zum sü­ßen Nekt­ar ge­lan­gen. Im Früh­jahr er­freu­en wir uns an Mar­ge­ri­ten, Obst­bäu­men, Raps und Aka­zi­en. Im Herbst zeigt sich die Aus­beu­te spär­li­cher: ein­jäh­ri­ge Som­mer­blu­men wie Ringelblume, Fett­hen­ne oder Herbs­tas­ter hel­fen uns, aus­rei­chen­de Win­ter­re­ser­ven an­zu­le­gen. Und das High­light un­se­res Jah­res? Die Kräu­ter­käs­ten! Ge­füllt mit Thy­mi­an, Ysop, Boh­nen­kraut, Ore­ga­no, La­ven­del und Sal­bei, sind sie die reins­ten Ge­nus­s­oa­sen. Der wich­tigs­te Zei­t­raum für uns und ei­ne in­sek­ten­freund­li­che Tracht ist das Früh­jahr und der Spät­som­mer bzw. der Herbst. Denn zu An­fang des Jah­res er­rei­chen wir un­se­re nö­ti­ge Volks­stär­ke, wäh­rend wir im Som­mer die lang­le­bi­gen Win­ter­bie­nen her­an­zie­hen, die das Über­le­ben un­se­res Vol­kes wäh­rend der kal­ten Jah­res­zeit si­cher­stel­len. Sie fra­gen sich, was der Mensch nun ei­gent­lich da­von hat? Wer uns in sei­nen Gar­ten, auf den Bal­kon oder die Ter­ras­se lockt, der kann nichts falsch ma­chen: In ers­ter Li­nie be­tö­ren wir durch un­se­ren zau­ber­haf­ten An­blick. Das ist zwar das Schöns­te, aber nicht das Wich­tigs­te: Wir stel­len zu­dem auch die Ver­meh­rung un­ter­schied­li­cher Pflan­zen­ty­pen si­cher und sor­gen für die Be­stäu­bung von Obst­bäu­men und Bee­ren­sträu­chern, so­dass ho­he Er­trä­ge ga­ran­tiert sind. Da­durch hal­ten wir das Öko-Sys­tem im Gleich­ge­wicht und tra­gen ei­nen Teil zur öko­no­mi­schen Seite bei! Es grü­ßen vol­ler Vor­freu­de: die Bie­ne, der Schmet­ter­ling & Co. In­fos & Adres­sen zum The­ma öko­lo­gisch pflan­zen fin­den Sie un­ter: www.na­bu.de

YSOP ist auch als „Bie­nen­kraut“be­kannt. Er be­tört durch sei­ne vio­let­te Far­be und be­son­de­ren Duft.

BIE­NEN be­stäu­ben die Obst­baum­blü­ten und ga­ran­tie­ren da­durch ho­he Er­trä­ge.

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