BGH fin­det Bier nicht „be­kömm­lich“

BGH ver­bie­tet Wer­bung mit ge­sund­heits­be­zo­ge­ner An­ga­be – All­gäu­er Braue­rei muss Eti­ket­ten än­dern

Meller Kreisblatt - - VORDERSEITE -

KARLS­RU­HE. Braue­rei­en dür­fen für ih­re Bie­re mit ei­ner Viel­zahl von Ei­gen­schaf­ten wie et­wa „süf­fig“wer­ben – nicht aber mit „be­kömm­lich“. Dies sei ei­ne „ge­sund­heits­be­zo­ge­ne An­ga­be“, die un­zu­läs­sig sei, ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof.

Schluss­strich im jah­re­lan­gen Bier­streit: Brau­er dür­fen nicht mit „be­kömm­li­chem“Bier wer­ben, hat ges­tern in letz­ter In­stanz der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) in Karls­ru­he ent­schie­den. Der Be­griff sei ei­ne ge­sund­heits­be­zo­ge­ne An­ga­be, die nach EU-Recht für al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke nicht er­laubt sei.

KARLS­RU­HE/LEUT­KIRCH. Seit Jah­ren schwel­te der Streit um die Bier­wer­bung, nun fiel in letz­ter In­stanz die Ent­schei­dung. Der Ver­band So­zia­ler Wett­be­werb (VSW) aus Ber­lin hat­te 2015 ei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung ge­gen ei­ne klei­ne Braue­rei aus Leut­kirch (Kreis Ra­vens­burg) er­wirkt und die Wer­bung mit dem Be­griff un­ter­sagt. Die Re­vi­si­on von Braue­rei­chef Gott­fried Här­le blieb nun auch vor dem BGH er­folg­los.

Die All­gäu­er Fa­mi­li­en­braue­rei hat­te drei Bie­re mit ei­nem Al­ko­hol­ge­halt zwi­schen 2,9 und 5,1 Pro­zent so be­wor­ben. Auf das Ur­teil re­agier­te Här­le, der das Un­ter­neh­men in vier­ter Ge­ne­ra­ti­on führt, ent­täuscht: „Da­mit geht ein ganz selbst­ver­ständ­li­cher und tra­di­tio­nel­ler Be­griff für die Be­schrei­bung deut­scher Bie­re ver­lo­ren. Nicht nur wir sind da­von be­trof­fen, son­dern die gan­ze deut­sche Brau­wirt­schaft.“Künf­tig muss er sein Bier mit „ge­schmack­voll“oder „süf­fig“be­schrei­ben.

Nach der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung im Jahr 2015 hat­te Här­le das Wort „be­kömm­lich“auf den Eti­ket­ten von rund 30 000 Bier­fla­schen von Hand mit Filz­stift strei­chen las­sen – und zu­gleich in drei In­stan­zen auf sein Recht ge­pocht. „Schon mein Ur­groß­va­ter hat sei­ne Bie­re als be­kömm­lich be­zeich­net“, ar­gu­men­tier­te er. Laut BGH liegt je­doch ei­ne „ge­sund­heits­be­zo­ge­ne An­ga­be“vor, wenn da­mit ei­ne Ver­bes­se­rung des Ge­sund­heits­zu­stands ver­spro­chen und sug­ge­riert wer­de, der Ver­zehr des Le­bens­mit­tels ha­be kei­ne schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen. Nach Fest­stel­lung des Be­ru­fungs­ge­richts wer­de „be­kömm­lich“mit „ge­sund“, „zu­träg­lich“und „leicht ver­dau­lich“ver­bun­den.

Noch im Ja­nu­ar 2011 hat­te der BGH in ei­ner EuGH-Vor­la­ge zum „Gurk­ta­ler Kräu­ter­li­kör“den Be­griff „be­kömm­lich“für zu­läs­sig ge­hal­ten und sich nur an „wohl­tu­end“ge­sto­ßen. Ein Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs zum Pfäl­zer Wein­tor je­doch ver­bot 2012, für „be­kömm­li­chen“Wein un­ter Hin­weis auf den ge­rin­gen Säu­re­ge­halt zu wer­ben. Dies sei ei­ne ge­sund­heits­be­zo­ge­ne An­ga­be, die die Ge­fah­ren des Al­ko­hol­kon­sums ver­schwei­ge.

Bier ist in Deutsch­land das meist­kon­su­mier­te al­ko­ho­li­sche Ge­tränk: 2017 trank je­der Deut­sche im Schnitt 107 Li­ter Bier, mit 162 Li­tern war nur Kaf­fee be­lieb­ter. Laut Fir­men­chef Här­le hat ei­ne Rei­he an­de­rer Braue­rei­en eben­falls mit „be­kömm­li­chem“Bier ge­wor­ben. „Das BGH-Ur­teil ist ei­ne Ent­täu­schung für die gan­ze Brau­wirt­schaft“, sag­te denn auch Mar­tin Schimpf, der Vor­sit­zen­de des Ver­ban­des Pri­va­te Brau­er Ba­denWürt­tem­berg.

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Fo­to: dpa

Mit dem Slo­gan „be­kömm­lich“be­wirbt Gott­fried Här­le, Ge­schäfts­füh­rer der Braue­rei Cle­mens Här­le, Bie­re sei­nes All­gäu­er Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens. Die Ver­wen­dung die­ser Be­zeich­nung hat der Bun­des­ge­richts­hof nun aber un­ter­sagt.

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