We­ni­ger jun­ge Sol­da­ten

Zahl min­der­jäh­ri­ger Re­kru­ten bei der Bun­des­wehr rück­läu­fig

Meller Kreisblatt - - POLITIK - Von Ma­ri­on Trim­born

OS­NA­BRÜCK Erst­mals seit fünf Jah­ren ist die Zahl der min­der­jäh­ri­gen Re­kru­ten in der Bun­des­wehr 2018 wie­der ge­sun­ken. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den 1679 Sol­da­ten ein­ge­stellt, die bei Di­enst­an­tritt noch nicht voll­jäh­rig wa­ren. Das zei­gen Zah­len des Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­lie­gen. Dies wa­ren deut­lich we­ni­ger (mi­nus 20 Pro­zent) als im Re­kord­jahr 2017, als die Trup­pe mit 2128 so vie­le Min­der­jäh­ri­ge wie noch nie aus­ge­bil­det hat­te.

Im ver­gan­ge­nen Jahr be­fan­den sich un­ter den Min­der­jäh­ri­gen nach Mi­nis­te­ri­ums­an­ga­ben 313 Frau­en. Nach dem Ab­sol­vie­ren ih­rer sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit sei­en im ver­gan­ge­nen Jahr 60 Pro­zent der 17-jäh­ri­gen Re­kru­ten voll­jäh­rig ge­we­sen.

Nicht nur die ab­so­lu­te Zahl ging 2018 zu­rück. Auch der pro­zen­tua­le An­teil der Min­der­jäh­ri­gen an den ins­ge­samt 20 012 ein­ge­stell­ten Sol­da­ten sank 2018 im Ver­gleich zum Vor­jahr von 9,1 auf 8,4 Pro­zent. Zum Ver­gleich: 2011, dem Jahr der Aus­set­zung der Wehr­pflicht, hat­te der An­teil nach frü­he- ren Zah­len erst 4,7 Pro­zent be­tra­gen. Grün­de für den Rück­gang im ver­gan­ge­nen Jahr nann­te das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um nicht. Ei­ne Spre­che­rin sag­te: „An der Ein­stel­lungs­pra­xis der Bun­des­wehr hat sich nichts ge­än­dert.“

Vor­ge­setz­te über­for­dert

Nach An­sicht der Lin­ke hat die öf­fent­li­che Kri­tik Wir­kung ge­zeigt. Die Bun­des­wehr wol­le sich nicht lau­fend recht­fer­ti­gen müs­sen. Zu­dem ha­be die Kri­tik si­cher „so man­che Ju­gend­li­che oder de­ren El­tern von der Idee wie­der ab­ge­bracht“, sag­te der kin­der- und ju­gend­po­li­ti­sche Spre­cher der Lin­kenFrak­ti­on, Nor­bert Müller, un­se­rer Re­dak­ti­on. Ein wei­te­rer Grund könn­te sein, dass auch Ar­beit­ge­ber mit ei­nem ähn­li­chen An­for­de­rungs­pro­fil nach­ge­legt hät­ten, wie et­wa die Bun­des­po­li­zei.

Wie aus der Trup­pe ver­lau­te­te, füh­len sich vie­le Vor­ge­setz­te mit der zu­letzt im­mer wei­ter ge­stie­ge­nen Zahl an Min­der­jäh­ri­gen über­for­dert. Denn die Vor­ge­setz­ten müs­sen sich in­ten­siv um die Re­kru­ten küm­mern und in vie­len Fra­gen die Er­laub­nis der El­tern ein­ho­len. Die 17-Jäh­ri- gen sind nicht so ein­setz­bar wie an­de­re Sol­da­ten, sie dür­fen we­der für den Wach­dienst ein­ge­teilt wer­den noch an Aus­lands­ein­sät­zen teil­neh­men und Waf­fen nur zu Aus­bil­dungs­zwe­cken be­nut­zen.

Der Wehr­be­auf­trag­te des Bun­des­ta­ges, Hans-Pe­ter Bar­tels, be­grüß­te die rück­läu­fi­ge Ent­wick­lung und sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Der Trend geht in die rich­ti­ge Rich­tung.“Zu­gleich mahn­te er aber: „Die Ein­stel­lung von Min­der­jäh­ri­gen in der Bun­des­wehr muss die Aus­nah­me blei­ben und darf nicht zur Re­gel wer­den.“

Die Lin­ke for­dert, dass die An­wer­bung von Min­der­jäh­ri­gen un­ver­züg­lich ge­stoppt wird. Müller mahn­te: „In dem Al­ter dür­fen jun­ge Men­schen in der Re­gel we­der wäh­len noch Au­to fah­ren, aber aus­ge­rech­net die mi­li­tä­ri­sche Aus­bil­dung wol­len wir ih­nen er­lau­ben.“Müller sag­te: „Wenn Deutsch­land end­lich glaub­wür­dig den welt­wei­ten Ein­satz von Kin­der­sol­da­ten an­mah­nen möch­te, muss es die Re­kru­tie­rung ei­ge­ner un­ter­bin­den – denn das sind die 17-jäh­ri­gen Re­kru­ten nach in­ter­na­tio­na­ler De­fi­ni­ti­on.“

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