Pfle­ge­kam­mer wei­ter in Kri­tik

Neue Bei­trags­ord­nung: Geg­ner wer­fen Mi­nis­te­rin Igno­ranz vor

Meller Kreisblatt - - NORDWEST - Von Lars Laue

HAN­NO­VER Die An­kün­di­gung der Pfle­ge­kam­mer, ih­re Bei­trags­ord­nung über­ar­bei­ten zu wol­len, lässt den Pro­test un­ter den Pfle­ge­kräf­ten in Nie­der­sach­sen nicht ver­stum­men – ganz im Ge­gen­teil. In ei­nem Brief an So­zi­al­mi­nis­te­rin Ca­ro­la Rei­mann ma­chen die Initia­to­ren der Pe­ti­ti­on „Nein zur Pfle­ge­kam­mer“ih­rem Un­mut dar­über Luft, sie wür­den of­fen­bar be­wusst falsch ver­stan­den. „Uns geht es aus­drück­lich nicht, wie von Ih­nen dar­ge­stellt, vor­wie­gend um die man­gel­haf­te Art der Bei­trags­er­he­bung, son­dern wir for­dern ei­ne Auf­lö­sung be­zie­hungs­wei­se so­for­ti­ge Eva­lua­ti­on der Pfle­ge­kam­mer Nie­der­sach­sen. Un­se­re Pe­ti­ti­on, die nun­mehr über 42 000 Un­ter­stüt­zer ge­fun­den hat – da­von über 38 000 al­lein in Nie­der­sach­sen – weist ganz klar auf un­se­re Kern­for­de­run­gen hin, die Sie je­doch in keins­ter Wei­se zur Kennt­nis ge­nom­men ha­ben. Es wird kei­ner­lei Lö­sung her­bei­ge­führt wer­den kön­nen, so­lan­ge Sie nicht be­reit sind, Ih­re In­ter­pre­ta­ti­on un­se­rer Pe­ti­ti­on den Tat­sa­chen an­zu­glei­chen“, heißt es in ei­nem an die SPD-Po­li­ti­ke­rin ge­rich­te­ten Schrei­ben der Pe­ti­ti­ons-Initia­to­ren, das die­ser Zei­tung vor­liegt.

Sta­pel Pro­tes­te­brie­fe

Zu­dem wei­sen die Un­ter­zeich­ner in ih­rem Brief dar­auf hin, „dass sich in Ih­rem Mi­nis­te­ri­um seit An­fang der Wo­che die Pro­test­brie­fe ge­gen die Pfle­ge­kam­mer in Form von durch­ge­stri­che­nen Ex­amens­ko­pi­en sta­peln“. Al­lein zwi­schen dem 9. und dem 11. Ja­nu­ar sol­len laut den Initia­to­ren „Tau­sen­de sol­cher Brie­fe“im So­zi­al­mi­nis­te­ri­um ein­ge­trof­fen sein.

Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher Uwe Hil­de­brandt ent­geg­net un­ter­des­sen auf Nach­fra­ge, dass die An­zahl der Pro­test­schrei­ben im „un­te­ren drei­stel­li­gen Be­reich“lie­ge. Zur kla­ren For­de­rung nach der Auf­lö­sung der Kam­mer sagt Hil­de­brandt: „Es ist un­strit­tig, dass die Pfle­ge­kräf­te ei­ne star­ke, ge­mein­sa­me Stim­me brau­chen. Die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on der Pfle­ge­kräf­te zeigt, dass es in der Ver­gan­gen­heit kei­ne an­ge­mes­se­ne und wirk­sa­me Ver­tre­tung gab, wie sie an­de­re Be­rufs­grup­pen im Ge­sund­heits­we­sen ha­ben. Pfle­ge­kräf­te sol­len künf­tig auf Au­gen­hö­he und un­ab­hän­gig für ih­re In­ter­es­sen ein­tre­ten kön­nen.“Hil­de­brandt weist zu­dem dar­auf hin, dass das Mi­nis­te­ri­um gera­de in die­sen Ta­gen auch Zu­schrif­ten und An­ru­fe von Men­schen er­hal­te, die sich „mit Nach­druck für die Pfle­ge­kam­mer aus­spre­chen“.

Höchst­satz

Die Pfle­ge­kam­mer ver­tritt 80 000 bis 95 000 Pfle­ge­fach­kräf­te. Vor Weih­nach­ten hat­te die Kam­mer Be­schei­de über 140 Eu­ro fürs hal­be Jahr 2018 an ih­re Zwangs­mit­glie­der ver­schickt, was Jah­res­ein­künf­ten von 70000 Eu­ro und so­mit dem Höchst­satz ent­spricht. Um we­ni­ger zu zah­len, müs­sen Mit­glie­der ihr steu­er­pflich­ti­ges Jah­res­brut­to­ein­kom­men an­ge­ben. Erst dann wird ein neu­er Be­scheid über 0,4 Pro­zent der Jah­res­ein­künf­te er­stellt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.