Die Pfle­ge­kam­mer soll der Pfle­ge ei­ne Stim­me ge­ben

Meller Kreisblatt - - DIALOG - Fo­to: dpa

Zu den Ar­ti­keln „Hef­ti­ge Kri­tik an Pfle­ge­kam­mer – Höchst­bei­trä­ge von al­len Pflicht­mit­glie­dern ver­langt“(Aus­ga­be vom 28. De­zem­ber) und „Pfle­ge­kam­mer räumt Feh­ler ein – Prä­si­den­tin Meh­me­cke will den ent­stan­de­nen Ima­ge­scha­den be­he­ben“(Aus­ga­be vom 8. Ja­nu­ar).

„Das In­ter­view zeigt deut­lich, dass Frau Meh­me­cke nicht ver­stan­den hat, wor­um es den Kam­mer­geg­nern ei­gent­lich geht. Die völ­lig ver­un­glück­te Bei­trags­be­rech­nungs­ak­ti­on war nur der Aus­lö­ser der Em­pö­rung bei den Pfle­ge­kräf­ten.

Wir weh­ren uns aber in ers­ter Li­nie ge­gen die Zwangs­mit­glied­schaft und Zwangs­bei­trä­ge in ei­ner In­sti­tu­ti­on oh­ne wirk­li­chen Nut­zen für die Pfle­ge, de­ren Haupt­auf­ga­be die rei­ne Selbst­ver­wal­tung ist und die da­für jähr­lich Mil­lio­nen­ein­nah­men ver­an­schlagt, fi­nan­ziert von den nicht gera­de gut be­zahl­ten Pfle­ge­kräf­ten. Die Pfle­ge­kam­mer soll der Pfle­ge ei­ne Stim­me ge­ben, die sie bis­her nicht hat­te, aber die­se Auf­ga­be ist ge­setz­lich nicht wei­ter de­fi­niert, son­dern rei­nes Wunsch­den­ken.

Des Wei­te­ren weh­ren wir uns ge­gen die le­ga­le Aus­he­be­lung jeg­li­chen Da­ten­schut­zes für die Pfle­ge­kräf­te, da­mit die Pfle­ge­kam­mer an die Da­ten der Mit­glie­der kommt. Fe­der­füh­rend bei der Er­rich­tung der Kam­mern war der Deut­sche Be­rufs­ver­band für Pfle­ge­be­ru­fe DBfK, al­so die

Or­ga­ni­sa­ti­on, die der Pfle­ge in den letz­ten Jahr­zehn­ten die­se lau­te und durch­set­zungs­fä­hi­ge Stim­me nicht ge­ben konn­te, da sie mit 20 000 Mit­glie­dern bei 1,2 Mil­lio­nen Pfle­ge­kräf­ten recht be­deu­tungs­los war. Und das soll jetzt plötz­lich mit den Zwangs­mit­glied­schaf­ten bes­ser wer­den? 40 000 Un­ter­zeich­ner der Pe­ti­ti­on ,Nein zur Pfle­ge­kam­mer Nie­der­sach­sen‘ spre­chen ei­ne deut­lich an­de­re Spra­che.

Das ist mei­nes Wis­sens ei­ne der größ­ten Mo­bi­li­sie­run­gen von Pfle­ge­kräf­ten in der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik. Viel­leicht liegt es am Miss­trau­en, das die Kam­mer ge­gen­über an­de­ren hat. Die für 98 Pro­zent der Pfle­ge­kräf­te il­lu­so­ri­schen 70 000 Eu­ro Jah­res­ver­dienst hat man ja an­geb­lich nur ge­wählt, da­mit man die Be­zie­her der hö­he­ren Ein­kom­men mit er­fasst. Da trau­te man wohl der fi­nan­zi­el­len Selbst­ein­schät­zung die­ser Ein­kom­mens­grup­pe nicht, oder war es nur ei­ne Dro­hung ge­gen­über den Mit­glie­dern nach dem Mot­to: Ent­we­der schickt ihr uns die Selbst­ein­schät­zung, oder ihr zahlt den Höchst­be­trag?

Mit den Mit­glieds­bei­trä­gen will man un­ab­hän­gig sein von der Po­li­tik, al­so traut man den po­li­ti­schen In­sti­tu­tio­nen auch nicht und zieht des­halb lie­ber Zwangs­bei­trä­ge ein? Die Ar­ro­ganz von Kam­mer­mit­glie­dern und Prä­si­di­um ge­gen­über den Mit­glie­dern zeigt sich un­ter an­de­rem in der in­zwi­schen zu­rück­ge­nom­me­nen Be­zeich­nung als Mob und auf das stän­di­ge Ver­wei­sen auf On­line­pö­be­lei­en, wie sie in den so­zia­len Me­di­en lei­der nun mal vor­kom­men und die wir als Kam­mer­geg­ner und ver­ant­wor­tungs­vol­le Pfle­ge­kräf­te deut­lich miss­bil­li­gen. [...]“

Klaus Krau­se Fürs­ten­au

„Wo ei­gent­lich nimmt die Pfle­ge­kam­mer die­se hor­ren­de jähr­li­che Ein­kom­mens­sum­me (70 000 Eu­ro) für die ak­ti­ven Pfle­ge­kräf­te her? Da stöhnt die ge­sam­te In­nung be­rech­tigt über zu we­nig Lohn und Ge­halt, und dann sol­len plötz­lich sol­che Ein­künf­te er­zielt wer­den? Schön wär’s – ich wür­de je­der ein­zel­nen ak­ti­ven Pfle­ge­kraft die­ses Ein­kom­men wün­schen. Das ha­be ich noch nicht ein­mal als ehe­ma­li­ge Pfle­ge­dienst­lei­tung im öf­fent­li­chen Di­enst im am­bu­lan­ten Be­reich ver­dient und wohl auch nie er­rei­chen kön­nen.

Die­ses Kon­strukt der Pfle­ge­kam­mer soll­te wohl noch mal ganz neu über­dacht wer­den und be­son­ders bei der Ein­stu­fung der Mit­glieds­bei­trä­ge soll­te sie vor al­lem die Kir­che im Dorf las­sen, die meis­ten Pfle­gen­den ver­die­nen schon lei­der we­nig ge­nug und sol­len ein ver­mut­lich auf­ge­bla­se­nes In­tru­ment für was auch im­mer auch noch fi­nan­zi­ell sta­bi­li­sie­ren?“

Gi­se­la Kamp Braun­schweig

Die meis­ten Pfle­gen­den ver­die­nen lei­der zu we­nig, meint ei­ne Le­se­rin.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.