Wie lan­ge noch?

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von Kat­ha­ri­na Rit­zer k.rit­zer@noz.de

Man muss we­der Po­li­zist noch Ju­rist sein, um in die­sem Fall zwei und zwei zu­sam­men­zu­zäh­len: Mos­kau hat­te das Mo­tiv, die Mit­tel und die Macht, um Ser­gej Skri­pal und sei­ne Toch­ter mit dem Ner­ven­gift No­wit­schok aus ei­ge­ner Pro­duk­ti­on zu at­ta­ckie­ren. Dar­über dis­ku­tie­ren zu wol­len ist ge­nau­so sinn­voll wie ei­ne De­bat­te über rus­si­sches Staats­do­ping im Sport. Staats­do­ping und Staats­ter­ro­ris­mus sind im Staa­te Pu­tin Po­li­tik mit an­de­ren Mit­teln.

Bleibt die Fra­ge nach der Re­ak­ti­on des Wes­tens. Die soll­te Pu­tin rich­tig weh­tun, al­so fal­len Ak­tio­nen wie das Ein­be­stel­len von Bot­schaf­tern oder das Ver­fas­sen wei­te­rer Pro­test­schrei­ben aus. Wenn aber dem obers­ten Rus­sen der Sport als Image­trä­ger of­fen­bar wich­tig ge­nug ist für Staats­do­ping, dann wür­de ihm ein Boy­kott der WM durch die „Th­ree Li­ons“wirk­lich weh­tun. Und weil die rus­si­sche Ag­gres­si­on je­des west­li­che Land auf des­sen Staats­ge­biet oder im In­ter­net ge­nau­so tref­fen kann, wä­re ein Boy­kott durch wei­te­re Na­tio­nal­mann­schaf­ten die lo­gi­sche Fol­ge.

Na­tür­lich kön­nen die Ki­cker nichts da­für, und na­tür­lich trifft es mit den vie­len Mil­lio­nen Fans die Fal­schen, und na­tür­lich ha­ben die Olym­pia-Boy­kotts 1980 in Mos­kau und 1984 in Los An­ge­les auch nicht viel ge­bracht. Aber wie lan­ge will der Wes­ten sich denn noch be­dro­hen, be­lü­gen und be­trü­gen las­sen?

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