„Ge­bühr für Obst­tü­ten ist Sym­bol­po­li­tik“

Um­welt­schüt­zer kri­ti­sie­ren Al­di

Meppener Tagespost - - Vorderseit­e - Von Ni­na Kall­mei­er und Ma­ri­on Trim­born

OS­NA­BRÜCK/BERLIN Auch wenn Ver­brau­cher im Su­per­markt im­mer sel­te­ner zu klas­si­schen Plas­tik­tü­ten grei­fen, ver­wen­det je­der Deut­sche im Schnitt noch 37 dün­ne Plas­tik­beu­tel für Obst und Ge­mü­se pro Jahr. Die An­kün­di­gung des Dis­coun­ters Al­di, die­sen Ver­brauch mit ei­ner Ge­bühr wei­ter sen­ken zu wol­len, hat aber trotz­dem nicht bei al­len Ex­per­ten Bei­fall aus­ge­löst.

Al­di hat­te er­klärt, künf­tig ei­nen Cent pro „Hemd­chen­beu­tel“zu ver­lan­gen – ana­log zu den di­cke­ren Plas­tik­tü­ten, die die Kun­den meist be­zah­len müs­sen. Der Beu­tel soll zu­dem aus nach­wach­sen­den Roh­stof­fen her­ge­stellt wer­den. Der Kon­zern sprach ges­tern von ei­ner Vor­rei­ter­rol­le im deut­schen Ein­zel­han­del. Al­ler­dings hat die Su­per­markt-Ket­te Re­al be­reits an­ge­kün­digt, bis En­de 2020 die Plas­tik­beu­tel an der Ob­stund Ge­müs­ethe­ke kom­plett ab­zu­schaf­fen.

Den­noch be­grüßt der Han­dels­ver­band Deutsch­land die Ak­ti­on. „Ein Preis für den Kno­ten­beu­tel kann da­zu bei­tra­gen, den Ver­brauch deut­lich zu re­du­zie­ren“, sag­te Kai Falk, HDE-Ge­schäfts­füh­rer für Nach­hal­tig­keit, un­se­rer Re­dak­ti­on.

Bei Um­welt­schüt­zern stieß die Al­di-In­itia­ti­ve je­doch auf er­heb­li­che Vor­be­hal­te. Die Deut­sche Um­welt­hil­fe (DUH) sprach von „rei­ner Sym­bol­po­li­tik“. Vi­ze-Bun­des­ge­schäfts­füh­re­rin Bar­ba­ra Metz kri­ti­sier­te: „Wenn Al­di es ernst meint mit Um­welt­schutz, dann soll­ten die Ein­weg­tüt­chen min­des­tens 22 Cent kos­ten.“Der Na­tur­schutz­bund Deutsch­land (Na­bu) ver­lang­te von Al­di und Co, mehr lo­se Wa­re an­zu­bie­ten. Ge­schäfts­füh­rer Leif Mil­ler sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „So­lan­ge 63 Pro­zent Obst und Ge­mü­se im Su­per­markt vor­ver­packt sind, ist das ei­ne Schein­lö­sung.“

Auch Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) for­der­te den Han­del zu mehr Maß­nah­men auf, um Plas­tik­ver­pa­ckun­gen zu ver­rin­gern. Da­hin geht der Weg, be­stä­tig­te HDE-Ge­schäfts­füh­rer Falk: „Mehr­weg­net­ze, das ,na­tu­ral bran­ding‘ be­stimm­ter Ge­mü­se­sor­ten oder der Weg­fall von Schutz­fo­li­en sor­gen für ein ver­pa­ckungs­är­me­res An­ge­bot.“

Plas­tik­tüt­chen durch Pa­pier­tü­ten zu er­set­zen ist für Na­bu-Ge­schäfts­füh­rer Mil­ler kei­ne Al­ter­na­ti­ve: „Pa­pier­tü­ten ha­ben kei­ne bes­se­re Öko­Bi­lanz als Plas­tik­beu­tel.“Der Na­bu ver­langt ei­ne staat­li­che Ab­ga­be auf al­le Ein­weg­tü­ten un­ab­hän­gig vom Ma­te­ri­al. Ei­ne ech­te Al­ter­na­ti­ve sei­en Mehr­weg­net­ze.

Auch von kon­kur­rie­ren­den Ein­zel­händ­lern kam Kri­tik. Ein Spre­cher von Ede­ka ver­wies ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on dar­auf, dass Al­di durch den 1-Cent-Auf­schlag an den Beu­teln ver­die­ne. Ede­ka set­ze statt­des­sen auf lo­ses Obst und Ge­mü­se so­wie La­ser-Auf­druck: „Al­lein da­durch las­sen sich 50 Ton­nen Plas­tik jähr­lich ein­spa­ren.“Durch Mehr­weg­net­ze sei­en zu­dem bin­nen drei Jah­ren mehr als 100 Mil­lio­nen Beu­tel ein­ge­spart wor­den.

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