Ste­fa­nie Heinz­mann liebt hie­si­gen Hu­mor

Die Schwei­zer Sän­ge­rin Ste­fa­nie Heinz­mann gas­tiert am 30. Au­gust in Pa­pen­burg

Meppener Tagespost - - Vorderseit­e - Von Da­ni­el Gon­za­lez-Tep­per

PA­PEN­BURG Ne­ben Jo­ris wird die Sän­ge­rin Ste­fa­nie Heinz­mann beim Ol­dShi­p­y­ard-Fes­ti­val in Pa­pen­burg auf­tre­ten. Im Interview spricht die Schwei­ze­rin über den nord­deut­schen Hu­mor, ih­re ge­sund­heit­li­chen Pro­ble­me und Kreuz­fahr­ten.

PA­PEN­BURG Zum Old Shi­p­y­ard-Fes­ti­val am 31. Au­gust in Pa­pen­burg wird ne­ben Sän­ger Jo­ris auch Ste­fa­nie Heinz­mann auf der Büh­ne ste­hen. Im Interview spricht die 30-Jäh­ri­ge über Selbst­zwei­fel, die Lie­be, ih­ren Band­schei­ben­vor­fall und ih­re ers­te Kreuz­fahrt.

Sie stam­men aus dem Wal­lis, ei­ner Al­pen­re­gi­on im Sü­den der Schweiz. Droht da nicht ein Kul­tur­schock im fla­chen Emsland? Nein, ich den­ke nicht. Ich bin sehr ger­ne im Nor­den Deutsch­lands und war dort auch schon häu­fi­ger. Ein Schwei­zer wie ich lässt sich dann leicht be­ein­dru­cken von der Re­gi­on. An der Nord­see zum Bei­spiel bin ich oft ge­flasht von der Schön­heit der Na­tur oder den gro­ßen Schif­fen. Ich fin­de bei­de Län­der toll. Ich bin sehr glück­lich, in der Schweiz le­ben zu dür­fen, es ist ein sehr har­mo­ni­sches Land und eben mit mei­ner Fa­mi­lie mit­ten drin. Ich bin aber auch sehr glück­lich, viel in Deutsch­land ar­bei­ten zu dür­fen. Die mu­si­ka­li­schen Gren­zen in der Schweiz sind näm­lich re­la­tiv eng. Mei­ne Band und mein Ma­nage­ment be­ste­hen fast aus­schließ­lich aus Deut­schen. Die Deut­schen ha­ben üb­ri­gens ei­nen sehr viel bes­se­ren Hu­mor als Schwei­zer. Auch die Nord­deut­schen mit ih­rem sau­tro­cke­nen Hu­mor (lacht). Ich lie­be das.

Pa­pen­burg ist be­rühmt für die Mey­er Werft und sei­ne Kreuz­fahrt­schif­fe. Wa­ren Sie schon ein­mal auf so ei­nem Lu­xus­li­ner?

Pri­vat ist das nicht mei­ne be­vor­zug­te Art des Rei­sens. Ich bin aber schon zwei­mal für ei­ne Wo­che mit Udo Lin­den­berg auf ei­ner Kreuz­fahrt ge­we­sen, ein­mal an Afri­ka vor­bei nach Lis­s­a­bon ge­fah­ren und beim zwei­ten Mal an Kroa­ti­en vor­bei nach Grie­chen­land. Das ist schon ab­ge­fah­ren, aber es war ein tol­les Er­leb­nis. Mit mei­ner Band dort zu spie­len – das hat echt Spaß ge­macht. Ein­mal hat­ten wir kras­sen See­gang, das war span­nend (lacht). Aber ich kam gut da­mit klar.

Was er­war­tet die Be­su­cher bei Ih­ren Kon­zer­ten?

Wir spie­len ei­ne Mi­schung

aus al­len Al­ben, wo­bei ich mich auf die Stü­cke aus dem neu­en Al­bum „All we need is lo­ve“am meis­ten freue. Es ist wirk­lich fa­cet­ten­reich ge­wor­den, ei­ne Mi­schung aus ver­schie­de­nen Stil­rich­tun­gen wie Pop, Soul und Funk. Vor al­lem bei Fes­ti­vals ha­be ich Lust auf ho­he Ener­gie, Lust zu tan­zen und mit den Leu­ten ei­ne gu­te Zeit zu ver­brin­gen. Ich hab mei­ne Band da­bei, mit der ich seit in­zwi­schen elf Jah­ren un­ter­wegs bin.

Sie sind in Pa­pen­burg mit Jo­ris auf der Büh­ne. Ken­nen Sie ihn nä­her?

Ich hab ihn schon mehr­mals tref­fen und spre­chen dür­fen. Ich mag ihn un­wahr­schein­lich

ger­ne. Er ist ein un­fass­bar net­ter Kerl und sehr ta­len­tiert. Ich freue mich, mal ei­ne gan­ze Show von ihm se­hen zu dür­fen, weil ich bis­her im­mer nur ein­zel­ne Songs ge­se­hen hab.

Sie ha­ben ei­ne län­ge­re Pau­se ge­macht zwi­schen den bei­den letz­ten Al­ben. Was ha­ben Sie ge­macht in der Zeit?

Tat­säch­lich wa­ren es zwei­mal drei Mo­na­te. Den Rest der Zeit ha­be ich das neue Al­bum ge­macht. In der frei­en Zeit ha­be ich viel nach­ge­dacht, ha­be viel ver­än­dert. Ich war in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren viel un­ter­wegs. Ich ha­be ge­merkt, dass das auf Dau­er nicht funk­tio­nie

ren kann. Selbst­zwei­fel ka­men auf.

Wür­den Sie das als Bur­nout be­zeich­nen?

Nein, das wä­re viel zu weit ge­grif­fen. Wer nicht auf die Si­gna­le des Kör­pers hört, bei dem führt es zu ei­nem Bur­nout. Ich war ein­fach nur mü­de. Ich bin sehr sen­si­bel und hö­re genau auf die Si­gna­le mei­nes Kör­pers und ha­be des­we­gen die Aus­zeit ge­nom­men. Ich brauch­te ein biss­chen Ru­he.

Was hat sich in der Zeit denn ver­än­dert?

Ich bin viel we­ni­ger ängst­lich, ru­hi­ger und ge­las­se­ner, ent­spann­ter. Trotz­dem gibt es manch­mal Pha­sen, in de­nen

fal­le ich wie­der kom­plett in die Hek­tik rein und fin­de es amü­sant, wenn al­te Mus­ter wie­der auf­tau­chen (lacht). Aber ich ha­be sehr viel mehr Ei­gen­ver­ant­wor­tung über­nom­men für mein Le­ben. Ich ha­be mir Ge­dan­ken ge­macht, was wä­re, wenn ich nicht mehr sin­gen wür­de. Da bin ich auf Schrei­ne­rin und Heb­am­me ge­kom­men. Ich lie­be Holz, es riecht schön, fühlt sich toll an und ist wahn­sin­nig viel­sei­tig. Heb­am­me ist mit sehr viel Ver­ant­wor­tung ver­bun­den, ein sehr emo­tio­na­ler Job, der fa­cet­ten­reich ist.

Sind die bei­den Band­schei­ben­vor­fäl­le, die Sie ei­ne Zeit lang ein­ge­schränkt ha­ben, ein Grund, sich Ge­dan­ken über die Zu­kunft zu ma­chen?

Die Vor­fäl­le ha­ben viel mit mir ge­macht. Schmer­zen zu ha­ben ist ein­fach nicht wit­zig. Tat­säch­lich hat­te ich das dann vier Jah­re lang, muss­te ein­mal auch ope­riert wer­den. Die Ärz­te ha­ben mir ge­sagt: Wenn ich noch ein hal­bes Jahr mit der OP ge­war­tet hät­te, dann wä­re ich im Roll­stuhl ge­lan­det. So was macht ei­nem Angst. Letzt­lich bin ich froh über die­se Lek­ti­on

für mei­nen Kör­per. Ich muss auf ihn auf­pas­sen. Ich ver­su­che viel drau­ßen zu sein, ge­he viel spa­zie­ren, ma­che Cross­fit. Ich trin­ke kei­nen Al­ko­hol und er­näh­re mich gesund.

Sie leh­nen, zu­min­dest pri­vat, weit­ge­hend die Nut­zung von So­ci­al Me­dia ab. War­um ist das so?

Ich ha­be ja ein Pro­fil bei Face­book und Ins­ta­gram und ver­su­che, die Ka­nä­le zu füt­tern. Sich mit Leu­ten zu un­ter­hal­ten, die mei­ne Mu­sik mö­gen, das mag ich sehr. Aber ich mer­ke, dass ich nicht drei Posts am Tag ma­chen kann, weil es nicht ehr­lich ist, wenn man es frei­wil­lig macht. Ich hab Freun­de, die ma­chen das ger­ne, ma­chen stän­dig Fo­tos von al­lem und je­dem. Ich mer­ke, dass es bei mir nicht so ist. Wer stän­dig auf der Su­che nach dem bes­ten Mo­tiv ist, ver­gisst da­bei, in dem Mo­ment zu sein und die­sen zu ge­nie­ßen. Ich will, zeit­lich ge­se­hen, auch kein Op­fer so­zia­ler Me­di­en und der Han­dy­nut­zung sein. Die St­un­de oder gar St­un­den, die man bei Face­book oder Ins­ta­gram ver­bringt, ist ein­fach weg, und man hat nichts an­de­res ge­macht, als an­de­re Leu­te an­zu­gu­cken.

Bei ih­rem Kon­zert in Pa­pen­burg wird Ste­fa­nie Heinz­mann auch ih­re Band da­bei ha­ben, mit der sie seit elf Jah­ren zu­sam­men­ar­bei­tet. Fo­to: Swa­ant­je Heh­mann

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