Er­mitt­lun­gen auch ge­gen VW-Be­triebs­rats­chef Os­ter­loh un­ter Un­treue-Ver­dacht

Vor­stän­de der Dax-Kon­zer­ne ver­dien­ten 2018 im Schnitt 52-mal so viel wie An­ge­stell­te

Meppener Tagespost - - Vorderseit­e -

BRAUNSCHWE­IG Die Er­mitt­lun­gen ge­gen ehe­ma­li­ge VW-Vor­stän­de we­gen mut­maß­lich un­recht­mä­ßi­ger Ver­gü­tung von Be­triebs­rä­ten könn­ten auch für Bernd Os­ter­loh un­ge­müt­lich wer­den. Ge­gen den Be­triebs­rats­chef des Au­to­kon­zerns lau­fen ge­son­der­te Er­mitt­lun­gen we­gen des Ver­dachts der Bei­hil­fe zur Un­treue. Das be­stä­tig­te ges­tern die Staats­an­walt­schaft Braunschwe­ig.

Es ge­he aber nicht um ei­nen Vor­teil für Os­ter­loh, son­dern um die Ge­häl­ter an­de­rer Be­triebs­rats­mit­glie­der. Os­ter­loh sol­le „am Zu­stan­de­kom­men der mut­maß­lich un­recht­mä­ßi­gen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen mit­ge­wirkt ha­ben“, hieß es sei­tens der Er­mitt­lungs­be­hör­de. Die Er­mitt­ler prü­fen nach ei­ge­nen An­ga­ben be­reits seit 2016, ob Ma­na­ger Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern zu ho­he Ge­häl­ter ge­neh­migt ha­ben.

Die Tat­sa­che, dass Os­ter­loh auch als Be­schul­dig­ter ge­führt wird, ist laut Be­triebs­rat seit rund ei­nem hal­ben Jahr be­kannt. Os­ter­loh ha­be über sei­nen Ver­tei­di­ger Ak­ten­ein­sicht be­an­tragt und wer­de zu mög­li­chen Vor­wür­fen Stel­lung neh­men, so ein Spre­cher des Kon­zern­be­triebs­ra­tes. Os­ter­loh sei bis­her noch nicht ver­nom­men wor­den. Für ihn ste­he aber fest, dass ihm an kei­ner Stel­le ein Vor­wurf zu ma­chen sei.

FRANKFURT Chef­eta­gen sind fi­nan­zi­ell oft weit ent­fernt von der ein­fa­chen Ar­beits­wirk­lich­keit. 52-mal so viel wie ih­re An­ge­stell­ten kas­sier­ten Vor­stän­de der Dax-Kon­zer­ne im ver­gan­ge­nen Jahr – im Durch­schnitt. Da­mit war das Ge­halts­ge­fäl­le in der ers­ten deut­schen Bör­sen­li­ga eben­so steil wie im Jahr 2017. Das hat die Deut­sche Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz (DSW) ge­mein­sam mit der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen er­rech­net.

Am größ­ten ist der Ab­stand der ges­tern in Frankfurt vor­ge­stell­ten Stu­die zu­fol­ge bei Volks­wa­gen. Bei dem Au­to­bau­er sind die Be­zü­ge der Füh­rungs­eta­ge nach jüngs­ten Zah­len 97-mal hö­her als der durch­schnitt­li­che Per­so­nal­auf­wand pro Mit­ar­bei­ter im Un­ter­neh­men.

Die Auf­sichts­rä­te sei­en ge­for­dert, dar­auf zu ach­ten, dass die Sche­re sich in ei­nem Un­ter­neh­men nicht zu weit öff­ne, mahn­te DSW-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Marc Tüng­ler. Ei­ne De­cke­lung des Wer­tes über al­le Bran­chen hin­weg se­hen Ex­per­ten skep­tisch. „Das wür­de un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen in­di­zie­ren, die mit un­ter­neh­me­ri­scher Rea­li­tät nichts zu tun ha­ben“, warn­te der Münch­ner Wis­sen­schaft­ler Gun­ther Friedl. Un­ter­neh­men könn­ten sich zum Bei­spiel ge­zwun­gen se­hen, Mit­ar­bei­ter in Bil­lig­lohn­län­der zu ver­la­gern.

Im Durch­schnitt kam ein Vor­stands­mit­glied im Deut­schen Ak­ti­en­in­dex – in­klu­si­ve der Kon­zern­chefs – 2018 auf ei­ne Ge­samt­ver­gü­tung von 3,51 Mil­lio­nen Eu­ro. Nach Jah­ren des Wachs­tums ver­rin­gert sich die Sum­me

erst­mals wie­der. Der Rück­gang zum Vor­jahr, in dem so­wohl die Bör­sen bes­ser lie­fen als auch die Ge­win­ne kräf­ti­ger spru­del­ten, be­trug 3,5 Pro­zent. Die Zah­len be­zie­hen sich auf 29 der 30 Dax-Kon­zer­ne.

Mit Wohl­wol­len re­gis­trie­ren die Ak­tio­närs­ver­tre­ter, dass der Teil der Be­zah­lung, der sich am Ak­ti­en­kurs ori­en­tiert, ten­den­zi­ell grö­ßer wird. Er lag den Be­rech­nun­gen zu­fol­ge im Jahr 2018 bei knapp über 30 Pro­zent. Das

Fest­ge­halt macht rund 33 Pro­zent aus. Größ­ter Pos­ten der Ge­samt­ver­gü­tung sind nach wie vor va­ria­ble Bo­ni mit fast 37 Pro­zent. „Gu­te Leis­tung soll gut ver­gü­tet wer­den“, sag­te Tüng­ler. „Wenn es aber schlecht läuft, muss der Vor­stand dies eben­falls im Porte­mon­naie spü­ren. Und das se­hen wir oft noch nicht.“Ge­mes­sen an der durch­schnitt­li­chen Be­zah­lung der Füh­rungs­kräf­te, war VW 2018 Spit­zen­rei­ter im Dax: Bei dem Au­to­bau­er sum­mier­ten sich die Be­zü­ge ei­nes Vor­stands­mit­glieds im Schnitt auf 6,0 Mil­lio­nen Eu­ro.

Dass die Deut­sche-Bank­Vor­stän­de mit durch­schnitt­lich knapp 5,1 Mil­lio­nen Eu­ro auf Rang 3 lan­de­ten, über­rasch­te die Stu­di­en­au­to­ren – schließ­lich be­fin­de sich das In­sti­tut „au­gen­schein­lich nicht auf ei­nem Er­folgs­kurs“. Mit 55,2 Pro­zent stie­gen zu­dem die Vor­stands­be­zü­ge bei Deutsch­lands größ­tem Geld­haus zum Vor­jahr so kräf­tig wie bei kei­nem an­de­ren Kon­zern im Deut­schen Ak­ti­en­in­dex. Ein Jahr zu­vor hat­te der Deut­sche-Bank-Vor­stand auf Bo­ni ver­zich­tet.

Wäh­rend ein ein­fa­ches Vor­stands­mit­glied ei­nes Dax-Kon­zerns im Schnitt auf knapp 3,1 Mil­lio­nen Eu­ro Ver­gü­tung kam, kas­sier­ten die Un­ter­neh­mens­chefs der Stu­die zu­fol­ge im Schnitt gut 5,4 Mil­lio­nen Eu­ro. Spit­zen­ver­die­ner war da­bei er­neut SAP-Chef Bill McDer­mott, der mit 10,8 Mil­lio­nen Eu­ro Ge­samt­ver­gü­tung zum drit­ten Mal die Zehn-Mil­lio­nen­Mar­ke über­schritt. Auf den Plät­zen fol­gen VW-Len­ker Her­bert Diess (rund 7,9 Mio. Eu­ro) und Bernd Sch­ei­fe­le von Hei­del­berg Ce­ment (rund 7,3 Mio. Eu­ro).

Zu den Vor­stands­ver­gü­tun­gen gibt es zahl­rei­che Stu­di­en. We­gen un­ter­schied­li­cher Be­rech­nungs­me­tho­den wei­chen die Er­geb­nis­se teil­wei­se deut­lich von­ein­an­der ab.

Bernd Os­ter­loh Fo­to: dpa

Spit­zen­rei­ter: Bei VW sind die Be­zü­ge der Füh­rungs­eta­ge 97-mal hö­her als der durch­schnitt­li­che Per­so­nal­auf­wand pro Mit­ar­bei­ter. VW-Len­ker Her­bert Diess kas­sier­te laut Stu­die rund 7,9 Mil­lio­nen Eu­ro Ver­gü­tung. Fo­to: dpa/Micha­el Kap­peler

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