Teu­ers­tes Ge­mäl­de der Welt auf Jacht?

Be­fin­det sich Leo­nar­do da Vin­cis Re­kord­ge­mäl­de auf sau­di­scher Lu­xus­jacht?

Meppener Tagespost - - Vorderseit­e - Von Stefan Lüd­de­mann

OS­NA­BRÜCK Nach ei­ner Ver­stei­ge­rung ver­schwand Leo­nar­do da Vin­cis „Sal­va­tor Mun­di“. Auf der Jacht des sau­di­schen Kron­prin­zen soll er jetzt wie­der­ent­deckt wor­den sein – und wä­re so nur noch für ei­ne klei­ne Eli­te zu­gäng­lich.

OS­NA­BRÜCK Wo ist Leo­nar­do da Vin­cis „Sal­va­tor Mun­di“? Das bis­lang teu­ers­te Ge­mäl­de der Welt ver­schwand nach sei­ner Ver­stei­ge­rung im No­vem­ber 2017 aus dem Blick der Öf­fent­lich­keit. Jetzt soll es wie­der auf­ge­taucht sein – auf der „Se­re­ne“, der Lu­xus­jacht des sau­di-ara­bi­schen Kron­prin­zen Mo­ham­med bin Sal­man. Das Bild avan­ciert da­mit end­gül­tig zum My­thos ei­ner glo­bal ver­netz­ten Su­per­kul­tur der ex­trem Rei­chen.

Kunst­händ­ler Ken­ny Schach­ter hat­te die In­for­ma­ti­on über den Ver­bleib des Leo­nar­do da Vin­ci zu­ge­schrie­be­nen, ge­ra­de ein­mal 66 mal 46 Zen­ti­me­ter gro­ßen Ge­mäl­des auf der In­ter­net­sei­te „Art­net.com“pu­bli­ziert.Dem­nach wur­de das Je­sus-Ge­mäl­de in ei­ner nächt­li­chen Ak­ti­on in ein Flug­zeug des mäch­ti­gen Thron­fol­gers und dann zur Jacht ge­bracht. Schach­ter be­ruft sich auf meh­re­re Qu­el­len, dar­un­ter zwei, die am Ver­kauf des Bil­des be­tei­ligt wa­ren. Letz­te Si­cher­heit gibt es aber auch für die­se In­for­ma­tio­nen nicht.

Da­mit scheint das Ge­mäl­de mit der un­si­che­ren Her­kunft zu­nächst ein­mal zur Tro­phäe ei­nes Po­ten­ta­ten ge­wor­den zu sein. Ei­gent­lich soll­te das von ei­nem Un­be­kann­ten für rund 450 Mil­lio­nen US-Dol­lar er­stei­ger­te, auf die Zeit um 1500 da­tier­te Bild im Lou­vre von Abu Dha­bi aus­ge­stellt wer­den. Das „Wall Street Jour­nal“schrieb aber schon 2017, der wah­re Käu­fer sei der sau­di­ara­bi­sche Prinz Ba­der bin Ab­dal­lah ge­we­sen, der das Meis­ter­werk im Auf­trag des Thron­fol­gers Mo­ham­med bin Sal­man er­stan­den ha­be, ei­ne In­for­ma­ti­on, die we­der be­stä­tigt noch de­men­tiert wur­de. Kunst­ex­per­te Schach­ter schrieb nun, der „Sal­va­tor Mun­di“sol­le vor­erst auf der Lu­xus­jacht blei­ben. Das Ge­mäl­de sol­le spä­ter als Ma­gnet für Kul­tur­tou­ris­ten aus al­ler Welt in der sau­di-ara­bi­schen Re­gi­on Al-Ula aus­ge­stellt bei der Auk­ti­on 2017 bei Chris­tie’s New York.

wer­den. Ein Pro­jekt oder doch nur Fin­te?

Einst­wei­len geht der „Sal­va­tor Mun­di“nun mit ei­nem Schiff auf neu­er­li­che Odys­see, das mit sei­nen 134 Me­ter Län­ge auf Platz 13 der Me­ga­jach­ten der Welt ge­führt wird und oben­drein auf den ho­heit­li­chen Na­men „Se­re­ne“ge­tauft ist. Die „Se­re­ne“ver­wan­delt sich mit dem Bild in ein schwim­men­des Spit­zen­mu­se­um und das Bild in den

von My­then um­wo­be­nen Mi­gran­ten ei­ner Kul­tur der Herr­scher und Rei­chen. Das Bild selbst bleibt stän­dig in Be­we­gung. Das macht es un­frei­wil­li­ger­wei­se zum Sym­bol ei­ner glo­bal zir­ku­lie­ren­den Spit­zen­kul­tur, die gleich meh­re­re Su­per­la­ti­ve in sich bün­delt: das Geld, die Pro­mi­nenz, die Ex­klu­si­vi­tät.

Zu die­ser Spit­zen­kul­tur ge­hört üb­ri­gens die Kunst, die auf den 8000 Su­per­jach­ten die­ser Welt über die Mee­re ge­schip­pert wird. Die­ser Markt ist so groß, dass die Cr­ews die­ser Schif­fe so­gar im Um­gang mit Ge­mäl­den und Skulp­tu­ren an Bord ei­gens ge­schult wer­den. Wie das geht, er­klär­te die Lon­do­ner Kunst­his­to­ri­ke­rin Pan­do­ra Ma­ther-Lees dem Kunst­ma­ga­zin „Mo­no­pol“im Interview.

Hat der „Sal­va­tor Mun­di“nun kein an­de­res Schick­sal vor sich, als zum Par­ty­ver­gnü­gen il­lus­trer Gäs­te auf ei­ner Me­ga­jacht her­um­ge­zeigt zu wer­den? Wer ei­nen der ganz we­ni­gen, als echt ver­bürg­ten Leo­nar­dos kau­fen kann, hat An­teil an ei­ner ver­schwin­dend klei­nen Eli­te, ge­ra­de des­halb, weil zu die­ser pre­ziö­sen Hand­voll Ge­mäl­de auch das Bild der Bil­der ge­hört, die un­ver­käuf­li­che „Mo­na Li­sa“aus dem Pa­ri­ser Lou­vre.

Mi­cro­soft-Grün­der Bill Ga­tes, der Leo­nar­dos Co­dex Leices­ter er­warb, ge­hört zu die­ser Eli­te und nun eben der sau­di­sche Kron­prinz. Er hat nun mit dem „Sal­va­tor Mun­di“den Er­lö­ser der Welt selbst in Hän­den, das ver­meint­li­che männ­li­che Ge­gen­stück zur Mo­na Li­sa, ein wahr­haft kö­nig­li­ches Ge­mäl­de, Sym­bol der abend­län­di­schen Kul­tur selbst. Da­bei macht es nichts, dass die Echt­heit die­ses teu­ers­ten Bil­des der Welt wei­ter um­strit­ten ist.

Zu Leo­nar­do da Vin­ci selbst ge­hört der My­thos, der My­thos des Ge­nies al­ler Ge­nies, der My­thos je­nes Künst­lers, des­sen Wer­ke sich wie fort­wir­ken­de Ge­heim­nis­se je­dem deu­ten­den Zu­griff bis heu­te ent­zie­hen. Was sagt uns das Lä­cheln der Mo­na Li­sa? Und wer ist die­se Frau ei­gent­lich? Die Ant­wor­ten, die bis­lang auf die­se Fra­gen ge­ge­ben wur­den, fül­len Bi­b­lio­the­ken. Leo­nar­do hat Schöp­fun­gen für die Ewig­keit hin­ter­las­sen. Wer ei­ne von ih­nen be­sitzt, hält ei­nen Zip­fel der Uns­terb­lich­keit in Hän­den. Wer mag die­ses Glück tei­len? Gu­te Rei­se al­so, Sal­va­tor Mun­di.

Leo­nar­do da Vin­cis „Sal­va­tor Mun­di“ Fo­to: AFP/Tol­ga Ak­men

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.