CDU strei­tet über Kanz­ler­kan­di­da­tur

Merz: Ei­ne völ­lig ir­re Dis­kus­si­on / Für La­schet ist noch nichts ent­schie­den

Meppener Tagespost - - Politik -

BERLIN Trotz par­tei­in­ter­ner War­nung vor Per­so­nal­de­bat­ten strei­tet die CDU über Kanz­ler­kan­di­da­ten. Nicht al­le in der Uni­on hal­ten es für ent­schie­den, dass Par­tei­che­fin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er auch im Kanz­ler­amt die Nach­fol­ge­rin von An­ge­la Mer­kel wer­den soll. Das Uni­ons­De­ba­kel bei der Eu­ro­pa­wahl und der un­ge­schick­te Um­gang mit dem An­ti-CDU-Vi­deo des Youtu­bers Re­zo lie­ßen zu­letzt Zwei­fel an Kramp-Kar­ren­bau­ers Eig­nung wach­sen. Uni­ons­frak­ti­ons­chef Ralph Brink­haus be­zog jetzt den­noch un­ein­ge­schränkt für die 56-Jäh­ri­ge Stel­lung und be­för­der­te da­mit die De­bat­te noch.

Auf die Fra­ge, ob die Par­tei­vor­sit­zen­de schnell ins Ka­bi­nett von Mer­kel wech­seln sol­le, sag­te Brink­haus ges­tern der dpa in Berlin, Kramp-Kar­ren­bau­er ha­be viel zu tun mit der Neu­auf­stel­lung der CDU. „Und sie wird auch un­se­re nächs­te Kanz­ler­kan­di­da­tin sein. In­so­fern ist das ih­re Ent­schei­dung, was der bes­te Weg da­für ist“, füg­te er hin­zu. Auch CDU-Bun­des­vi­ze Vol­ker Bouf­fier er­klär­te, Kramp-Kar­ren­bau­er ha­be „selbst­ver­ständ­lich“das Erst­zu­griffs­recht auf die Kanz­ler­kan­di­da­tur. „Das war im­mer so, und das bleibt auch so“, er­klär­te der hes­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent. „Im Üb­ri­gen wer­den wir al­les Wei­te­re zur ge­ge­be­nen Zeit ent­schei­den.“

Aus Sicht von Ar­min La­schet, eben­falls CDU-Vi­ze­chef, ist da­ge­gen nichts ent­schie­den.

„An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er hat vor­ge­schla­gen, die Kanz­ler­kan­di­da­tur auf dem CDU-Par­tei­tag En­de 2020 zu ent­schei­den. En­de 2020 ist nicht heu­te und nicht jetzt“, hat­te La­schet zu­vor der „Welt am Sonn­tag“ge­sagt. Nach An­sicht von Be­ob­ach­tern un­ter­mau­ert dies, dass Nord­rhein-West­fa­lens Mi­nis­ter­prä­si­dent selbst Am­bi­tio­nen hat, Kanz­ler zu wer­den. „La­schet hat den An­spruch, Po­li­tik zu ge­stal­ten“, hieß es aus Uni­ons­krei­sen. An­de­re CDU-Füh­rungs­kräf­te hal­ten da­ge­gen, dass er in ei­nem sol­chen Fall kaum In­ter­es­se an ei­ner

frü­hen Per­so­nal­dis­kus­si­on ha­ben kön­ne.

Der frü­he­re Uni­ons­frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz hält sich her­aus. „Wir ma­chen hier ei­ne Buch­vor­stel­lung in Köln und re­den nicht über den Kanz­ler­kan­di­da­ten der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu ei­nem Zeit­punkt, wo wir kei­ne Wah­len ha­ben“, sag­te Merz ges­tern bei der Prä­sen­ta­ti­on ei­nes Buchs des Köl­ner SPDPo­li­ti­kers Jo­chen Ott. „Das ist ei­ne völ­lig ir­re Dis­kus­si­on. Punkt.“

Auf die Fra­ge, wie er da­zu ste­he, dass der Uni­ons­kanz­ler­kan­di­dat in ei­ner Ur­wahl

er­mit­telt wer­den könn­te, ant­wor­te­te Merz aber dann doch: „Ich ha­be ei­ne ganz grund­sätz­li­che Mei­nung zum The­ma Mit­glie­der­be­fra­gun­gen, und die ist ziem­lich ne­ga­tiv.“Mit­glie­der­be­fra­gun­gen könn­ten ei­ne Par­tei spal­ten, mein­te Merz. „Was ma­chen Sie denn mit ei­ner Ur­wahl, wenn es nicht zwei Kan­di­da­ten, son­dern drei gibt? Ma­chen Sie dann ei­ne zwei­te Ur­wahl, wenn das Er­geb­nis nicht ein­deu­tig war?“, gab der 63-Jäh­ri­ge zu be­den­ken.

Der Chef des Uni­ons-Wirt­schafts­flü­gels, Carsten Lin­ne­mann (CDU), nann­te die Ur­wahl-De­bat­te

„über­flüs­sig, weil sie zu früh kommt“. Ähn­lich ar­gu­men­tiert auch der par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­rer der Uni­ons­frak­ti­on, Micha­el Gros­se-Brö­mer (CDU). Sol­che Fra­gen stell­ten sich erst dann, wenn neu ge­wählt wer­den müs­se, sag­te Gros­se-Brö­mer auf NDR In­fo. Das se­he er zur­zeit nicht. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on ha­be noch zwei Jah­re die Ver­pflich­tung, „ver­nünf­tig zu re­gie­ren“.

Brink­haus be­ton­te auf die Fra­ge, ob es die Gro­ße Ko­ali­ti­on an­ge­sichts der un­ge­klär­ten Füh­rungs­fra­ge bei der SPD und des an­hal­ten­den Streits in Sach­fra­gen am Jah­res­en­de noch ge­ben wer­de: „Das ist der Plan, dass es die Groko Weih­nach­ten noch gibt.“Der Bun­des­tag sei bis 2021 ge­wählt, eben­so die Kanz­le­rin mit ih­rer Bun­des­re­gie­rung vom Par­la­ment. „Des­we­gen muss es un­ser An­spruch sein, die Groko auch bis 2021 fort­zu­füh­ren.“Schwarz-Rot ha­be et­wa mit der Ver­ab­schie­dung des Mi­gra­ti­ons­pa­kets im Bun­des­tag am Frei­tag ei­ni­ges ge­schafft – und die Ko­ali­ti­on ha­be „auch noch ei­ni­ges vor“.

Im­mer der Rei­he nach! Karikatur: Burk­hard Mohr

Die nächs­te Kanz­le­rin? Nicht al­le un­ter­stüt­zen An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er. Fo­to: dpa

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