Ver­bot von Ho­mo­se­xu­el­len-The­ra­pi­en noch 2019? ANA­LY­SE Ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn drückt aufs Tem­po / Brei­te Zu­stim­mung wohl si­cher

Meppener Tagespost - - Politik -

BERLIN Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will noch in die­sem Jahr die Wei­chen für ein Ver­bot so­ge­nann­ter Kon­ver­si­ons­the­ra­pi­en ge­gen Ho­mo­se­xua­li­tät stel­len. Er wer­de vor der Som­mer­pau­se das Ge­spräch mit dem Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um su­chen, sag­te Spahn ges­tern bei der Vor­stel­lung ei­nes Gut­ach­tens zu dem The­ma. Noch in die­sem Jahr sol­le ein Ge­setz­ent­wurf in die par­la­men­ta­ri­sche Be­ra­tung ge­hen.

Wor­um geht es bei die­sen

The­ra­pi­en? Die so­ge­nann­ten Kon­ver­si­ons­the­ra­pi­en zie­len dar­auf ab, Schwu­le und Les­ben he­te­ro­se­xu­ell zu ma­chen. Die Magnus-Hirsch­feld-Stif­tung geht von rund 1000 Fäl­len jähr­lich in Deutsch­land aus. In den USA lie­gen die Zah­len deut­lich hö­her. Un­ter den Ex­per­ten herrscht ein­hel­lig die Mei­nung, dass Ho­mo­se­xua­li­tät kei­ne Krank­heit ist und ei­ne „Um­po­lung“auch gar nicht mög­lich sei. Die Ve­rän­der­bar­keit der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung von au­ßen sei „wis­sen­schaft­lich be­trach­tet höchst un­wahr­schein­lich“, sag­te Peer Bri­ken bei der Vor­stel­lung des Gut­ach­tens. Viel­mehr ge­be es ein­deu­ti­ge Be­le­ge für die ne­ga­ti­ven Fol­gen sol­cher „The­ra­pi­en“. Des­halb soll­ten sie aus me­di­zi­nisch psy­cho­the­ra­peu­ti­scher Sicht nicht an­ge­wandt wer­den.

Was ist ge­plant? Von den Par­tei­en im Bun­des­tag er­hielt Spahn brei­te Un­ter­stüt­zung. Die von ihm ein­ge­setz­te Kom­mis­si­on ha­be gu­te Lö­sungs­an­sät­ze auf­ge­zeigt, wie ein Ver­bot die­ser The­ra­pi­en ge­re­gelt wer­den kön­ne, sag­te Spahn wei­ter. Er sei klar da­für.

„Denn Ho­mo­se­xua­li­tät ist kei­ne Krank­heit und da­her auch nicht the­ra­pie­be­dürf­tig.“In­fra­ge kom­me ei­ne Ahn­dung als Or­dungs­wid­rig­keit, un­ter Um­stän­den auch ei­ne straf­recht­li­che Ver­fol­gung.

Wie ist die Rechts­la­ge? Der Münch­ner Ju­rist Mar­tin Bur­gi ver­trat die Auf­fas­sung, dass Ver­bots­re­ge­lun­gen ver­fas­sungs­recht­lich durch­aus mög­lich sei­en. Für ein straf­recht­li­ches Ver­bot be­stün­den aber grö­ße­re Hür­den als für die Ein­stu­fung als Ord­nungs­wid­rig­keit. Zwar gel­te in Deutsch­land die Be­rufs­frei­heit. Doch sei­en Ein­schrän­kun­gen zu­läs­sig, wenn et­wa ge­sund­heit­li­che Ge­fah­ren droh­ten. Der Fach­kom­mis­si­on ge­hö­ren un­ter an­de­rem Ex­per­ten für Recht, Ge­sund­heit und Se­xu­al­for­schung an. En­de Au­gust wol­len das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um und die Magnus-Hirsch­feld-Stif­tung ei­nen Ab­schluss­be­richt vor­le­gen.

Wie ste­hen an­de­re Par­tei­en

zu dem Vor­ha­ben? Die SPD drück­te aufs Tem­po. Ih­re Ge­sund­heits­ex­per­tin Hil­de Matt­heis for­der­te Spahn auf, zeit­nah ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor­zu­le­gen. „Wir müs­sen das un­miss­ver­ständ­li­che Si­gnal an al­le Men­schen im me­di­zi­nisch-the­ra­peu­ti­schen und im re­li­giö­sen Be­reich set­zen, dass Ver­su­che, die Se­xua­li­tät von Men­schen um­zu­po­len, be­straft ge­hö­ren.“Ein Ver­bot die­ser The­ra­pi­en in­klu­si­ve der Wer­bung und des An­bie­tens sei ver­fas­sungs­recht­lich mög­lich und kön­ne im Straf­recht ver­an­kert wer­den, er­klär­te Matt­heis. Die Grü­nen be­grüß­ten Spahns In­itia­ti­ve eben­falls, for­der­ten aber wei­ter­ge­hen­de Maß­nah­men. Die Kon­ver­si­ons­the­ra­pi­en dürf­ten auf kei­nen Fall als Leis­tung der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen ab­ge­rech­net wer­den kön­nen, er­klär­te die Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te Ul­le Schauws. Auch von der FDP kam Un­ter­stüt­zung für das Vor­ha­ben. „Kon­ver­si­ons­ver­fah­ren sind ein schwe­rer Ein­griff in die per­sön­li­che Selbst­be­stim­mung. Was kei­ne Krank­heit ist, kann man nicht hei­len“, er­klär­te der Ab­ge­ord­ne­te Jens Bran­den­burg.

Ar­bei­tet an neu­em Ge­setz: Fo­to: AFP Jens Spahn.

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