Hüb­sche Ren­di­ten mit Turn­schu­hen und Le­go-St­ei­nen

Mit un­ge­wöhn­li­chen An­la­gei­de­en lässt sich gu­tes Geld ver­die­nen

Meppener Tagespost - - Einblicke - Von Max Geiß­ler

Spar­buch, Le­bens­ver­si­che­rung und Im­mo­bi­li­en sind die An­la­ge­klas­si­ker der Deut­schen. Wuss­ten Sie aber, dass sich auch mit Turn­schu­hen, Co­mics und Le­go-Bau­sät­zen hüb­sche Ren­di­ten er­zie­len las­sen? Wir stel­len un­ge­wöhn­li­che An­la­gei­de­en vor.

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nea­ker: Mit Turn­schu­hen Geld ver­die­nen? Sel­te­ne Snea­ker sind der Ren­ner un­ter den al­ter­na­ti­ven Geld­an­la­gen. Wer mit­mi­schen will, braucht Glück und In­ter­es­se am The­ma.

Als Josch­ka Fi­scher 1985 als ers­ter grü­ner Um­welt­mi­nis­ter mit wei­ßen Turn­schu­hen zu sei­ner Ve­rei­di­gung im Hes­si­schen Land­tag er­schien, war das ei­ne Sen­sa­ti­on. Heu­te wä­re sei­ne als Pro­vo­ka­ti­on ge­dach­te Ak­ti­on kei­ne Schlag­zei­le wert – Snea­ker sind längst ge­sell­schafts­fä­hig.

Best­prei­se er­zie­len un­ge­tra­ge­ne Schu­he. Vier- bis fünf­stel­li­ge Sum­men sind kei­ne Sel­ten­heit, wie In­ter­net-Auk­tio­nen be­le­gen. Mit et­was Glück kön­nen An­le­ger mär­chen­haf­te Ge­win­ne er­zie­len. Um von größt­mög­li­chen Wert­ge­win­nen zu pro­fi­tie­ren, ver­su­chen ech­te Samm­ler, so­ge­nann­te „Snea­k­er­heads“, bei der Erst­aus­ga­be von li­mi­tier­ten Edi­tio­nen da­bei zu sein. Die Stück­zah­len lie­gen oft nur bei we­ni­gen Hun­dert.

Um ein sol­ches Stück zum Aus­ga­be­preis zu er­gat­tern,

muss man die Web­sites von Her­stel­lern und Händ­lern im Au­ge be­hal­ten. Dort sind so­ge­nann­te Raff­les, al­so Ver­lo­sun­gen, aus­ge­schrie­ben. Er­hält man den Zu­schlag, be­sitzt man das Kauf­recht an ei­nem neu er­schei­nen­den Schuh zum Her­stel­ler­preis. Das al­lein bie­tet zwar noch kei­ne Ga­ran­tie für sat­ten Ge­winn, aber es schafft die Grund­la­ge da­für.

Ein Snea­ker-Ent­wurf in Ko­ope­ra­ti­on mit ei­nem Pro­mi­nen­ten ist emp­feh­lens­wert: Die Yee­zy-Boost-Rei­he von Adi­das, die ge­mein­sam mit dem Rap­per Kanye West ent­steht, ist ein Pa­ra­de-Bei­spiel da­für. Der beim Raff­le im De­zem­ber 2018 zum Preis von 220 Eu­ro auf den Markt ge­kom­me­ne Yee­zy Boost 350 V2 Sta­tic ist heu­te auf der Platt­form stocks.com be­reits mehr als 300 Eu­ro wert.

Snea­ker als An­la­ge­form sind prä­des­ti­niert für Fans. „Ei­ne sol­che Form der Geld­an­la­ge ist für Leu­te in­ter­es­sant, die in den Markt ein­tau­chen und ihn ver­ste­hen wol­len – das gilt für jeg­li­che In­ves­ti­ti­on in Samm­ler­ob­jek­te wie zum Bei­spiel Old­ti­mer, Kunst und

Wein“, fin­det der auf Sach­wer­te spe­zia­li­sier­te In­vest­ment­be­ra­ter Jür­gen Ra­ecke. Wer sich über­haupt nicht für das The­ma Snea­ker in­ter­es­siert, der soll­te sich nach An­sicht Ra­eckes eher nach klas­si­schen For­men der Geld­an­la­ge um­schau­en.

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his­ky: Wah­re Ken­ner trin­ken ih­ren Whis­ky nicht, son­dern las­sen ihn in der Fla­sche – zu­min­dest, wenn sie da­mit Geld ver­die­nen wol­len. Mit dem ed­len Ge­trei­de­brand ist das ver­gleichs­wei­se gut mög­lich, denn er ist ein­fa­cher zu la­gern als Wein, birgt kei­ne Rost­ge­fah­ren wie Old­ti­mer und kos­tet kei­ne Un­sum­men wie Im­mo­bi­li­en. Die Ren­di­ten sind je nach Mar­ke und Ein­kaufs­glück sehr at­trak­tiv.

Al­ler­dings müs­sen sich An­le­ger ge­dul­den, die Prei­se stei­gen nicht über Nacht. Da man nicht im Vor­aus weiß, wel­che Sor­te oder wel­cher Jahr­gang zum Hö­hen­flug an­setzt, soll­te man sich ein brei­tes Whis­kyPort­fo­lio von 50 bis 100 Fla­schen auf­bau­en. Pro­fes­sio­nel­le Samm­ler emp­feh­len den Kauf von je­weils drei Fla­schen: ei­ne zum Ge­nie­ßen, ei­ne zum Sam­meln und ei­ne zum spä­te­ren Tausch oder Ver­kauf. Cle­ve­re Käu­fer ge­hen gleich auf die Su­che nach al­ten La­ger­be­stän­den. Doch um ei­ne ech­te Ra­ri­tät zu fin­den, die auch noch be­zahl­bar ist, braucht man Glück.

Als obers­ter Grund­satz für An­le­ger gilt: Nur Ab­fül­lun­gen mit Ori­gi­naleti­kett kau­fen, die die Bren­ne­rei selbst ab­ge­füllt hat. Nur ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­ba­re Fla­schen sind un­ter Samm­lern be­gehrt. Zwei­ter Grund­satz: Nur li­mi­tier­te Ab­fül­lun­gen kau­fen, kei­ne Mas­sen­wa­re. Be­liebt sind Jah­res­fla­schen und Son­der­ab­fül­lun­gen, et­wa aus der schot­ti­schen Bren­ne­rei Glen­mo­ran­gie. Hier sind 20 bis 30 Pro­zent Preis­stei­ge­rung be­reits nach ei­nem Jahr kei­ne Sel­ten­heit. Ge­nau­so aus­sichts­reich sind Jahr­gangs-Malts der De­stil­len Bro­ra und Kil­ly­loch. Auch Er­st­ab­fül­lun­gen von neu­en Bren­ne­rei­en kön­nen sich loh­nen.

Ge­schätzt un­ter Samm­lern sind so­ge­nann­te ver­lo­re­ne Bren­ne­rei­en. So schloss die De­stil­le Port El­len auf der schot­ti­schen In­sel Is­lay 1983 ih­re Pfor­ten. Bis heu­te wer­den aber im­mer wie­der aus al­ten La­ger­be­stän­den li­mi­tier­te Ab­fül­lun­gen ver­kauft. Ein Ge­heim­tipp sind der­zeit ja­pa­ni­sche Whis­kys.

Um sich ein Bild von den Wert­stei­ge­rungs­mög­lich­kei­ten zu man­chen, ver­fol­gen Samm­ler den Ra­re Whis­ky Apex 100 In­dex. Er ist ei­ne Art Leit­in­dex für die 1000 ge­frag­tes­ten Sing­le-Malt-Scot­chFla­schen welt­weit. In den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten konn­te der In­dex um fast 25 Pro­zent zu­le­gen. In­ter­es­sant ist auch der Vin­ta­ge 50 In­dex, der die 50 äl­tes­ten und sel­tens­ten Sing­le Malt Scotch Whis­kys um­fasst. Die­ser In­dex läuft seit Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich berg­auf.

Loh­nens­wert ist auch das deut­sche Por­tal Whis­ky­ex­perts.net, das mit vie­len Neu­ig­kei­ten und wis­sens­wer­ten In­for­ma­tio­nen auf­war­tet.

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omics: Wer schießt schnel­ler als sein Schat­ten? Na klar, Lu­cky Lu­ke! Und wo liegt En­ten­hau­sen? Na­tür­lich im Reich von Do­nald Duck. Die be­rühm­ten Co­mic-Ge­schich­ten und ih­re Hel­den kennt so gut wie je­der. Aber dass man mit den al­ten Hef­ten auch ziem­lich viel Geld ver­die­nen kann, wis­sen bis­lang nur we­ni­ge An­le­ger.

Für Erst­aus­ga­ben und sel­te­ne Samm­ler­stü­cke wer­den heu­te Mil­lio­nen ge­zahlt – das gilt vor al­lem für ame­ri­ka­ni­sche Pu­bli­ka­tio­nen. So hat bei­spiels­wei­se das ers­te Ori­gi­nal­heft aus der Se­rie „Su­per­man“von 1938 laut Auk­ti­ons­platt­form Ca­ta­wi­ki heu­te ei­nen Wert von mehr als drei Mil­lio­nen US-Dol­lar.

An die US-ame­ri­ka­ni­schen Prei­se kom­men deut­sche Co­mics zwar noch lan­ge nicht her­an, aber auch hier­zu­lan­de ha­ben Samm­ler­stü­cke ih­ren Wert. So wird der Wert der deut­schen Erst­aus­ga­be von „Mi­cky Maus“in­zwi­schen auf gut 12 000 Eu­ro ge­schätzt. Auf der In­ter­net-Auk­ti­ons­sei­te der­samm­ler.eu be­fin­den sich ak­tu­ell ei­ne Ori­gi­nal­zeich­nung von „Tim und Strup­pi“aus dem Jahr 1938 für 8000 Eu­ro im An­ge­bot.

Wie ra­sant die Wert­stei­ge­run­gen sein kön­nen, ver­an­schau­licht das Bei­spiel des Co­mics „Bes­sy“aus dem Bas­teiVer­lag. Zahl­ten Samm­ler für die Ge­samt­aus­ga­be (992 Hef­te) im Jahr 1984 um­ge­rech­net noch gut 700 Eu­ro, so wer­den ak­tu­ell auf der Auk­ti­ons­platt­form co­mi­c­gui­de.de mehr als 13000 Eu­ro da­für auf­ge­ru­fen.

Höchst­prei­se er­zie­len nur Top-Ex­em­pla­re oh­ne Ab­nut­zungs­er­schei­nun­gen. Im Ide­al­fall sind die Co­mics ori­gi­nal­ver­packt. Da die Hef­te meist viel ge­le­sen wer­den, sind gut er­hal­te­ne Ex­em­pla­re eher sel­ten. Ana­log zu Im­mo­bi­li­en, wo die De­vi­se lau­tet: La­ge, La­ge, La­ge, heißt es bei Co­mics: Zu­stand, Zu­stand, Zu­stand! Bes­ser ist es, im La­den oder auf ei­nem Floh­markt zu kau­fen als im In­ter­net. Dann kann das gu­te Stück per­sön­lich be­gut­ach­tet wer­den.

Ei­ne wei­te­re Vor­aus­set­zung für klin­gen­de Mün­ze ist Po­pu­la­ri­tät. Co­mics müs­sen die Mas­sen be­geis­tern. Das ge­lingt aber nur we­ni­gen Se­ri­en. Bleibt das In­ter­es­se der Mas­sen aus, wird sich auch die edels­te Erst­aus­ga­be nicht zum Ver­kaufs­schla­ger ent­wi­ckeln. Co­mic-Fans und An­le­ger soll­ten aber op­ti­mis­tisch sein und bei neu­en Se­ri­en ein paar Eu­ro in die ers­ten Aus­ga­ben in­ves­tie­ren. Viel­leicht spielt die Zeit ja für sie.

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ego: Auch Kin­der­spiel­zeug wie Le­go hat ho­hes Wert­stei­ge­rungs­po­ten­zi­al. Wer noch al­te Bau­sät­ze vom Eif­fel­turm oder von Star Wars be­sitzt, der soll­te gut auf­pas­sen, dass er kei­nen St­ein ver­liert. Denn sol­che Ob­jek­te er­zie­len Top-Prei­se. So wech­sel­te der Ori­gi­nal-„Mill­en­ni­um Fal­con“aus der StarWars-Se­rie 2007 für den stol­zen Preis von 4700 Eu­ro den Be­sit­zer – mehr als das Zehn­fa­che des ur­sprüng­li­chen Ver­kaufs­prei­ses von 450 Eu­ro.

Sind die Bau­sät­ze nicht mehr voll­zäh­lig, win­ken trotz­dem hüb­sche Ren­di­ten. Denn auch die Ein­zel­stü­cke sind be­gehrt, al­len vor­an be­lieb­te Se­ri­en-Fi­gu­ren. Ei­ne der ge­frag­tes­ten ist der Kopf­geld­jä­ger Bo­ba Fett aus der Star-War­sSe­rie. Das Ori­gi­nal-Männ­chen ist heu­te bis zu 200 Eu­ro wert. Im Schnitt er­zie­len die bun­ten St­ei­ne ei­ne Ren­di­te von elf Pro­zent pro Jahr.

Je­des Le­go-Set ist ein­zig­ar­tig und hat ei­ne fest­ge­leg­te Auf­la­ge. So­bald es nicht mehr pro­du­ziert wird, steigt der Preis. Wich­tig ist es, nur li­mi­tier­te, sai­so­na­le oder event­be­zo­ge­ne Sets kau­fen. Die­se sind nur kur­ze Zeit auf dem Markt und schnell ver­grif­fen. Bei Ge­braucht­kauf soll­te man nur un­be­nutz­te oder ori­gi­nal­ver­pack­te Bau­sät­ze er­wer­ben. Sinn­voll ist es, sich über mög­li­che Ren­di­te­brin­ger zu in­for­mie­ren. Be­son­ders auf­schluss­reich ist die An­le­gerSei­te brick­pi­cker.com.

Ei­ne Ga­ran­tie, dass die Prei­se stets auf­wärts ten­die­ren, gibt es nicht. Wer­den Sets neu auf­ge­legt, sinkt in al­ler Re­gel der Preis für die Erst­aus­ga­be. Ein Man­ko ha­ben Le­go-St­ei­ne und Gold ge­mein­sam: Sie zah­len kei­ne Zin­sen. Zu­dem ist es um die Li­qui­di­tät des Baustein-Ka­pi­tals nicht bes­tens be­stellt, denn ein ge­winn­brin­gen­der Ver­kauf geht sel­ten über Nacht.

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on­sai: Dass An­le­ger auch mit Zim­mer­pflan­zen gro­ßes Geld ma­chen kön­nen, dürf­te vie­len neu sein. Für kunst­voll ge­schnit­te­ne Bon­sai-Bäu­me zah­len Lieb­ha­ber im­mer­hin fünf­stel­li­ge Sum­men.

Oh­ne Lie­be und Ge­duld geht es al­ler­dings nicht. Bon­sai-Bäu­me wol­len das gan­ze Jahr über ge­hegt und ge­pflegt sein. Lai­en emp­fiehlt sich ein Bon­sai-Kurs zum Ein­stieg, um sich mit der Ma­te­rie ver­traut zu ma­chen. Mehr­stün­di­ge Kur­se fin­den sich bei spe­zia­li­sier­ten Bon­sai­händ­lern ab 60 Eu­ro auf­wärts.

Gu­tes Baum­ma­te­ri­al er­hal­ten Züch­ter bei aus­ge­wie­se­nen Fach­händ­lern. Für so­li­de und nicht all­zu jun­ge Bon­saiBäu­me mit Wert­stei­ge­rungs­po­ten­zi­al soll­te man ei­ne drei­stel­li­ge Sum­me ein­pla­nen.

Wich­tig: Ein Baum muss für den ge­plan­ten Stand­ort ge­eig­net sein. Als Zim­mer­bon­sai emp­feh­len sich Car­mo­na, Chi­ne­si­sche Ul­me oder Fi­cus Bon­sai. Für die Pfle­ge im Frei­en be­nö­ti­get man win­ter­har­te Ul­men, Wa­chol­der oder Fä­cher­ahorn.

Der Wert ei­nes Bon­sai­baums hängt vor al­lem von des­sen Al­ter und Form ab. Zu­dem be­ein­flus­sen die Baum­art und die Pflanz­scha­le den Preis. Sel­te­ne oder schwie­rig zu zie­hen­de Mi­ni­bäu­me ein­ge­bet­tet in teu­re ja­pa­ni­sche oder chi­ne­si­sche Pflanz­scha­len kön­nen den Preis in die Hö­he trei­ben. Die teu­ers­ten Bon­saibäu­me gibt es in Ja­pan. Auf ei­ner Auk­ti­on in Ta­k­a­matsu wur­de ei­ne jahr­hun­der­te­al­te Kie­fer für 1,3 Mil­lio­nen Dol­lar ver­kauft.

Die Bon­sai-Deutsch­lan­dA­gen­tur macht die­se Rech­nung auf: Bei ei­ner In­ves­ti­ti­on von 2500 Eu­ro, auf­ge­teilt auf fünf Bon­sai-Pflan­zen, und ge­schätz­ten Pfle­ge­kos­ten von 9800 Eu­ro er­zie­len An­le­ger beim Ver­kauf nach 35 Jah­ren un­term Strich ei­nen Ge­winn von knapp 30 000 Eu­ro. Dies ent­spricht ei­ner durch­schnitt­li­chen Wert­stei­ge­rung von mehr als 1100 Pro­zent.

Grafik: Co­lour­box.de/NOZ

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