Fast je­des zehn­te Kind muss ar­bei­ten

Unicef pran­gert Aus­beu­tung an / Mer­kel: Noch wahn­sin­nig viel zu tun

Meppener Tagespost - - Politik -

KÖLN/GENF Welt­weit müs­sen 152 Mil­lio­nen Mäd­chen und Jun­gen ar­bei­ten, um zum Über­le­ben ih­rer Fa­mi­li­en bei­zu­tra­gen. Da­mit ist fast je­des zehn­te Kind von Kin­der­ar­beit be­trof­fen, wie Unicef aus An­lass des Welt­tags ge­gen Kin­der­ar­beit an die­sem Mitt­woch mit­teil­te. Fast die Hälf­te der be­trof­fe­nen Kin­der (73 Mil­lio­nen) lei­de un­ter ge­fähr­li­chen oder aus­beu­te­ri­schen Ar­beits­be­din­gun­gen.

Das UN-Kin­der­hilfs­werk rief Re­gie­run­gen, aber auch Un­ter­neh­men und die Zi­vil­ge­sell­schaft da­zu auf, die Ur­sa­chen von Kin­der­ar­beit stär­ker zu be­kämp­fen. Zwar sei die Zahl der ar­bei­ten­den Kin­der in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten stark ge­sun­ken, er­klär­te Unicef: Wäh­rend im Jahr 2000 noch 246 Mil­lio­nen Kin­der welt­weit ar­bei­ten muss­ten, wa­ren es im Jahr 2016 noch 152 Mil­lio­nen. Doch der Rück­gang sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren lang­sa­mer ge­wor­den, be­klag­te das Kin­der­hilfs­werk. Beim ak­tu­el­len Tem­po wür­den auch im Jahr 2025 noch 121 Mil­lio­nen Mäd­chen und Jun­gen von Kin­der­ar­beit be­trof­fen sein.

Fast al­le Staa­ten der Welt ha­ben sich im Rah­men der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lungs­zie­le der Agen­da 2030 ver­pflich­tet, al­le For­men der Kin­der­ar­beit bis 2025 voll­stän­dig ab­zu­schaf­fen. „Es reicht aber nicht, Kin­der­ar­beit zu ver­ur­tei­len und zu ver­bie­ten“, sag­te Chris­ti­an Schnei­der, Ge­schäfts­füh­rer von Unicef Deutsch­land. „In Bil­dung in­ves­tie­ren“

„Um Kin­der wirk­sam vor Aus­beu­tung zu schüt­zen, müs­sen sich die Le­bens­be­din­gun­gen der be­trof­fe­nen Kin­der än­dern.“Nö­tig sei­en mehr In­ves­ti­tio­nen in Bil­dung, aber auch in fai­re Ar­beits­mög­lich­kei­ten für El­tern so­wie Ge­sund­heits- und so­zia­le Si­che­rungs­sys­te­me. „Ne­ben den Re­gie­run­gen tra­gen des­halb auch Un­ter­neh­men ei­ne gro­ße ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung, die über ein strik­tes Ver­bot von Kin­der­ar­beit in ih­rer glo­ba­len Lie­fer­ket­te weit hin­aus­geht“, be­ton­te Schnei­der. Auch der Vor­stands­spre­cher des Kin­der­hilfs­werks terre des hom­mes (tdh), Al­bert Reck­na­gel, for­der­te glo­bal ver­bind­li­che Re­ge­lun­gen für die Wirt­schaft, „da­mit Un­ter­neh­men in ih­ren Lie­fer­ket­ten kei­ne Kin­der mehr aus­beu­ten kön­nen und den Fa­mi­li­en exis­tenz­si­chern­de Löh­ne ge­zahlt und fai­re Ar­beits­be­din­gun­gen zu­ge­stan­den wer­den“.

Reck­na­gel for­der­te zu­dem die Bun­des­re­gie­rung auf, das Aus­maß aus­beu­te­ri­scher Kin­der­ar­beit in Deutsch­land zu un­ter­su­chen. Bis­her sei­en Ein­zel­fäl­le be­kannt, es ge­ben aber kei­nen Über­blick., sag­te der tdh-Vor­stand.

Auch Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) er­in­ner­te ges­tern an die Mil­lio­nen Jun­gen und Mäd­chen, die Kin­der­ar­beit leis­ten müss­ten. Es ge­be noch „wahn­sin­nig viel zu tun“, sag­te Mer­kel in Genf. Sie warb zugleich für welt­wei­te so­zia­le Ge­rech­tig­keit. „Die Wirt­schaft hat den Men­schen zu die­nen und nicht um­ge­kehrt“, sag­te Mer­kel. Die Aus­sa­ge sei zen­tral für die Glo­ba­li­sie­rung. Not­wen­dig sei ein ver­stärk­ter glo­ba­ler Ein­satz für men­schen­wür­di­ge Ar­beit.

Mer­kels Ap­pell

Mer­kel sprach bei der Fei­er zum 100-jäh­ri­gen Be­ste­hen der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO). Die ILO wur­de 1919 ge­grün­det, um bes­se­re Be­din­gun­gen für die Be­schäf­tig­ten län­der­über­grei­fend fest­zu­le­gen. Die Kanz­le­rin for­der­te auch, die Stel­lung von Frau­en zu stär­ken. Be­son­ders in den Ent­wick­lungs­län­dern müs­se de­ren be­ruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on vor­an­ge­trie­ben wer­den. Sie for­der­te al­le Län­der auf, die so­ge­nann­ten Ker­nar­beits­nor­men der ILO zu ra­ti­fi­zie­ren und um­zu­set­zen. Die­se Nor­men ha­ben uni­ver­sel­len Cha­rak­ter und re­geln et­wa die Ab­schaf­fung der Zwangs­ar­beit.

Mer­kel warb au­ßer­dem für en­ge wirt­schafts- und so­zi­al­po­li­ti­sche Zu­sam­men­ar­beit. Ne­ben der Ko­ope­ra­ti­on in der ILO hob sie die Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on, die Grup­pe der füh­ren­den Wirt­schafts­mäch­te G 20 und die EU her­vor.

Fo­to: dpa/Tan­moy Bha­du­ri

Schlep­pen statt spie­len: Kin­der in ei­ner Zie­gel­stein­fa­brik in der in­di­schen Me­tro­po­le Kal­kut­ta.

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