Pa­ket ge­gen zu viel Bü­ro­kra­tie

Wirt­schafts­mi­nis­ter Al­t­hus­mann setzt auf kür­ze­re Be­ar­bei­tungs­zei­ten und mehr Ser­vice

Meppener Tagespost - - Nordwest - Von Lars Laue

HANNOVER Nie­der­sach­sens Wirt­schafts­mi­nis­ter Bernd Al­t­hus­mann (CDU) hat in sei­nem Haus ein di­ckes Pa­ket schnü­ren las­sen, um bü­ro­kra­ti­sche Hür­den ab­zu­bau­en. „Wir müs­sen vor­an­ge­hen und den Fin­ger in die Wun­de le­gen, sonst än­dert sich nichts“, ver­tei­dig­te der auch für Di­gi­ta­li­sie­rung zu­stän­di­ge Mi­nis­ter, dass die Vor­schlä­ge aus sei­nem Mi­nis­te­ri­um bei­spiels­wei­se noch nicht mit dem SPD-ge­führ­ten Bau­mi­nis­te­ri­um von Olaf Lies ab­ge­stimmt sei­en.

Ganz kon­kret schlägt Al­t­hus­mann für das Bau­recht vor, den Be­hör­den Fris­ten zu set­zen. „Für die Bau­be­hör­den exis­tie­ren kei­ne zeit­li­chen Höchst­gren­zen für die Be­ar­bei­tung von Bau­ge­neh­mi­gun­gen. Bau­her­ren ha­ben da­durch kei­ne Pla­nungs­si­cher­heit. Sie wis­sen nicht, wie lan­ge das Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren dau­ern wird“, be­klagt Al­t­hus­mann und fragt: „Wie soll ein Ge­wer­be­trei­ben­der so Per­so­nal­ein­stel­lun­gen, Wa­ren­ak­qui­se und Ähn­li­ches pla­nen?“Das Bau­mi­nis­te­ri­um re­agier­te un­ter­des­sen zu­nächst ver­hal­ten auf den Vor­schlag ei­ner zeit­li­chen Be­fris­tung.

Al­t­hus­mann aber lässt sich nicht brem­sen: Nicht sel­ten er­reich­ten sein Mi­nis­te­ri­um Be­rich­te, wo­nach Be­hör­den al­le acht Wo­chen neue Nach­wei­se an­for­der­ten. Das Ver­fah­ren ver­län­ge­re sich von Mo­nat zu Mo­nat. Teil­wei­se dau­er­ten die Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren mehr als ein Jahr. „Da muss es ein Um­den­ken ge­ben“, fin­det der Mi­nis­ter und regt an: „Die Be­hör­den soll­ten ak­tiv auf die An­trag­stel­ler zu­ge­hen, sie bei ih­ren Vor­ha­ben un­ter­stüt­zen und ih­nen sa­gen, wel­che Un­ter­la­gen noch be­nö­tigt wer­den.“Im Bau­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren will der Mi­nis­ter für Be­hör­den Be­ar­bei­tungs- und An­for­de­rungs­fris­ten von drei Mo­na­ten ein­füh­ren. Hält die Be­hör­de die Frist nicht ein, gilt der An­trag als ge­neh­migt.

Auch schlägt Al­t­hus­mann vor, künf­tig et­wa beim Bau von Gar­ten­häu­sern groß­zü­gi­ger zu sein. Braucht man ak­tu­ell bis zu ei­ner Grö­ße von 40 Qua­drat­me­tern für ei­nen sol­chen „Kel­ler­er­satz“kei­ne Bau­ge­neh­mi­gung, will Al­t­hus­mann die Grö­ße von Bau­ten oh­ne Ge­neh­mi­gungs­pflicht auf 60 bis 70 Qua­drat­me­ter an­he­ben. Das be­deu­te auch ei­ne enor­me Ent­las­tung für die Bau­äm­ter.

Al­t­hus­mann, der auch für die Di­gi­ta­li­sie­rung zu­stän­dig ist, setzt über­dies nicht nur auf mehr Ser­vice und mehr Tem­po in den Be­hör­den­stu­ben, son­dern auch auf we­ni­ger Pa­pier und spricht von der „Di­gi­ta­li­sie­rung der Bau­ver­fah­ren und der Bau­ord­nungs­äm­ter“.

So sei es ein Un­ding, dass Bau­äm­ter nicht di­gi­tal auf Grund­buch­aus­zü­ge zu­grei

fen könn­ten. „In ei­ner Welt, in der der Fin­ger­ab­druck für den Per­so­nal­aus­weis di­gi­tal ein­ge­le­sen wird, wir on­line Fil­me strea­men und mit dem Han­dy bar­geld­los zah­len kön­nen, muss ein Bau­herr zum Grund­buch­amt ge­hen, um sich ei­ne Ko­pie des Grund­buch­aus­zu­ges in Pa­pier­form zu be­sor­gen. Die­ser Aus­druck ist dem Bau­an­trag bei­zu­fü­gen. Bei grö­ße­ren Bau­vor­ha­ben müs­sen teil­wei­se um­fang­rei­che Bau­plä­ne ord­ner­wei­se in mehr­fa­cher Aus­fer­ti­gung ein­ge­reicht

wer­den“, be­klagt der Mi­nis­ter, der künf­tig auch För­der­pro­gram­me di­gi­tal ab­wi­ckeln möch­te und die Ein­rich­tung ei­ner un­ab­hän­gi­gen „Clea­ring­stel­le“für den Mit­tel­stand plant.

Hier sol­len mög­lichst schon ab Herbst neue Ge­set­ze, Ver­ord­nun­gen und an­de­re recht­li­che Re­ge­lun­gen auf bü­ro­kra­ti­sche Las­ten für klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men un­ter­sucht wer­den. Im Ver­fah­ren bin­de die Schieds­stel­le be­trof­fe­ne Ver­bän­de und Kam­mern ein.

We­ni­ger Hür­den für Ver­brau­cher und Be­hör­den: Al­t­hus­mann sagt der Bü­ro­kra­tie den Kampf an. Fo­to: dpa/Patrick Pleul

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.