Spiel mit Rea­li­tä­ten Ha­ru­ki-Mu­ra­ka­mi-Ver­fil­mung „Burning“

Meppener Tagespost - - Film - Von To­bi­as Sun­der­diek

OS­NA­BRÜCK Pa­ju na­he Seo­ul ist ei­ne in ih­rer Ba­na­li­tät eher tris­te Ge­gend. Aus der Fer­ne plärrt nord­ko­rea­ni­sche Pro­pa­gan­da aus Laut­spre­chern, Ge­wächs­häu­ser aus wei­ßem Plas­tik ste­hen auf den Fel­dern. Der jun­ge Col­le­ge-Ab­sol­vent Jong-su (Yoo Ah-in) lebt hier ein eher ziel­lo­ses Le­ben, al­lein auf dem Hof sei­nes im Ge­fäng­nis ein­sit­zen­den Va­ters.

Ei­nes Ta­ges trifft er je­doch Ha­e­mi (Jeong Jong-seo) wie­der, ein Nach­bars­mäd­chen von frü­her. Er ver­liebt sich in sie. Als das Mäd­chen aber nach ei­ner Ke­nia-Rei­se mit dem rei­chen und smar­ten Ben (Ste­ven Yeun) auf­taucht, än­dert sich al­les. Ben scheint mit Ha­e­mi zu­sam­men zu sein. Bis Ha­e­mi ei­nes Ta­ges spur­los ver­schwin­det. Wel­che Rol­le spielt Ben da­bei? Yoo Ah-in als Jong-su. Be­ses­sen ver­folgt Jong-su von nun an den Kon­kur­ren­ten. Am En­de es­ka­lie­ren die auf­ge­stau­ten Ge­füh­le Jong­sus in ei­ner Ka­ta­stro­phe.

Ob­wohl Plot und Wer­bung ei­nen hand­fes­ten Thril­ler ver­spre­chen, ist „Burning“, die Ver­fil­mung ei­ner Kurz­ge­schich­te des ja­pa­ni­schen Au­tors Ha­ru­ki Mu­ra­k­a­ma, doch al­les an­de­re als ein „ge­wöhn­li­cher“Gen­re­film. Viel­mehr ent­puppt er sich als fas­zi­nie­ren­des Ge­dan­ken­spiel.

Denn im­mer wie­der tref­fen Ima­gi­nä­res und Rea­li­tät zu­sam­men. Gibt es die Kat­ze Ha­e­mis wirk­lich, oder lebt sie nur dank der Vor­stel­lungs­kraft der jun­gen Frau? Exis­tier­te bei den Nach­barn ein aus­ge­trock­ne­ter Brun­nen, oder war der nur die Er­fin­dung ei­nes Kin­des? Vie­les bleibt rät­sel­haft-mys­te­ri­ös, lässt sich lo­gisch nicht er­klä­ren, wo­durch der Er­zäh­lung im­mer wie­der der Bo­den ent­zo­gen wird.

Viel­fach aus­ge­zeich­net, er­in­nert Re­gis­seur Lee Chang-Dong da­mit an die psy­cho­lo­gi­schen Fi­nes­sen ei­nes Patri­cia-Highs­mit­hThril­lers. Das Er­geb­nis über­rascht: „Burning“bie­tet hier ei­ne ganz ei­ge­ne und ori­gi­nel­le Kom­bi­na­ti­on aus Mo­ti­ven der er­zäh­le­ri­schen Mo­der­ne an. Und ist da­mit vor al­lem eins – ein Meis­ter­werk.

Süd­ko­rea 2018. R: Lee Chang-dong. D: Yoo Ah-in, Ste­ven Ye­ung, Jeong Jun-seo . 148 Mi­nu­ten. Ab 12 Jah­ren.

Ziel­los: Fo­to: dpa/ca­pe­light

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