Wer­den die X-Men zu X-Wo­men? „Dark Pho­enix“: Im zwölf­ten Aben­teu­er der Mu­tan­ten trump­fen die Frau­en auf

Meppener Tagespost - - Film - Von Da­ni­el Be­ne­dict

BERLIN Zwi­schen den su­per­be­gab­ten Mu­tan­ten und dem un­ter­le­ge­nen Rest der Mensch­heit herrscht seit je ein hoch­sen­si­bles Ver­hält­nis. Mit ih­ren Fä­hig­kei­ten kön­nen die Gestalt­wand­ler, Wolfs­men­schen und Über­schall-Sprin­ter schließ­lich bei­des sein – Mons­ter und Hel­den. Im zwölf­ten Film der Rei­he wa­ckelt nun auch ihr in­ne­rer Zu­sam­men­halt: Bei ei­nem Him­mel­fahrts­kom­man­do im All wird Je­an Grey ali­as Pho­enix ei­ner kos­mi­schen Kraft aus­ge­setzt; ih­re Su­per­kräf­te über­stei­gen da­nach je­des Maß – zugleich droht sie die Kon­trol­le dar­über zu ver­lie­ren. Ge­hört sie als Dark Pho­enix noch zum Team? Oder müs­sen die XMen sie als Ge­fahr für die Mensch­heit eli­mi­nie­ren?

Der Kampf von Gut und Bö­se als Selbst­zer­flei­schung: So wie Si­mon Kin­bergs Film al­le Macht des Uni­ver­sums in der Ti­tel­fi­gur ver­sam­melt, so kon­zen­triert er auch al­le Kon­flik­te auf die kleins­te Ein­heit – auf das Be­wusst­sein ei­ner ein­zi­gen Per­son, in das ih­re Kol­le­gen ein­mal re­gel­recht hin­ein­rei­sen. In der Kind­heits­ge­schich­te der Hel­din wird der fan­tas­ti­sche Plot dann psy­cho­lo­gisch ge­er­det: Je­an Grey lei­det un­ter ei­ner ge­stör­ten Be­zie­hung zum Va­ter, der ih­re to­te Mut­ter mehr lieb­te als sie.

Als Grey die vol­le Tra­gik ih­rer Her­kunft be­greift, re­vol­tiert sie ge­gen al­le Va­ter­fi­gu­ren auf ein­mal – auch ge

gen Pro­fes­sor Xa­vier, den Spi­ri­tus Rec­tor der Mu­tan­ten, der sie im Grund­schul­al­ter ad­op­tiert hat.

Ei­gent­lich sind all das gu­te Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen

span­nen­den Film: Die am­bi­va­len­te, be­droh­li­che Sei­te der X-Men schützt so­wie­so schon vor ei­ner klas­si­schen Fal­le des fan­tas­ti­schen Films – bei dem die Ge­gen­spie­ler oft in­ter­es­san­ter sind als die Hel­den. In­ner­lich zer­ris­sen und mit ei­ner mas­si­ven Zer­stö­rungs­kraft aus­ge­stat­tet, soll­te Pho­enix nun ein be­son­ders span­nen­der Cha­rak­ter wer­den.

Trotz­dem sehnt man sich in der aal­glat­ten Co­mic-Ver­fil­mung be­son­ders hef­tig nach den Mo­men­ten, in de­nen die Ge­gen­spie­le­rin ins Bild kommt: ei­ne Au­ßer­ir­di­sche in Men­schen­ge­stalt, der das Schick­sal al­ler ir­di­schen Krea­tu­ren auf spek­ta­ku­lä­re Wei­se egal ist. Ge­spielt wird sie von Jes­si­ca Chas­tain – ge­gen die So­phie Tur­ner in der Ti­tel­rol­le so ab­grün­dig und fas­zi­nie­rend wirkt wie ein Ins­ta­gram-Mo­del beim Ma­te-Tee. Tur­ner hat­te die Rol­le be­reits im letz­ten XMen-Film von Fam­ke Jans­sen über­nom­men. Seit ein paar Jah­ren be­müht sich Hol­ly­wood um Weib­lich­keit. Na­tür­lich be­trifft das auch die „X-Men“– die­se zur Su­per-Gang ge­wor­de­ne Me­ta­pher auf Di­ver­si­tät und Min­der­hei­ten­rech­te.

Weil im­mer wie­der die Frau­en den Män­nern das Le­ben ret­ten, for­dert Jen­ni­fer La­wren­ces Mys­tique dies­mal so­gar die Um­be­nen­nung des Teams ins „X-Wo­men“. Wir dür­fen ge­spannt sein, ob kom­men­de Fil­me die An­re­gung auf­grei­fen.

X-Men: Dark Pho­enix. USA 2019. R: Si­mon Kin­berg. D: So­phie Tur­ner, Jes­si­ca Chas­tain, Ja­mes McA­voy, Jen­ni­fer La­wrence, Micha­el Fassbender. 113 Mi­nu­ten. Ab 12 Jah­ren.

So­phie Tur­ner als Je­an Grey/Pho­enix. Fo­to: Twen­ti­eth Cen­tu­ry Fox

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