Se­nio­rin un­ter­wegs

Meppener Tagespost - - Sport -

In der Na­tio­nal­mann­schaft ist die Ver­jün­gungs­kur in vol­lem Gan­ge – in Mainz wä­re auch

Su­san­ne Fet­ter fast aufs Se­nio­rengleis ab­ge­scho­ben wor­den.

Wenn man in Ho­tels ein­checkt, muss man so ei­ni­ge Da­ten an­ge­ben. Na­me, Wohn­ort, Post­leit­zahl und ger­ne ei­ne Rech­nungs­adres­se. Mein Al­ter muss­te ich al­ler­dings noch nie an­ge­ben. Macht man ja auch nicht, ei­ne Frau da­nach fra­gen. Mein Por­tier hat­te von die­ser Re­gel of­fen­bar noch nichts ge­hört.

Von oben bis un­ten und wie­der zu­rück mus­ter­te mich der jun­ge Mann. Dann blick­te er mir tief in die Au­gen und setz­te zur Fra­ge an: „Sie sind noch nicht 65 – oder?“

Okay, ich hät­te viel­leicht zum Fri­seur ge­hen sol­len vor der Rei­se. Vor ein paar Jah­ren konn­te ich mich noch raus­re­den, als der Haar­an­satz zwi­schen den Fär­be­ein­hei­ten im­mer hel­ler wur­de: „Ich bin von Na­tur aus blond“, konn­te ich da noch glaub­haft ver­si­chern, wenn mir je­mand neu­gie­rig aufs Haupt blick­te. Seit ein paar Mo­na­ten aber kommt es im­mer mehr durch: das an­de­re Blond, das Rent­ner­blond, neu­deutsch: Gran­ny Style.

Viel­leicht sah ich auch et­was ab­ge­kämpft aus. Mit­ten in der Nacht wur­de ich durch ei­nen lau­ten Rumms ge­weckt. Vor mei­ner Woh­nung nah­men Ka­nal­ar­bei­ten ih­ren Lauf. Die Stra­ße wur­de ab­ge­sperrt. Ich merk­te et­was zu spät, dass da wohl kein Ta­xi an die­sem Mor­gen durch­kom­men wür­de, und rann­te ir­gend­wann samt Kof­fer und Ruck­sack Rich­tung Bahn­hof. Schweiß­ge­ba­det saß ich im Zug.

Bis Mainz aber hat­te sich mein Puls wie­der an­satz­wei­se ge­senkt. „Nein! Ich bin noch nicht 65“, sag­te ich al­so mit bö­sem Blick. „Dach­te ich mir, sieht man!“, ma­nö­vrier­te sich der jun­ge Mann ge­ra­de noch so aus der Ge­fah­ren­zo­ne. „Ich frag­te nur, weil sie ei­nen Se­nio­ren­ra­batt ge­bucht ha­ben.“

50 Eu­ro muss­te ich nach­zah­len, da­für ist kein Früh­stück mehr ent­hal­ten. Gut, dann gibt es vor der Rück­fahrt eben Kaf­fee und ein Bröt­chen vom Bahn­hofs­bä­cker. Es hät­te schlim­mer kom­men kön­nen, nicht aus­zu­den­ken, aber was, wenn es ihm NICHT auf­ge­fal­len wä­re…?

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