„Ni­xe“aus der Do­nau ge­ho­ben

Ret­tungs­kräf­te ber­gen wei­te­re Lei­chen aus dem Wrack / Kri­tik aus Ko­rea

Meppener Tagespost - - Nachbarsch­aft - Von Tho­mas Ro­ser

BUDAPEST Fast zwei Wo­chen nach dem Schiffs­un­glück auf der Do­nau in Budapest ha­ben die un­ga­ri­schen Be­hör­den das ge­sun­ke­ne Aus­flugs­schiff „Ha­blea­ny“(Ni­xe) aus der Do­nau ge­bor­gen. Still sa­lu­tie­rend, zoll­ten Ret­tungs­kräf­te den in Lei­chen­sä­cken ver­pack­ten Über­res­ten von vier wei­te­ren To­des­op­fern des Schiffs­un­glücks ih­ren Re­spekt.

Tau­cher hat­ten ges­tern die Lei­chen aus dem In­ne­ren des Wracks der „Ni­xe“ge­bor­gen. Das Schiff war von ei­nem Spe­zi­al­kran aus dem Was­ser ge­ho­ben wor­den. Knapp zwei Wo­chen nach des­sen Un­ter­gang wer­den nun noch im­mer vier der ver­mut­lich 28 To­des­op­fer ver­misst. Nur sie­ben Pas­sa­gie­re ei­ner süd­ko­rea­ni­schen Tou­ris­ten­grup­pe konn­ten bei Un­garns schwers­tem Schiffs­un­glück der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te am 29. Mai ge­ret­tet wer­den.

Hoch­was­ser und star­ke Strö­mun­gen hat­ten die von Un­garns Fern­se­hen li­ve aus­ge­strahl­te, stun­den­lan­ge Ber­gung des neun Me­ter un­ter der Was­ser­ober­flä­che lie­gen­den Wracks ta­ge­lang ver­hin­dert. Die schlech­te Sicht un­ter Was­ser mach­te das An­brin­gen der Sei­le für die Tau­cher zu ei­ner sehr müh­sa­men und ge­fähr­li­chen Ope­ra­ti­on.

Ges­tern war der Do­nau­pe­gel dann so weit ab­ge­sun­ken, dass der gro­ße Schwimm­kran „Clark Adam“frei­en Ma­nö­vrier­raum hat­te. Trotz­dem muss­te die Ber­gung des Wracks im­mer wie­der un­ter­bro­chen wer­den, um Was­ser ab­zu­pum­pen und ein Aus­ein­an­der­bre­chen des Schiffs­rumpfs zu ver­hin­dern. Zu­sätz­lich muss­te das Wrack vor und wäh­rend der Ber­gung mehr­fach mit Stahl­sei­len ge­si­chert wer­den. Des­halb dau­er­te es mehr als acht St­un­den, bis es dem Schwimm­kran ge­lang, das Wrack auf ein be­reit­ste­hen­des Fracht­schiff zu hie­ven.

Un­garns Ret­tungs­kräf­te kün­dig­ten die Fort­set­zung der Su­che nach den noch ver­miss­ten Op­fern an: An Bord des Schif­fes wur­de ges­tern au­ßer der Lei­che des un­ga­ri­schen Ka­pi­täns ver­mut­lich auch die ei­nes sechs­jäh­ri­gen Mäd­chens aus Süd­ko­rea ge­bor­gen – das ein­zi­ge Kind, das sich wäh­rend der Un­glücks­fahrt an Bord be­fand.

Die Bar­ke war bei dem Un­glück von ei­nem we­sent­lich grö­ße­ren Ho­tel­schiff ge­rammt und in Se­kun­den­schnel­le un­ter Was­ser ge­drückt wor­den. Nun soll die Ni­xe in den nächs­ten Ta­gen gründ­lich un­ter­sucht wer­den. Be­reits ei­nen Tag nach dem Un­glück war der 64jäh­ri­ge Ka­pi­tän des Schiffs „Vi­king Si­gyn“ver­haf­tet wor­den: Ge­gen ihn wird we­gen des Ver­dachts der Ge­fähr­dung des Schiffs­ver­kehrs mit mas­sen­haf­ter To­des­fol­ge er­mit­telt.

Ko­rea­ni­sche Agen­tu­ren kri­ti­sier­ten ges­tern, dass die „Vi­king Si­gyn“von ih­rer Ree­de­rei schon we­ni­ge Ta­ge nach dem Un­glück re­pa­riert und frisch ge­stri­chen wor­den sei und an ih­rem Rumpf kei­ner­lei Spu­ren der Kol­li­si­on mehr zu er­ken­nen sei­en. Un­garns Be­hör­den se­hen sich auch in hei­mi­schen Me­di­en dem Vor­wurf aus­ge­setzt, ge­gen die Ree­de­rei „Vi­king Crui­ses“von An­fang an nicht en­er­gisch ge­nug er­mit­telt zu ha­ben. Laut dem Web­por­tal in­dex.hu ist die Ree­de­rei zu­sam­men mit Un­garns staat­li­cher Tou­ris­mus­agen­tur über ei­ne ge­mein­sa­me Fir­ma Be­sit­ze­rin von 70 Hä­fen und An­le­ge­stel­len in ganz Un­garn.

Fo­to: AFP/At­ti­la Kis­be­nedek

Mit­hil­fe ei­nes ton­nen­schwe­ren Krans ist es ge­lun­gen, die „Ni­xe“aus der Do­nau zu he­ben.

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