Wann kommt mein Pa­ket an?

So wol­len DHL, Her­mes und Co. kun­den­freund­li­cher wer­den

Meppener Tagespost - - WIRTSCHAFT -

Das Prin­zip Hoff­nung ist beim Pa­ket­be­stel­len all­ge­gen­wär­tig. Die Hoff­nung, dass die Sen­dung zu­ver­läs­sig an­kommt – und dass der Zu­stel­ler klin­gelt, wenn man selbst oder zu­min­dest der Nach­bar da­heim ist. Ho­he In­ves­ti­tio­nen der Pa­ket­bran­che sol­len nun da­zu füh­ren, dass Emp­fän­ger ge­nau wis­sen, wann der Pa­ket­bo­te da sein wird. Ob Deut­sche Post DHL, DPD oder Her­mes – sie al­le wol­len ih­re Vor­her­sa­gen ver­bes­sern. Das lohnt sich: Bei prä­zi­ser Pro­gno­se steigt die Erst­zu­stell­quo­te, die Mit­ar­bei­ter ver­lie­ren we­ni­ger Zeit bei der Zu­stel­lung.

Stand heu­te setzt die Pa­ket­bran­che in Deutsch­land auf mehr oder min­der gro­be Zeit­fens­ter. War­um ei­gent­lich? „Das ist ei­ne sehr kom­ple­xe An­ge­le­gen­heit mit vie­len Va­ria­blen“, er­läu­tert der Frank­fur­ter Lo­gis­tik-Pro­fes­sor KaiO­li­ver Scho­cke. „Gibt es Staus oder Um­lei­tun­gen, fin­det der Fah­rer ei­nen Park­platz, wo ge­nau müs­sen wie vie­le Pa­ke­te ab­ge­ge­ben wer­den – und wie lan­ge dau­ert es un­ter die­sen Be­din­gun­gen bis zur nächs­ten Zu­stel­lung? Sol­che Fra­gen kön­nen noch nicht zu­ver­läs­sig und prä­zi­se be­ant­wor­tet wer­den.“Chris­toph Steh­mann vom Bran­chen­dienst­leis­ter Pit­ney Bo­wes sieht es ähn­lich. Zwar wol­le der Kun­de end­lich klei­ne­re Zeit­fens­ter ha­ben, um nicht mehr so lan­ge zu Hau­se war­ten zu müs­sen, und die Bran­che fei­le an Fort­schrit­ten. „Das Ei des Ko­lum­bus hat aber noch nie­mand ge­fun­den.“Ei­ne Mög­lich­keit sei mehr Trans­pa­renz: dass die Emp­fän­ger im In­ter­net se­hen kön­nen, wo der Zu­stel­ler ge­ra­de ist. „Klingt gut, kann aber sehr ver­wir­rend sein“, sagt Steh­mann. Denn selbst wenn ein Zu­stell­fahr­zeug schon in der Nä­he sei, kön­ne es bis zum Klin­geln an der Tür noch lan­ge dau­ern.

Re­la­tiv weit vor­ne da­bei ist die Deutsch­land-Toch­ter der fran­zö­si­schen Post, DPD. Bei ihr be­kommt der End­kun­de zu­nächst ei­ne Mail mit der In­fo, dass das Pa­ket nun im De­pot sei und dass es am nächs­ten Tag aus­ge­lie­fert wer­de – dies noch oh­ne

Zeit­fens­ter. Am Zu­stell­tag selbst gibt es ei­ne wei­te­re Mail, wenn der Zu­stel­ler sei­nen Trans­por­ter be­la­den hat und auf Ba­sis der Pa­ke­te an Bord die bes­te Rou­te be­stimmt wur­de. Dann wird dem End­kun­den ein Zeit­fens­ter von ei­ner St­un­de ge­nannt, was im Lau­fe des Ta­ges auf ei­ne hal­be St­un­de sinkt. „Der ei­gent­li­che Mehr­wert sind die Pro­gno­se und die In­ter­ak­ti­on“, sagt er. Da­mit ist die Mög­lich­keit ge­meint, dass man bei DPDPa­ke­ten bis zu 15 Mi­nu­ten

vor Über­ga­be noch ei­ne In­fo an den Zu­stel­ler schickt, et­wa dass man doch nicht zu Hau­se ist und dass er das Pa­ket ne­ben der Tür ab­le­gen mö­ge. Kon­kur­rent UPS bie­tet ähn­li­che Op­tio­nen an und setzt auf ein Vier-St­un­den-Zeit­fens­ter.

Der Markt­füh­rer Deut­sche Post DHL ist beim The­ma Tracking – al­so der Pa­ket­ver­fol­gung samt Zu­stell­pro­gno­se – noch nicht so weit. Das Zeit­fens­ter liegt noch bei zwei bis vier St­un­den. Doch es soll bes­ser wer­den. „Für

2020 ha­ben wir uns vor­ge­nom­men, un­se­ren End­kun­den ein prä­zi­se­res Zeit­fens­ter zu kom­mu­ni­zie­ren“, sagt ein DHL-Spre­cher. Im ers­ten Schritt wer­de es ein 60- bis 90-mi­nü­ti­ges Zeit­fens­ter ge­ben. Zu­dem wer­de die Idee wei­ter­ver­folgt, dass die War­ten­den über die Zu­stel­lung 15 Mi­nu­ten vor­her in­for­miert wür­den. Bei Her­mes gilt für Stan­dard­pa­ke­te der Zu­stell­zeit­raum 8 bis 20 Uhr . Al­ler­dings ar­bei­tet auch das Ham­bur­ger Un­ter­neh­men an Ver­bes­se­run­gen. In­zwi­schen

gibt es bei der Hälf­te der Her­mes-Sen­dun­gen am Vor­tag ei­ne Mail samt zwei- bis vier­stün­di­gem Zu­stell­fens­ter.

Bran­chen­ex­per­te Steh­mann hat beim The­ma prä­zi­se Zu­stel­lung ge­dämpf­te Er­war­tun­gen. Erst auf lan­ge Sicht – wohl in et­wa zehn Jah­ren – wer­de es hier­bei den Durch­bruch ge­ben, wenn der Stra­ßen­ver­kehr durch au­to­ma­ti­sier­te Au­tos plan­ba­rer sei und neue Zu­stell­we­ge wie Droh­nen­flü­ge im Markt an­ge­kom­men sei­en.

Fo­to: dpa/Jan Woitas

Bei Weih­nachts­pa­ke­ten zählt bis­wei­len je­der Tag.

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