Ras­sis­mus-Eklat bei Ju­gend­spiel

U 16 von Her­tha BSC geht in Au­er­bach vom Feld / Club aus Sach­sen er­hebt selbst Vor­wür­fe

Meppener Tagespost - - SPORT - Von Flo­ri­an Lüt­ti­cke und Ben­ja­min Kraus

Nach­wuchs­fuß­bal­ler von Her­tha BSC er­he­ben schwe­re Ras­sis­mus-Vor­wür­fe: Die U-16-Ju­gend­li­chen sei­en nach An­ga­ben des Ber­li­ner Fuß­ball­clubs von ih­ren Ge­gen­spie­lern im Re­gio­nal­li­ga­spiel beim VfB Au­er­bach ras­sis­tisch be­lei­digt wor­den – und bra­chen die Par­tie des­halb ab. Der säch­si­sche Ver­ein wehrt sich ge­gen die Darstel­lung der Her­tha und er­hebt selbst Vor­wür­fe, kün­dig­te aber auch ei­ne in­ter­ne Un­ter­su­chung an.

Die Vor­fäl­le er­eig­ne­ten sich bei ei­nem Spiel in der BJu­nio­ren-Re­gio­nal­li­ga Nord­ost am Sams­tag. Wie die Her­tha be­kannt gab, hät­ten meh­re­re Spie­ler der Au­er­ba­cher die Ber­li­ner be­schimpft. Die Si­tua­ti­on ist es­ka­liert, als der Schieds­rich­ter ei­nen Frei­stoß für Berlin am Straf­raum der Sach­sen aus­ge­spro­chen hat. Im Zu­ge der Bil­dung ei­ner Sicht­schutz-Mau­er durch Ber­li­ner Fuß­bal­ler ent­stand ei­ne Ru­del­bil­dung, bei der ras­sis­ti­sche Äu­ße­run­gen ge­fal­len sein sol­len. „Nach Hin­wei­sen beim Schieds­rich­ter ha­ben wir uns ent­schie­den, das Feld in der 68. Mi­nu­te beim Stand von 2:0 für uns zu ver­las­sen und das Spiel nicht fort­zu­set­zen. Wir als Her­tha BSC ver­ur­tei­len Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung in jeg­li­cher Form“, heißt es in der Her­tha-Mit­tei­lung.

Der Ver­ein VfB Au­er­bach be­dau­er­te den Ent­schluss der Ber­li­ner, die Par­tie zu be­en­den, ver­wahrt sich in ei­ner Stel­lung­nah­me aber ge­gen Ras­sis­mus-Vor­wür­fe. In der VfB-Mit­tei­lung heißt es, we­der der Schieds­rich­ter noch die As­sis­ten­ten hät­ten ei­ne ras­sis­ti­sche Äu­ße­rung wahr­ge­nom­men – dies ha­be das Schieds­rich­ter-Ge­spann dem VfB nach dem Spiel be­stä­tigt. „ Auch ist der von Her­tha BSC er­weck­te Ein­druck falsch, es ha­be sich um ein Spiel ge­han­delt, das in ir­gend­ei­ner Form von ras­sis­ti­schen Aus­sa­gen ge­prägt ge­we­sen sein soll“, so der VfB in der Mit­tei­lung.

Statt­des­sen hät­ten die Au­er­ba­cher Ju­gend­ki­cker „über das er­träg­li­che Maß hin­aus be­lei­di­gen­de Äu­ße­run­gen ih­rer Ge­gen­spie­ler er­tra­gen müs­sen“, teil­ten die Au­er­ba­cher mit – selbst in­ner­halb der Ber­li­ner Elf sei der Ton un­ge­wöhn­lich hart ge­we­sen. Den­noch kün­dig­te der VfB an, man wer­de „in al­ler Gründ­lich­keit in­tern al­len Vor­wür­fen nach­ge­hen. Soll­ten sich die An­schul­di­gun­gen als be­rech­tigt her­aus­stel­len, wird der Ver­ein ent­spre­chen­de Kon­se­quen­zen zie­hen.“

Der Nord­ost­deut­sche Fuß­ball­ver­band prüft in­des die Ein­lei­tung ei­nes Ver­fah­rens. Das be­stä­tig­te NOFV-Ge­schäfts­füh­rer Hol­ger Fuchs.

Zu­gleich wur­de be­kannt, dass es erst vor ei­ner Wo­che zu ras­sis­ti­schen Vor­fäl­len um ein Spiel mit Au­er­ba­cher Be­tei­li­gung ge­kom­men sein soll. Auch B-Ju­gend-Spie­ler von Vik­to­ria Berlin wur­den dem­nach ras­sis­tisch be­schimpft: „Wir ha­ben dort gera­de ähn­li­che Er­fah­run­gen ge­macht“, wird Vik­to­ria-Ju­gend­trai­ner Ar­thur Ju­j­ko mit Be­zug auf das Spiel sei­ner Elf in der Re­gio­nal­li­ga vor ei­ner Wo­che in Au­er­bach zi­tiert.

Die Füh­rung von Her­tha BSC do­ku­men­tier­te in­des die Un­ter­stüt­zung des Schrit­tes der U16 mit dem Ex-Pro­fi So­fi­an Cha­hed als Trai­ner, das Spiel in Au­er­bach vor­zei­tig zu be­en­den. „Viel­leicht ist dies ein Weck­ruf, dass wir al­le ge­mein­sam – Spie­ler, Ver­ei­ne, Ver­bän­de und Fans – end­gül­tig die­ses Pro­blems Herr wer­den. In ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on sind uns Wer­te und ei­ne kla­re Hal­tung wich­ti­ger als ein Sieg oder ei­ne Nie­der­la­ge auf dem Platz“, sag­te Paul Keu­ter, Mit­glied der Her­tha-Ge­schäfts­füh­rung.

Schon vor acht Ta­gen hat­te Hert­has U-23-Spie­ler Jes­sic

Ngan­kam nach ei­nem Re­gio­nal­li­ga­spiel der 2. Her­ren der Ber­li­ner ge­gen den 1. FC Lok Leip­zig be­rich­tet, durch Af­fen­lau­te aus der Lok-Fan­kur­ve und durch das Wort „Af­fe“von ei­nem Ge­gen­spie­ler be­lei­digt wor­den zu sein. Die Par­tie war für meh­re­re Mi­nu­ten un­ter­bro­chen ge­we­sen. Lok hat­te sich von ras­sis­ti­schem Ver­hal­ten dis­tan­ziert, Her­tha ver­ur­teil­te drei Ta­ge spä­ter „ras­sis­ti­sche An­fein­dun­gen“ge­gen sei­nen Spie­ler „aufs Schärfs­te“.

Die Her­tha-Füh­rung hat­te da­bei ein­ge­räumt, man ha­be zu lan­ge ge­war­tet mit ei­ner öf­fent­li­chen Stel­lung­nah­me. Zu­vor war in so­zia­len Me­di­en Kri­tik am zö­ger­li­chen Ver­hal­ten des Clubs auf­ge­kom­men. Un­ter an­de­rem hat­ten die Ber­li­ner Bun­des­li­ga­pro­fis Jor­dan Tor­u­na­rig­ha und Ja­vai­ro Dil­ro­sun auf ih­ren Ins­ta­gram-Pro­fi­len sämt­li­che Bil­der mit Her­tha-Be­zug ge­löscht – mut­maß­lich, weil sie sich von ih­rem Club ei­ne kla­re­re und schnel­le­re Po­si­tio­nie­rung ge­wünscht hät­ten. In Au­er­bach re­agier­te Hert­has U16 nun prompt.

Foto: imago images/Schro­ed­ter

Kon­se­quent: So­fi­an Cha­hed.

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