Tie­re, die uns 2019 be­wegt ha­ben

Hun­de­wel­pen, En­ten­kü­ken und Pan­das ent­zü­cken / Gul­ly­de­ckel sind für man­che Winz­lin­ge ge­fähr­lich

Meppener Tagespost - - REPORTAGE -

Sie ge­ben kei­ne Wi­der­wor­te, fan­gen kei­ne Krie­ge an und brin­gen uns im­mer wie­der zum Schmun­zeln: Tie­re. Auch 2019 gin­gen wie­der Ge­schich­ten über zahl­rei­che ku­rio­se Ge­schöp­fe um die Welt, vie­le da­von durch die so­zia­len Me­di­en. Auf Ins­ta­gram, Face­book und Co. sind ne­ben Tie­ren auch Fa­bel­we­sen wie Ein­hör­ner hoch im Kurs. In­so­fern war die Be­geis­te­rung, die Hun­de­wel­pe Narw­hal her­vor­rief, kei­ne Über­ra­schung: Dem Wel­pen wächst schein­bar ei­ne Art Horn oder Hörn­chen aus der Stirn. Tier­schüt­zer fan­den das Hünd­chen in der US-Kle­in­stadt Jack­son und be­nann­ten es nach dem Nar­wal, ei­nem Wal mit ei­nem Horn auf der Stirn. Als Re­ak­ti­on auf ei­nen Face­book-Post mel­de­ten sich Dut­zen­de Tier­lieb­ha­ber, die Narw­hal bei sich auf­neh­men woll­ten.

Auch in Deutsch­land kam in die­sem Jahr ein mys­te­riö­ses Hun­de­ba­by zur Welt – das er­in­ner­te al­ler­dings nicht an ein Ein­horn, son­dern an ei­nen Ko­bold: Der Gol­denRe­trie­ver-Wel­pe Mo­ji­to kam mit grü­nem Fell zur Welt. Ein Tier­arzt er­klär­te das sel­te­ne Phä­no­men mit ei­nem Stoff, der aus der Pla­zen­ta des Mut­ter­tie­res stammt.

An­de­re Tie­re schaff­ten es nicht we­gen ih­res un­ge­wöhn­li­chen Aus­se­hens, son­dern ih­res Auf­ent­halts­orts in die Schlag­zei­len. Im Raum Xanten hüpf­te im Herbst et­wa ein Mo­nat lang ein Kän­gu­ru durch die Ge­gend, be­vor ein Tier­arzt es mit ei­nem Blas­rohr be­täu­ben und ein­fan­gen konn­te. Deut­lich län­ger dau­er­te die Flucht von Kuh „Büxi“in Nie­der­bay­ern. Im Fe­bru­ar fand ein pen­sio­nier­ter Po­li­zist die Flüch­ti­ge und be­täub­te sie mit ei­nem Pfeil – sie war im Ok­to­ber 2017 ge­türmt. Tier­schüt­zer un­ter­such­ten die wohl­ge­nähr­te Kuh und brach­ten sie auf ei­nen Gna­den­hof.

Die wohl exo­tischs­te tie­ri­sche Aus­rei­ße­rin des Jah­res war die Schles­wig-Hol­stei­ne­rin Chan­tal – ein gut drei Me­ter lan­ger Ti­ger­py­thon . Das Tier hat­te sei­nen Frei­gang im Gar­ten ei­ner Fa­mi­lie in der Kle­in­stadt Tor­nesch zum Aus­bruch ge­nutzt – und tauch­te vier Ta­ge spä­ter im Nach­bar­gar­ten wie­der auf.

Aus ei­ner für sie ei­gent­lich ge­wöhn­li­chen Um­ge­bung her­aus er­lang­te ei­ne Rat­te im Fe­bru­ar Welt­ruhm: Der Na­ger fut­ter­te sich im süd­hes­si­schen Bens­heim so rund, dass er ei­nes Ta­ges nicht mehr durch die Lö­cher im Gul­ly-De­ckel pass­te und fest­steck­te. Auf ei­nem Foto der Ret­tungs­kräf­te ist die Rat­te mit weit auf­ge­ris­se­nem Maul zu se­hen, als wür­de sie um Hil­fe schrei­en. Feu­er­wehr und Tier­ret­tung konn­ten das be­leib­te Tier schließ­lich aus der miss­li­chen La­ge be­frei­en und sorg­ten für ein Hap­py End der Ge­schich­te, die um die Welt ging.

Zu groß wa­ren die Lö­cher im Gul­ly­de­ckel hin­ge­gen für den Nach­wuchs ei­ner En­ten­ma­ma

in Stahns­dorf bei Pots­dam. Fünf ih­rer Kü­ken pur­zel­ten durch die Lö­cher in den Gul­ly. Ein Pas­sant hör­te die Klei­nen piep­sen und rief die Feu­er­wehr, die den En­ten­nach­wuchs ret­te­te. Über­haupt sind die Ein­gän­ge zur Ka­na­li­sa­ti­on für Tie­re häu­fig ge­fähr­lich: In Dort­mund blieb im Ju­ni ein Eich­hörn­chen in ei­nem Gul­ly­de­ckel ste­cken. Die Feu­er­wehr trans­por­tier­te den gan­zen De­ckel in ei­ne Tier­arzt­pra­xis, wo es schließ­lich be­freit wer­den konn­te.

In zahl­rei­chen sol­cher Fäl­le ret­te­ten Feu­er­wehr und Po­li­zei 2019 Tie­re aus miss­li­chen La­gen – doch manch­mal hal­fen Tie­re auch den Ein­satz­kräf­ten: Im Fe­bru­ar et­wa ver­half ein Pferd in Süd­hes­sen, wenn auch zu­fäl­lig, der Po­li­zei zu ei­nem Er­mitt­lungs­er­folg: Das Tier sank in ei­nem Tüm­pel ein und schaff­te es aus ei­ge­ner Kraft nicht mehr her­aus. Als zur

Hil­fe ge­ru­fe­ne Feu­er­wehr­leu­te das Pferd be­frei­ten, stie­ßen sie da­bei auf meh­re­re ge­stoh­le­ne Waf­fen und Mu­ni­ti­on.

An­de­re Tie­re stan­den nicht un­be­dingt auf der Sei­te des Ge­set­zes: So schütz­te in Vier­sen ei­ne Tau­be ei­nen Ra­ser vor sei­ner Stra­fe. Der Mann fuhr im Mai mit 54 St­un­den­ki­lo­me­tern durch ei­ne Drei­ßi­g­er­zo­ne und wur­de da­bei ge­blitzt. Ge­nau im Mo­ment der Auf­nah­me flog die Tau­be je­doch mit weit aus­ge­brei­te­ten Flü­geln vor die Ka­me­ra, so­dass das Ge­sicht des Fah­rers nicht zu er­ken­nen war. Die Be­hör­den konn­ten die Fahrt dem Ra­ser nicht nach­wei­sen, was ihm nach Po­li­zei-An­ga­ben ein Buß­geld von 105 Eu­ro er­spar­te.

Doch die­se Ord­nungs­wid­rig­keit ist ei­ne Ba­ga­tel­le, ver­g­li­chen mit dem Fall ei­nes Wals, der im April in Nord­nor­we­gen auf­tauch­te – denn hier stand Lan­des­ver­rat im Raum. Fi­scher hat­ten den Be­lu­ga von meh­re­ren Rie­men be­freit. An dem Zaum­zeug war die Auf­schrift „Aus­rüs­tung St. Pe­ters­burg“zu le­sen, an ei­nem Rie­men war ei­ne Hal­te­rung für ei­ne Ka­me­ra be­fes­tigt. Das Tier war au­ßer­dem zahm. Wal­for­scher mut­maß­ten, das Tier ha­be sich aus der Ge­fan­gen­schaft des rus­si­schen Mi­li­tärs be­freit. Soll­te der Be­lu­ga al­so für den Kreml Eu­ro­pa aus­spio­nie­ren? Das rus­si­sche Mi­li­tär wies das als Un­sinn zu­rück – Russ­land nut­ze nur Del­fi­ne zu Kriegs­zwe­cken.

Mäch­tig träch­tig? Im Ber­li­ner Zoo hat Pan­da­dame Meng Meng ihr Ge­heim­nis lan­ge be­wahrt: Am 31. Au­gust bringt sie dann Zwil­lin­ge zur Welt. Wie bei Pan­das üb­lich, sind die Jun­gen nicht grö­ßer als Hams­ter und wie­gen gera­de mal 136 und 186 Gramm. Für den äl­tes­ten Zoo Deutsch­lands ist es ei­ne ab­so­lu­te Pre­mie­re. Tier­pfle­ger küm­mern sich rund um die Uhr um den Nach­wuchs, der präch­tig ge­deiht: En­de No­vem­ber wie­gen die Bär­chen je­weils vier Ki­lo und ma­chen die ers­ten Kr­ab­bel­ver­su­che. An­fang 2020 soll auch das Pu­bli­kum die schwarz-wei­ßen Wonnepropp­en se­hen kön­nen. Der Ber­li­ner Zoo ist der ein­zi­ge in Deutsch­land, der Pan­das hält. Die Tie­re sind teu­re Leih­ga­ben aus Chi­na, auch der Nach­wuchs ge­hört laut Ver­trag dem Reich der Mit­te.

Ein schwar­zer Mops aus Ah­len im Müns­ter­land schafft es am 1. März in die „New York Ti­mes“, Über­schrift: „Schul­den­ein­trei­ber in Deutsch­land be­schlag­nahmt Haus­tier und ver­kauft es.“Die gan­ze Ge­schich­te ist noch ku­rio­ser: Ein Voll­zugs­be­am­ter nimmt Mops „Ed­da“mit, weil bei ei­ner ver­schul­de­ten Fa­mi­lie sonst nichts zu ho­len ist. Er bie­tet das Tier auf sei­nem pri­va­ten Ebay-Ac­count an, ei­ne Po­li­zis­tin aus Wülfrath bei Düsseldorf schlägt für 690 Eu­ro zu. In­zwi­schen hat sie den Be­am­ten we­gen Be­tru­ges an­ge­zeigt und die Stadt Ah­len ver­klagt: „Ed­da“, die sie in „Wil­ma“um­ge­tauft hat, lei­det un­ter an­de­rem an ei­ner Au­gen­krank­heit – ob­wohl sie bei Ebay doch als kern­ge­sund an­ge­bo­ten wor­den war. Das neue Frau­chen will bis zu 20 000 Eu­ro Scha­den­er­satz. Der Rich­ter lässt am ers­ten Ver­hand­lungs­tag im No­vem­ber durch­bli­cken, dass sie gu­te Chan­cen hat.

Fotos: dpa/Mar­cel Kusch, Ty­ler Graef

Der Gol­den-Re­trie­ver-Wel­pe Mo­ji­to (links) kam mit grü­nem Fell zur Welt. Dem Wel­pen Narw­hal (rechts) wächst hin­ge­gen schein­bar ein Horn.

Be­kannt wie ein bun­ter Hund:

Tie­risch un­ter­wegs: (von links oben, im Uhr­zei­ger­sinn) ei­ne Tau­be schützt auf ei­nem Blit­zer­fo­to den Ra­ser vor Buß­geld. Wäh­rend Pan­da-Ba­bys ent­zü­cken, wird ein Wal in Nor­we­gen als russischer Spi­on ver­däch­tigt. Ti­ger­py­thon Chan­tal war vier Ta­ge in Schles­wig-Hol­stein un­ter­wegs. Ei­ne Rat­te steck­te voll ge­fres­sen im Gul­ly fest, und ein Pferd führ­te die Po­li­zei zu ei­nem Er­mitt­lungs­er­folg. Fotos: dpa (6)/Micha­el Sehr/Be­rufs­tier­ret­tung Rhein-Neckar/dpa; Jo­er­gen Ree Wi­ig/Nor­we­gi­an Di­rec­to­ra­te of Fis­he­ries Sea Sur­veil­lan­ce Unit/AP/dpa

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