Die Frau hin­ter John­sons Er­folg

Der tür­ki­sche Prä­si­dent Er­do­gan droht den USA / Zu­dem will er Sol­da­ten nach Li­by­en schi­cken

Meppener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Von Tho­mas Sei­bert

Sei­ne Wie­der­wahl als Pre­mier­mi­nis­ter war ein ful­mi­nan­ter Er­folg für Bo­ris John­son. Be­ob­ach­ter se­hen al­ler­dings auch ei­ne maß­geb­li­che Be­tei­li­gung sei­ner Freun­din Car­rie Sy­monds. Die 31Jäh­ri­ge gilt als PR-Pro­fi, hielt sich öf­fent­lich aber im Hin­ter­grund.

Der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan hat den USA an­ge­sichts der Span­nun­gen zwi­schen bei­den Län­dern mit der Schlie­ßung zwei­er Stütz­punk­te ge­droht. „Wenn er­for­der­lich“kön­ne man die von den USA ge­nutz­te Luft­waf­fen­ba­sis In­cir­lik in der Pro­vinz Ada­na und die US­Ra­dar­sta­ti­on Kü­re­cik in der Pro­vinz Ma­la­tya schlie­ßen, sag­te Er­do­gan in ei­nem Fern­seh­in­ter­view. Ins­be­son­de­re wenn „Maß­nah­men wie Sank­tio­nen“ge­gen die Tür­kei in Kraft tre­ten soll­ten, wer­de man die ent­spre­chen­de Ant­wort ge­ben, be­kräf­tig­te Er­do­gan: „Für bei­de Sei­ten ist es wich­tig, dass die USA kei­ne Schrit­te un­ter­neh­men, die ir­re­pa­ra­bel für un­se­re Be­zie­hun­gen sind“.

Lan­dungs­schif­fe be­reit

Die Äu­ße­run­gen Er­do­gans könn­ten die Be­zie­hun­gen zwi­schen den USA und der Tür­kei wei­ter be­las­ten. Und auch mit Russ­land droht An­ka­ra neu­er Är­ger. Denn die tür­ki­sche Re­gie­rung er­wägt, Bo­den­trup­pen nach Li­by­en zu ent­sen­den, um der in­ter­na­tio­nal an­er­kann­ten Re­gie­rung in Tri­po­lis ge­gen den An­griff des Re­bel­len-Ge­ne­rals Cha­li­fa Haftar zu hel­fen.

Die Tür­ken könn­ten da­bei auf rus­si­sche Kämp­fer tref­fen, die auf Haft­ars Sei­te ste­hen. Acht Jah­re nach dem Sturz von Dik­ta­tor Mu­am­mar al-Gad­da­fi droht da­mit in Li­by­en ei­ne Es­ka­la­ti­on mit mög­li­chen Aus­wir­kun­gen bis nach Eu­ro­pa und Sy­ri­en.

Die re­gie­rungs­treue Zei­tung „Takvim“mel­de­te, die tür­ki­sche Ar­mee hal­te be­reits Lan­dungs­schif­fe für den Trup­pen­trans­port nach Li­by­en be­reit. Ge­dacht sei an ei­ne Ent­sen­dung von Eli­te­trup­pen mit Pan­zern, ge­pan­zer­ten Fahr­zeu­gen und Droh­nen.

Mit dem Vor­stoß wä­ren Er­schüt­te­run­gen für die Be­zie­hun­gen zwi­schen der Tür­kei und Russ­land zu er­war­ten, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vor al­lem in Sy­ri­en ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit ent­wi­ckelt ha­ben. Die Tür­kei, die zum Är­ger der USA so­gar das rus­si­sche Luft­ab­wehr­sys­tem S400 ge­kauft hat, ist in Sy­ri­en auf das Wohl­wol­len des Kremls an­ge­wie­sen und könn­te durch ei­ne Kon­fon­ta­ti­on mit Russ­land in Li­by­en in Schwie­rig­kei­ten kom­men.

In Li­by­en be­kämp­fen sich zwei Re­gie­run­gen – die in­ter­na­tio­nal an­er­kann­te Füh­rung un­ter Re­gie­rungs­chef Fayiz al-Sarr­adsch im Wes­ten des Lan­des um Tri­po­lis und ei­ne Ge­gen­re­gie­rung im Os­ten, in der Ge­ne­ral Haftar der star­ke Mann ist – nicht zu­letzt, weil er jüngst of­fen­bar Un­ter­stüt­zung von rund 100 rus­si­schen Söld­nern und Scharf­schüt­zen be­kom­men hat und auch mo­der­ne rus­si­sche Ge­schos­se.

Streit um Gas­fel­der

Um Haft­ars Durch­marsch zu ver­hin­dern, wand­te sich Sarr­adsch zu­letzt an die Tür­kei. An­ka­ra sag­te Hil­fe zu, ver­lang­te aber ei­ne Ge­gen­leis­tung: die li­by­ische Zu­stim­mung zu ei­nem See­ab­kom­men, das An­ka­ras Po­si­ti­on im Streit um Gas­vor­kom­men im öst­li­chen Mit­tel­meer stärkt. Das Ab­kom­men wei­tet die Gren­zen des tür­ki­schen Fest­land­so­ckels im öst­li­chen Mit­tel­meer er­heb­lich aus. Grie­chen­land und Ägyp­ten ha­ben das scharf kri­ti­siert, da sie ei­ge­ne An­sprü­che ver­letzt se­hen. Auch die EU lehnt das Ab­kom­men ab. Den­noch er­füll­te Pre­mier Sarr­adsch An­ka­ras Wunsch. Und so er­klär­te sich die Tür­kei zur ver­stärk­ten Mi­li­tär­hil­fe be­reit. Sein Land wer­de Sarr­adschs Re­gie­rung „je­de nö­ti­ge Un­ter­stüt­zung“zu­kom­men las­sen, sag­te Prä­si­dent Er­do­gan nun.

Seit der Ent­de­ckung gro­ßer Gas­vor­kom­men um Zy­pern gibt es Streit um ih­re Aus­beu­tung. Die Tür­kei und die tür­ki­schen Zyp­rer ver­lan­gen, dar­an be­tei­ligt zu wer­den. An­ka­ra schick­te meh­re­re Bohr­schif­fe in Be­glei­tung von Kriegs­schif­fen in die Re­gi­on, wes­halb es wie­der­holt zu Zwi­schen­fäl­len mit Schif­fen an­de­rer Staa­ten kam. An­fang die­ser Wo­che nun hat An­ka­ra so­gar ei­ne Kampf­droh­ne im tür­ki­schen, in­ter­na­tio­nal nicht an­er­kann­ten Teil Zy­perns sta­tio­niert.

Foto: dpa/Daniel Le­al-Olivas

Po­kert hoch: Er­do­gan bringt mit sei­nem Kurs nicht nur die USA ge­gen sein Land auf.

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